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Mittwoch, 13.09.2017

Schärfere Regeln für Hunde

42 Menschen sind letztes Jahr durch Bisse verletzt worden. Nun wird die Leinenpflicht ausgedehnt.

Von Sandro Rahrisch und Ariane Heinen

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Bald ist die Leine für Theo, Nino und Zaboo immer Pflicht im Herrmann-Seidel-Park. Der Umweltausschuss hat am Montag für strengere Regeln gestimmt.
Bald ist die Leine für Theo, Nino und Zaboo immer Pflicht im Herrmann-Seidel-Park. Der Umweltausschuss hat am Montag für strengere Regeln gestimmt.

© Christian Juppe

Dresden. Theo, Nino und Zaboo sollten die Freiheit im Hermann-Seidel-Park noch einmal genießen. Denn allzu lange werden die drei Hunde dort nicht mehr toben dürfen. Die Schnur zum Herrchen wird in dem Striesener Park zur Pflicht, wie der Umweltausschuss am Montag beschlossen hat. Aber nicht nur dort müssen Hundebesitzer aufpassen. In ganz Dresden soll der Leinenzwang nun verschärft werden.

Gegenseitige Rücksicht hätte es auch getan, findet Tilo Piegholdt. Der 52-Jährige führt Theo, Nino und Zaboo aus. „Wenn Kinder in der Nähe sind, leine ich die Hunde sowieso an“, sagt er. Eine Leinenpflicht im Park halte er daher für unnötig. „Jeder vernünftige Hundebesitzer kann seine Tiere einschätzen. Ich weiß, wann ich sie frei laufen lassen kann. Ich sehe, wenn ein Fußgänger Angst hat.“ Alle Parkbesucher müssten sich gegenseitig respektieren.

So ganz hat das laut Stadtverwaltung aber nicht geklappt. Die Hinweisschilder, die seit einem Jahr dazu auffordern, Hunde im Seidel-Park an die Leine zu nehmen, würden nicht ernst genommen, heißt es. Dabei spielten viele Kinder auf den Wiesen. Bei Tagesmüttern sei die Grünanlage beliebt. Immer wieder sei es zu Konfliktsituationen zwischen Parkbesuchern und Hundehaltern gekommen. Die Schilder hätten daran nichts geändert.

Die Stadt rechnet vor, wie viele Menschen in den letzten Jahren von Hunden gebissen wurden. Sind 2014 noch 110 Fälle mit 66 Verletzten in ganz Dresden angezeigt worden, waren es 2015 insgesamt 82 Vorfälle, bei denen 50 Menschen zu Schaden kamen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl noch einmal. Bei 67 Attacken wurden 42 Leute verletzt, teilt das Rathaus auf Anfrage von Stadträtin Manuela Sägner (Linke) mit. Wie viele dieser Hunde angeleint waren, werde statistisch aber nicht erfasst, so die Verwaltung. Gezählt würden nur die Verstöße gegen die Leinenpflicht an sich. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erwischte das Ordnungsamt schon 86 freilaufende Vierbeiner.

Bislang zählte Striesen nicht zu den Stadtteilen, in denen Hunde zwingend an die Leine müssen. Dies gilt nur im Alt- und Neustädter Ortsamt, grob gesagt, zwischen Hauptbahnhof im Süden Dresdens und Stauffenbergallee im Norden der Stadt. Auch im Großen Garten und in der Dresdner Heide dürfen Hunde nicht frei umherlaufen. Zwar ist für Striesen auch in Zukunft kein genereller Leinenzwang geplant. Beim Seidel-Park bot die Grünanlagensatzung jedoch die Möglichkeit, strengere Regeln aufzustellen. „Wir hätten vorher gern mit den Einwohnern gesprochen, um zu erfahren, was sie davon halten“, sagt Stadtrat Martin Schulte-Wissermann von der Linksfraktion.

Er halte es für nicht gesund, wenn Hunde nie frei umherlaufen dürften. Deshalb sollte man nun immerhin für das Alt- und Neustädter Ortsamt über Wiesen für Hunde nachdenken. Der Alaunplatz, die Elbwiesen und die Cockerwiese kämen dafür zumindest in Betracht. „Ein Vorschlag, über den diskutiert werden soll.“ Manuela Sägner sieht auch die Gesundheit der Tiere gefährdet. „Nach geltendem Recht müssen einem Hund Freilauf und Sozialkontakt zu Artgenossen gewährt werden“, sagt sie.

