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Sonntag, 13.08.2017

Schlammlawine rollt durch Hartha

Die Leipziger Straße musste gesperrt werden. Auch in Wendishain und Großweitzschen gab es Schäden.

Von Maria Fricke

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Mitarbeiter der Straßenmeisterei Rochlitz waren am Freitagvormittag an der Leipziger Straße kurz vor Hartha im Einsatz, um die Fahrbahn zu reinigen. Sie waren mit Multicar mit Vorbaubesen, Laster, Minibagger und Hochdruckreiniger vor Ort.
Mitarbeiter der Straßenmeisterei Rochlitz waren am Freitagvormittag an der Leipziger Straße kurz vor Hartha im Einsatz, um die Fahrbahn zu reinigen. Sie waren mit Multicar mit Vorbaubesen, Laster, Minibagger und Hochdruckreiniger vor Ort.

© Dietmar Thomas

Bei Monique Jäschke in Wendishain stand das Wasser 20 Zentimeter hoch im Hof und auch im Haus.
Bei Monique Jäschke in Wendishain stand das Wasser 20 Zentimeter hoch im Hof und auch im Haus.

© Dietmar Thomas

Die Pumpen kamen an der Baustelle in der Flutmulde nicht mehr hinterher, um das Regenwasser abzupumpen.
Die Pumpen kamen an der Baustelle in der Flutmulde nicht mehr hinterher, um das Regenwasser abzupumpen.

© André Braun

In den Neubaublöcken der Gemeinde in Westewitz stand Wasser im Keller.
In den Neubaublöcken der Gemeinde in Westewitz stand Wasser im Keller.

© Privat

Döbeln. Noch am Freitagmorgen sind die Spuren des Schlamms zu sehen, der in der vorhergehenden Nacht durch Hartha gezogen ist. Ausgangspunkt der Lawine war das vor kurzem abgeerntete Feld unterhalb der Sternwarte, das an der Leipziger Straße liegt. Von dort aus hatten sich Schlamm und Geröll bis zum Einkaufszentrum an der Geschwister-Scholl-Straße vorgekämpft und den Parkplatz in Mitleidenschaft gezogen.

Alle vier Fahrzeuge der Harthaer Feuerwehr waren in der Nacht im Einsatz, informierte Wehrleiter René Greif. Die Befahrbarkeit konnte in der Nacht nicht wieder hergestellt werden. In Absprache mit der Polizei wurde die Straße daher voll gesperrt. Am Freitagvormittag wurden die Aufräumarbeiten durch Mitarbeiter des Bauhofes fortgesetzt. Außerhalb des Ortes waren auf der S 36 Fahrzeuge der Straßenmeisterei Rochlitz unterwegs. Gegen Mittag sollte die Straße wieder frei sein.

In Gersdorf, Nauhain, Wendishain sowie Lauschka hatte der Starkregen Bankette weggespült. „Die Mitarbeiter der Bauhofes haben die Schäden notdürftig beseitigt,“ sagt Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). Bei einem Anwohner an der Langgasse wurde der Keller überschwemmt. Grund dafür war eine Störung im Kanal. „Der Hauptkanal ist frei, an einer Zuleitung liegt etwas im Argen“, so Kunze. Geplant sei nun, den Kanal mit einer Kamera zu befahren, um die Störung festzustellen und zu beheben.

Knapp 35 Liter Regen pro Quadratmeter seien in Hartha in der Nacht gefallen, hat Wehrleiter René Greif gemessen. Die Wetterstation in Geringswalde hat für die Zeit von 8 Uhr Donnerstag bis 8 Uhr Freitag im Schnitt 23,7 l/m² gemessen.

In Wendishain hat es das Haus der Familie Jäschke erwischt. Dieses steht in einer kleinen Senke, unmittelbar neben dem Grundstück fließt ein Bach. Der hatte sich in der Nacht angestaut und war über die Ufer getreten. Zugleich kam das Wasser über die Ortsstraße, die sich oberhalb des Grundstückes befindet, die Einfahrt heruntergelaufen. Gut 20 Zentimeter stand die braune Brühe vor Monique Jäschkes Haustür. „Ich habe mich nicht mehr getraut, die Tür aufzumachen“, erzählt die 40-Jährige.

