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Sonntag, 15.04.2018

Schätze im Boden beiderseits der Neiße

Archäologen aus Sachsen, Berlin und Brandenburg sowie aus Polen tagen gemeinsam in Bad Muskau.

Von Rolf Ullmann

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Vor dem Rundgang durch einen Teil des Fürst-Pückler-Parks nehmen die Tagungsteilnehmer auf der Treppe zum Neuen Schloss für die Kamera Aufstellung.
Vor dem Rundgang durch einen Teil des Fürst-Pückler-Parks nehmen die Tagungsteilnehmer auf der Treppe zum Neuen Schloss für die Kamera Aufstellung.

© Rolf Ullmann

Peter Schöneburg, der archäologische Leiter der Ausgrabungsstätten in den Tagebauen Nochten und Reichwalde.
Peter Schöneburg, der archäologische Leiter der Ausgrabungsstätten in den Tagebauen Nochten und Reichwalde.

© Rolf Ullmann

Bad Muskau. Archäologen sind Schatzgräber der ganz besonderen Art. Sie fördern zwar kein Silber oder Gold zutage, doch was sie dem Erdreich entreißen, ist häufig von unermesslichem Wert, wenn es gilt, aus dem Wissen um die Vergangenheit Schlüsse auf unser jetzt und hier zu ziehen. Dem Austausch neuer Erkenntnisse, die aus jüngsten Funden und Ausgrabungen resultieren, unter den Wissenschaftlern sowie den Hobbyarchäologen kommt dabei eine ausschlaggebende Bedeutung zu. Genau dieses Anliegen prägte die dreitägige Jahrestagung der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen gemeinsam mit der Partnergesellschaft in Berlin und Brandenburg sowie polnischen Wissenschaftlern an diesem Wochenende in Bad Muskau. Ausgehend vom Thema der Tagung „Grenzenlos? Archäologie am Fluss – Forschung beiderseits von Oder und Neiße“ entfalten die Vortragenden vor den rund 150 Teilnehmern an der Tagung ein Mosaik neuer Erkenntnisse über einen Zeitraum von der Bronzezeit bis hinein in die jüngere Gegenwart. Welch hoher Stellwert der Tagung vonseiten des Freistaates Sachsen beigemessen wird, wird durch die Tatsache unterstrichen, dass Dr. Rösler, der Präsident des Sächsischen Landtages, die Schirmherrschaft übernimmt. Mit seinen Grußworten eröffnet er am Sonnabendvormittag dann auch den Reigen der Fachvorträge. Dr. Jasper von Richthofen, der Leiter der Städtischen Kunstsammlungen Görlitz, erläutert in seinem Vortrag das Wirken der Görlitzer Wissenschaftsgesellschaften und richtet die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf den Zeitraum, als mit den archäologischen Forschungen in der Oberlausitz begonnen wurde.

Seit über zehn Jahren arbeitet und forscht Peter Schöneburg gemeinsam mit der Diplom-Geologin Andrea Enno in den Ausgrabungsstätten der beiden Tagebaue Nochten und Reichwalde auf den Spuren der Vergangenheit. Deren erhalten gebliebene Zeugnisse spannen den Bogen von den Wildbeutern der Urgesellschaft bis zum Jagdpark von Fürst Pückler im Tiergarten bei Weißwasser. Über ein aufsehenerregendes Ergebnis ihrer Grabungen wurden die Medienvertreter Ende März während einer Befahrung des Vorfeldes im Tagebau Nochten informiert. Den Wissenschaftlern war es in akribischer Kleinarbeit gelungen, eine vollständige bronzezeitliche Siedlungslandschaft freizulegen. Über dreihundert Jahre hatten hier Siedler in sieben Wandgräbchenhäusern gelebt, große Vorratslager angelegt und ihre Verstorbenen in sieben Grabhügeln bestattet. Dieser Fund holt den Alltag der Menschen in der Bronzezeit aus dem Dunkel der Geschichte und lässt vielfältige Rückschlüsse auf deren Lebensweise zu. Doch dieser Fund ist nicht der einzige, über den Peter Schöneburg in seinem Beitrag berichtet. „Wir haben in den Tagebauen ein flächenmäßig sehr großes Forschungsgebiet, das es in diesen Dimensionen sonst nur selten gibt,“ sagt er. So gelang es, Überreste eines Eisenhammers aus dem Mittelalter bei Viereichen ebenso freizulegen wie die Pechhütten im Tagebau Nochten. Auf den Spuren des grünen Fürsten Herman von Pückler sind die Archäologen gewandelt, als sie die Jagdeinrichtungen der Standesherschaft im Urwald bei Weißwasser untersuchten. Ihnen ist dabei die Rekonstruktion des Chinesischen Turmes, des Jagdparkes, des Märchenteiches sowie des Cottages gelungen. Bei Grabungen fanden sie auch Inventar aus dem Neuen Schloss.