Zunächst soll aber der Leinenzwang verschärft werden. Bus- und Straßenbahnhaltestellen kommen zu Alt- und Neustadt hinzu. Über eine entsprechende Änderung der Polizeiverordnung wird der Stadtrat noch in diesem Jahr abstimmen. Leinenpflicht soll im Bereich aller öffentlichen Fahrgastunterstände herrschen, heißt es in dem Entwurf. Generell begrüßen es die Verkehrsbetriebe, dass die Regeln, die bereits in Bussen und Bahnen gelten, an den Haltestellen fortgeführt werden. Weshalb jedoch Haltestellen ohne Wartehäuschen ausgenommen werden, erschließt sich auch DVB-Sprecherin Anja Ehrhardt nicht. Selbst könnten die Verkehrsbetriebe dies nicht in die Hand nehmen, da die Haltestellen flächenmäßig der Stadt gehörten. Immerhin, Blindenhunde sind von dem Leinenzwang nicht betroffen.

Weitere Stadtteile sollen erst einmal nicht mit in die Leinenpflicht-Liste aufgenommen werden. Im vergangenen Jahr hatte es bereits Pieschen versucht, draufgesetzt zu werden, um der Hundehaufen-Problematik Herr zu werden. Der Vorschlag wurde dann aber doch nicht umgesetzt.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 59 Kommentare

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  1. Dieter Loggs

    Richtig. Man hat es mit Vernunft versucht. Es gibt leider noch zu viele Hundehalter, die sich nicht an Regeln halten bzw. denen einfach die anderen egal ist. Schade für die, die sich an alle Regeln halten. Eigentlich vernünftiger Menschenverstand. Leider ist die neue Regelung nicht konsequent genug. Man müsste die - und auch andere - Dinge viel stärker kontrollieren und mit Strafen versehen.

  2. Markus

    Gute Entscheidung. Eigentlich sollte im gesamten Stadtgebiet Leinenpflicht bestehen. Menschen sind wichtiger als Köter.

  3. Michael H.

    Noch ein Verbot mehr, dessen Einhaltung so gut wie nie überwacht werden wird. Damit macht sich der Rechtsstaat lächerlich.

  4. Fanny May

    Es ist wie in allem; Leinenzwang wird auch hier nur zu einer gefühlten Erhöhung der Sicherheit führen. Wer zu unterbegabt ist, seinem Hund die notwendige Erziehung angedeihen zu lassen, wird auch an der Leine nicht im Griff haben, was das Tierchen so anstellt. Habe ich schon zu oft selbst erlebt, bin selbst Hundehalter. Mir muss niemand sagen, dass ich meinen Hund nicht auf Liegewiesen herumrennen lassen kann, dass man den Hund abrüft, wenn jemand entgegenkommt, und auch, dass man die Hinterlassenschaften gefälligst wegräumt. Ich erlebe aber jeden Tag Hundebesitzer, die nicht willens bzw. in der Lage sind, auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen. Daran wird nach meiner Einschätzung auch kein Leinenzwang dieser Welt etwas ändern.

  5. Dresdner Jung

    Ganz einfach - wer kein eigenes Grundstück besitzt, auf dem der Hund auch frei herumlaufen kann, darf sich auf keinen halten. Zack, erledigt. Warum zum Teufel muss man in einer Zweiraumwohnung in der Innenstadt einen Hund halten?? Kauft euch ein Aquarium verdammt. Was ich mit meinen Kindern schon an den Elbwiesen mit Hundehaltern erlebt habe, reicht mir vollkommen - der Großteil vollkommen ignorant. Ich kann das "der tut doch nix" auch nicht mehr hören. Wenn der Kinderkopf in gleicher Höhe wie der Hundekopf ist, verschiebt sich die Relation. Und über die Hinterlassenschaften brauchen wir gar nicht erst reden... Bei der Hundehaltung müsste alles noch viel strenger reglementiert werden!

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