Kinder verschlafen Feuerwehreinsatz

Irgendwann suchte sich das Wasser den Weg ins Haus. Die Bewohnerin versuchte zunächst, sich selbst zu helfen. „Ich habe das Wasser in die Badewanne gekippt“, erzählt die zweifache Mutter. Gegen 0.24 Uhr setzte sie doch einen Notruf ab. Daraufhin kamen die Kameraden der Wendishainer Wehr vorbei, die in der Nachbarschaft ihren Sitz hat. „Wir haben Licht gemacht und das Wasser aus dem Hof gepumpt“, schildert Günter Roßberg von der Wehr. Acht Kameraden waren vor Ort. Auch die Harthaer kamen vorbei und halfen mit einem speziellen Nasssauger weiter. Nach gut einer Stunde sei der Einsatz in Wendishain beendet gewesen, so Roßberg.

Monique Jäschke ist froh, dass in ihrem Haus kein größerer Schaden entstanden ist. Zu befürchten ist noch, dass das Laminat im Wohnzimmer angegriffen worden ist. „Das müssen wir jetzt erstmal beobachten“, sagt die Wendishainerin. Auch in der Garage ist der Boden noch mit Schlamm überzogen. Dort aufzuräumen, das steht für die kommenden Tage auf dem Programm. Ihr elfjähriger Sohn sowie die 14-jährige Tochter haben von dem Trubel in der Nacht nichts mitbekommen. „Sie haben geschlafen“, sagt Jäschke und ist darüber selbst erstaunt. Weil ihr Mann die Woche über auf Montage ist, war sie in der Nacht auf sich allein gestellt.

Obwohl das Haus in einem gefährdeten Bereich liegt, habe es in den vergangenen 21 Jahren keine Überflutung gegeben. „Bei starker Schneeschmelze hatten wir mal Wasser im Bad“, berichtet Monique Jäschke. Auch Günter Roßberg weiß um die Gefährdung des Hauses. „Früher hatten wir dort oft Probleme, aber seit die Straße neu gebaut worden ist, ist das Wasser eigentlich immer abgelaufen“, erzählt er.

Eine Ursache für das Ausmaß dieses Mal könnten die verstopften Straßeneinläufe sein, vermutet Roßberg. Zuständig für deren Reinigung ist der Bauhof der Stadt, obwohl es sich um eine Kreisstraße handelt. „Innerorts sind die Kommunen zuständig“, teilte Kreissprecher André Kaiser mit. Außerhalb der Ortschaften haben die Mitarbeiter der Straßenmeisterei die Einläufe zuletzt im Mai gereinigt. Diese Aufgabe stehe zweimal im Jahr an, so Kaiser. Die Kommune reinige die Einläufe einmal pro Jahr, so Bürgermeister Kunze. Es könne jedoch sein, dass sich aufgrund des Starkregens und der Reste der Grasmahd die Einläufe rasend schnell zugesetzt haben.

Pflasterarbeiten ruhen in Flutmulde

Die Mitarbeiter des Bauhofes Großweitzschen waren im Einsatz, um Straßen zu säubern und Ausspülungen zu beseitigen. In den beiden Neubaublöcken der Kommune in Westewitz stand Wasser im Keller. „Das Grundwasser hat hereingedrückt“, so Bürgermeister Ulrich Fleischer (parteilos). Es wurde mit Pumpen und in Handarbeit aus den Kellern gebracht. Über Schäden liegt noch keine Information vor.

In Döbeln ruhten am Freitag die Pflasterarbeiten in der Flutmulde. Das Regenwasser hatte sich angesammelt und musste abgepumpt werden. „Wir haben zwar ständig Pumpen laufen, aber bei solchen Wassermassen reichen sie nicht. Noch mehr können wir nicht anbringen. Dann gibt es Probleme mit der Stromversorgung“, erklärt Stefan Hain, zuständiger Projektleiter bei der Landestalsperrenverwaltung.

In der Stadt waren Einläufe im Bereich Leipziger Straße und in Limmritz verstopft. „Wir werden sie uns in den nächsten Tagen anschauen“, so Stadtsprecher Thomas Mettcher. Auch in Waldheim wurden am Freitag Einläufe und Schnittgerinne, unter anderem am Obermarkt und der Kriebsteiner Straße, gesäubert. Weitere folgen in den nächsten Tagen, sagt Toralf Pönisch vom Tiefbauamt der Stadt. (mit DA/je)

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