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Donnerstag, 12.04.2018

Sammers kritischer Blick auf Dynamo

Die Vereinslegende kann mit Zweifeln an Trainer Uwe Neuhaus nichts anfangen. Er mahnt Ruhe und Stabilität an.

Von Tino Meyer

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Stammplatz Stadion. Klaus Sammer ist bei jedem Heimspiel dabei – und lobt die Atmosphäre.
Stammplatz Stadion. Klaus Sammer ist bei jedem Heimspiel dabei – und lobt die Atmosphäre.

© Robert Michael

Auf Händen haben ihn seine Spieler getragen – unter anderem nachdem Sammer im Mai 1984 die Mannschaft zum Pokalsieg gegen den Berliner Rivalen BFC führte.
Auf Händen haben ihn seine Spieler getragen – unter anderem nachdem Sammer im Mai 1984 die Mannschaft zum Pokalsieg gegen den Berliner Rivalen BFC führte.

© Volker Santrucek

Sammer seniors Unterschrift ist begehrt – bei der Buch-Premiere.
Sammer seniors Unterschrift ist begehrt – bei der Buch-Premiere.

© Robert Michael

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Nur ist die Stimmung bei allen, die sich mit Dynamo Dresden beschäftigen, schon besser gewesen als in dieser Jubiläumswoche mit dem 65. Vereinsgeburtstag. Die sportliche Lage treibt nicht nur die Verantwortlichen um. Fünf Spiele vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsrang lediglich drei Punkte. Und am Samstag kommt der Tabellendrittplatzierte Kiel nach Dresden.

Zwischen Stolz auf sechseinhalb ereignisreiche Jahrzehnte und dem vereinsübergreifenden Traum, irgendwann vielleicht doch noch mal im Europapokal zu spielen, mischen sich deshalb immer mehr Kritik und Zweifel, nicht zuletzt in Richtung des Trainers Uwe Neuhaus. Kriegt Dynamo das mit dem Klassenerhalt wirklich hin?

Eine Prognose mag auch Klaus Sammer nicht wagen, obwohl der 75-Jährige als Spieler und Trainer bei den Schwarz-Gelben alles erlebt hat. Doch gerade deshalb hält er sich mit Einschätzungen in der Öffentlichkeit zurück. Eines aber, und davon hat er am Mittwochabend im DDV-Stadion bei der Vorstellung des neuen Dynamo-Buches „65 Geschichten voller Leidenschaft und Tradition“ erzählt, ist ihm zuletzt negativ aufgefallen. „Jetzt schimpfen wieder einige über unseren Trainer. Ich sage: Der Neuhaus ist ein hervorragender Trainer. Das geht nicht, dass sich jetzt irgendwelche Nörgler melden und meinen, sie könnten es besser“, sagt Sammer, wie man ihn kennt: konsequent und meinungsstark.

Der gebürtige Gröditzer, der 1964 vom Stadtrivalen SC Einheit zu Dynamo kam, fühlt sich unweigerlich an seine Zeit an der Seitenlinie erinnert. Zwischen 1983 und 1986, als er mit Dynamo zweimal Pokalsieger wurde, sowie in der Bundesliga-Saison 1992/93 war das.

„Als Cheftrainer klopfen dir alle auf die Schulter, aber hintenrum wird gehetzt und kritisiert“, meint Sammer und sieht Parallelen bis in die Gegenwart: „Ich habe bei Dynamo Dresden immer nicht verstanden, wenn sich ehemalige Spieler über die aktuelle Situation äußern. Zum Beispiel, dass die jetzige Mannschaft keine Kraft habe. Solchen Meinungen schließt sich dann das Publikum an. So ist das oft in Dresden gelaufen. Aber das macht man einfach nicht.“

Stattdessen hätten Neuhaus und vor allem Sportchef Ralf Minge sowie der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born und Präsident Andreas Ritter endlich Ruhe in den Verein gebracht – so zumindest sieht Sammer das.

