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Donnerstag, 14.09.2017

Schalke-Stadion am Neumarkt

Alexandra und Marcel aus Löbau lieben Fußball. Sie Schalke, er Dortmund. Zu Dynamo halten sie nur aus einem Grund.

Von Markus van Appeldorn

Alexandra Eichel und Marcel Krebs in ihrer Ruhrpott-Arena am Löbauer Neumarkt. Wenn die Revier-Rivalen in der Bundesliga aufeinandertreffen, verläuft ein unsichtbarer Zaun durch ihre Fernsehcouch.
Alexandra Eichel und Marcel Krebs in ihrer Ruhrpott-Arena am Löbauer Neumarkt. Wenn die Revier-Rivalen in der Bundesliga aufeinandertreffen, verläuft ein unsichtbarer Zaun durch ihre Fernsehcouch.

© matthias weber

Es soll für die Partnerschaft ja unheimlich förderlich sein, wenn man ein gemeinsames Hobby pflegt. Bei Alexandra Eichel und Marcel Krebs aus Löbau ist das der Fußball. Der Sender Sky ist für die beiden im Wortsinne der Himmel auf Erden, weil er die Bundesliga und mehr auf den Bildschirm bringt. Doch zweimal im Jahr – mindestens – zieht sich eine Demarkationslinie quer durch ihre Fernsehcouch. Immer, wenn die Ruhrpott-Mächte FC Schalke 04 und BVB Dortmund zum Revier-Derby aufeinandertreffen. Dann herrscht auch in der Wohnung am Neumarkt eine Stimmung wie im Boxring vor dem Kampf – mit Alexandra in der blauen Schalke-Ecke und Marcel in der schwarz-gelben Dortmunder Ecke. Dann gilt es gar als Sakrileg, auch nur den Namen des Gegners zu erwähnen. Aus Schalke wird spöttisch „Herne West“, aus Dortmund „Lüdenscheid Süd“.

Eine Löbauerin als Schalke-Fan in Dynamo-Land? Das kann nur etwas mit der Leidenschaft für einen Kerl zu tun haben. Hat‘s auch. „Ich bin Schalke-Fan, seit ich vor vielen Jahren Rudi Assauer im Fernsehen gesehen habe“, erzählt Alexandra von ihrem Erweckungserlebnis. „Den fand ich cool.“ Und Marcel ist seit Kindesbeinen Dortmund-Fan. „Als ich sechs Jahre alt war, bin ich mit meiner Oma mal über den Altmarkt“, erzählt der 27-Jährige, „an einem Stand mit lauter Fan-Schals habe ich mir den vom BVB ausgesucht.“ Den hat er sich dann jedes Mal, wenn Dortmund gespielt hat, um den Hals gelegt und mit seinem Vater zusammen vor dem Fernseher gesessen. Heute kommt an jedem Wochenende das schwarz-gelbe Trikot aus dem Schrank. „Marco Reus“ steht auf dem Rücken und die Nummer 11. „Reus ist ein guter Spieler und ein sympathischer Typ“, erklärt Marcel seine Trikot-Wahl.

Bei aller Liebe zu Schalke, ein Trikot will sich Alexandra dann doch nicht anziehen. „Aus dem Alter bin ich raus“, sagt die 39-Jährige. Aber weil Schalke nun mal ein Lebensgefühl ist, zeigt sie ihre Zugehörigkeit stilistisch ausgefeilter. In den Ohrläppchen trägt sie kleine Stecker mit Schalke-Logo und an den Füßen Schalke-Filzpantoffeln. Die Fingernägel sind abwechselnd in königsblau und weiß lackiert.

Seit 2008 sind Alexandra und Marcel ein Paar. Die Zuneigung zu einander rivalisierenden Fußballvereinen hat anderen Leidenschaften nie im Weg gestanden. „Bettwäsche von Schalke oder Dortmund gibt‘s bei uns nicht“, sagt Alexandra. Und dass sie Rudi Assauer irgendwie sexy findet – kein Problem für Marcel. Schließlich ist der langjährige kultbehaftete Schalke-Manager Assauer seit beinahe 50 Jahren Vereins-Mitglied beim BVB Dortmund.

Auf befremdliche Reaktionen stoßen die beiden im Dynamo-Land schon manchmal. „Dresden und Dortmund ist nicht so das Problem“, sagt Alexandra. „Da gibt es viele wechselseitige Fans. Aber bei Schalke höre ich oft: ,Oh Gott, Schei... 04.’“ Aber da bleibt Alexandra ganz cool und hängt trotzdem an Spieltagen stolz die Schalke-Fahne aus ihrem Fenster. Bisher sind Alexandra und Marcel reine TV-Fußballer. Noch nie waren sie in einem Bundesliga-Stadion. „Nach Schalke ist es weit. Da braucht man ein ganzes Wochenende Zeit“, sagt sie. Und teuer sei es außerdem. „Zu meinem 40. Geburtstag wünsche ich mir, einmal ein Spiel auf Schalke zu sehen,“ sagt sie und bekommt prompt die Antwort von Marcel: „Da kannste alleine hinfahren.“ Um ihre Mannschaften mal live auflaufen zu sehen, haben sich die beiden mittlerweile auf gewissermaßen neutrales Territorium geeinigt – das aber gibt‘s noch gar nicht. „Wir wünschen uns, dass Dynamo Dresden wieder in die Bundesliga aufsteigt“, sagt Alexandra. Ein durchaus ungewöhnlicher Wunsch für einen Schalke-Fan. Aber mit gutem Grund: „Dann würden auch Schalke und Dortmund in Dresden spielen“, sagt sie. Und Dresden sei eben von Löbau aus ganz leicht zu erreichen.

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