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Montag, 19.03.2018

„Schlag ins Gesicht“

Überraschend verlieren Dresdens Volleyballerinnen das erste Viertelfinale und stehen jetzt in Potsdam unter Zugzwang.

Von Michaela Widder

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Mangelnden Einsatz kann man Zuspielerin Mareen Apitz und ihrem Team nicht vorwerfen. Eine Woche bleibt dem DSC, die Niederlage aufzuarbeiten.
Mangelnden Einsatz kann man Zuspielerin Mareen Apitz und ihrem Team nicht vorwerfen. Eine Woche bleibt dem DSC, die Niederlage aufzuarbeiten.

© Matthias Rietschel

Pllötzlich ist die Situation beim Dresdner SC eine ganz andere. Gut gelaunt und mit dem Schwung des Pokalsiegs waren die Volleyballerinnen in die entscheidende Saisonphase gestartet. Doch nach 124 Minuten ist am Samstagabend die Überrumpelung perfekt. Der DSC unterliegt dem Tabellensiebenten Potsdam mit 2:3 (25:16, 18:25, 22:25, 25:23, 10:15) – und benötigt am Sonntag einen Sieg, damit die bisher glanzvolle Saison nicht überraschend früh beendet ist. Ein Aus im Viertelfinale hat es für den Klub seit Einführung der Play-offs noch nie gegeben.

„Mit der Situation“, sagt Alexander Waibl, „dass wir mit dem Rücken zur Wand stehen, müssen wir umgehen.“ Es sei schon schwierig für seine Spielerinnen, gibt der Trainer zu und blickt dennoch positiv auf die Alles-oder-Nichts-Begegnung in Potsdam. „Letztendlich ist es ein Spiel, das wir gewinnen müssen. Da gibt es keine Optionen, also fahren wir da hin und werden das tun.“ Mit einem Sieg würde dann die Entscheidung um den Einzug ins Halbfinale drei Tage später in Dresden fallen.

Doch zunächst heißt es für die Mannschaft, die Niederlage zu analysieren, zu verarbeiten und aus dem Kopf zu bekommen. Es war ein „ärgerlicher Abend“, wie Waibl fand. Im ersten Satz sah es danach aus, als sollte es ein kurzer Arbeitstag werden – mit gutem Ende für den DSC. Mit druckvollen Aufschlägen konnte das Team viele Punkte vorbereiten, doch dieses Plus verlagerte sich im Spielverlauf zugunsten der Gäste um ihre überragende Diagonalangreiferin. Die Serbin Marta Drpa, vor der Waibl extra gewarnt hatte, war mit ihren 31 Punkten nur schwer zu stoppen. Beim DSC konnte einzig ihr finnisches Pendant Piia Korhonen (21) zweistellig punkten. „Wir haben im zweiten Satz den Faden verloren, sind in allen Elementen ein bisschen fahrig geworden“, analysierte Waibl.

Zwar kämpfte sich Dresden zurück in diese Partie – und in den Tie-Break. Beim 8:6 zum letzen Seitenwechsel lag der Vorteil auch noch beim Tabellenzweiten. „Am Ende haben wir zu viele Fehler in der Annahme gemacht.“ Eine Erklärung dafür dürfte die angeschlagene Abwehrchefin sein, zumindest sprach Waibl dies an.

Myrthe Schoot war im Freitagtraining in der Halle am Deckel des Netzpfostens hängen geblieben und gestürzt. Dabei hatte sich die Holländerin einen Riss auf der rechten Kniescheibe zugezogen und musste genäht werden. Sie wollte unbedingt als Libero auflaufen. „Ich habe alles gegeben, was möglich war – offensichtlich nicht genug“, sagt Schoot selbstkritisch. Die Verletzung habe sie ein wenig eingeschränkt. „Ich hatte Angst, dass alles aufspringt, habe mich gar nicht getraut, daraufzufallen, und daher war es schwierig, in eine bestimmte Ecke reinzugehen.“

Die 29-Jährige, die aus ihrem Missgeschick kein allzu großes Thema machen wollte, ist in den nächsten Tagen als Motivator besonders gefragt. Mit all ihrer Erfahrung – auch aus der Nationalmannschaft – weiß sie, mit solchen Drucksituationen umzugehen. „Ich denke, dass wir oft genug gut zurückgekommen sind – von so einem Schlag ins Gesicht. Darauf vertraue ich. Wir müssen jetzt zeigen, was wir wert sind, wie gern wir ins Finale wollen. Auch wenn das noch weit weg ist.“ Die Qualität im Training stimmt, ebenso die Form.. „Da muss sich nichts ändern“, meint Mittelblockerin Barbara Wezorke und sieht den Fokus auf der „mentalen Arbeit“.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Marc Brossmann

    Tatsächlich müssen sie die nächsten beide Spiele gewinnen (vorausgesetzt das kommende Spiel wird gewonnen), um die Meisterschaftsambitionen zu erhalten. Das ist ja aber auch das Schöne und Interessante am Play-off-System. Das verhindert die Ödnis, die man bspw. alle Jahre wieder in der deutschen Fußballbundesliga erleben kann. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die DSC-Damen mit der ungewohnten Konstallation arrangieren und ob sie den Kopf aus der sportlichen Schlinge ziehen können.

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