Entscheidend, das betont er an dem unterhaltsamen, anekdotenreichen Abend allerdings auch, sei außerdem die Qualität der Spieler. Und ihr Mitdenken. Gedankenlos die Vorgaben eines Trainers zu übernehmen, habe früher schon nicht funktioniert. Dem legendären Satz seines Freundes und früheren Mitspielers Hans-Jürgen Kreische stimmt er jedenfalls uneingeschränkt zu: „Aus Scheiße kannst du keine Bonbons machen.“ Stattdessen wünscht sich Sammer, der sich seinen kritischen Blick bewahrt hat, Ruhe, Stabilität – und den Klassenerhalt. „Der ist erst mal das Allerwichtigste, damit die erfreuliche Entwicklung weitergeht und wir eines Tages den Aufstieg in die Bundesliga schaffen.“

Ein Lob fürs Dresdner Publikum

Verdient hätten sich das insbesondere die Fans. „Nach wie vor muss ich sagen: Dresden hat ein wunderbares Publikum, nur ganz kleine Abstriche will ich machen. Das sind die 0,3 Prozent, mit denen ich nicht befreundet bin“, sagt Sammer und bezieht sich dabei auf die immer wiederkehrenden Negativ-Vorfälle. „Das gefällt mir überhaupt nicht. Aber ansonsten ist das eine herrliche Atmosphäre, wie die Mannschaft angefeuert wird. Dresden ist einfach eine Fußball-Stadt.“

Sein Sohn Matthias, selbst eines der Dynamo-Idole, sieht das ähnlich. Dass der 50-Jährige jetzt als Berater in Dortmund bei den anderen Schwarz-Gelben arbeitet und nicht in Dresden, kommentiert Klaus Sammer gelassen. „Er wird sicherlich mit Ralf Minge in guter Verbindung stehen und auch über Dynamo sprechen. Matthias ist in Dortmund ja nicht hauptamtlich eingestiegen, wie er eigentlich sollte. Er ist bei Eurosport, und das reicht“, sagt der Vater über den Sohn, den es nach der Auszeit in Folge eines Hirnschlags offenbar wieder mehr auf die große Fußball-Bühne zieht.

Dass Dortmund auf Sammer junior setzt, findet der Senior dennoch ausgesprochen clever. Wer mit Toptrainer wie Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes und Pep Guardiola zusammengearbeitet habe, verfüge schließlich über unbezahlbare Erfahrungswerte und Fachwissen ohne Ende. „Im eigenen Nest ist man teilweise blind und sieht viele Dinge nicht. Außenstehende beurteilen Sachen neutraler und können Ratschläge geben“, sagt Sammer.

Das Buch zum Jubiläum: „Dynamo Dresden. 65 Geschichten voller Leidenschaft und Tradition.“ Erhältlich im SZ-Treffpunkt, Buchhandel, unter 0351/ 48 64 18 27 oder hier.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Stefan

    Er hat völlig recht, ich kann auch nicht die Leute verstehen, die ständig am Trainer rumnörgeln oder denken es besser machen zu müssen. Die beteiligten Personen haben nun mal Ruhe in den Verein gebracht. Aber naja, es wird immer Vollidioten geben, die denken das sie Trainer oder Sportdirektor spielen könnten.

  2. Stefan

    Er hat völlig recht, ich kann auch nicht die Leute verstehen, die ständig am Trainer rumnörgeln oder denken es besser machen zu müssen. Aber naja, es wird immer Vollidioten geben, die denken das sie Trainer oder Sportdirektor spielen könnten.

  3. dyndre53

    Es geht nicht darum, den Trainer als "Gesamtkunstwerk" schlechtzureden!!!! Große Teile der Fans haben sehr wohl eine gewisse Sachkenntnis. Es geht aber sehr wohl darum, dass U.N. zu Recht Kritik in Sachen immer wieder gleicher taktischer Fehler einstecken muss, was auch nicht so Fussballbewanderten auffällt: Stichwort 21-Stürmer-Taktik". 80% Ballbesitz bei effektiv und nominativ viel zu wenigen echten Strafraumszenen und Torchancen (die regelmäßig weit übers Tor gedroschenen Schüsse und gefühlten Rückpässe zum gegenerischen Torwart zähle ich dabei nicht als Torchancen) sind nur eines: brotlose Kunst! Was den Trainer, im Grundsatz wiederholt seit Monaten, bewegt, bei völlig platten Braunschweigern ab der 60...70. Minute Kone raus- und den Sprintstar Mlapa reinzunehmen, ist mir ein Rätsel. Wie eben die schon nervende 1-Stürmer-Taktik an sich, gerade auch in Heimspielen. Punkte gegen den Abstieg holt man nicht mit Unentschieden, Herr "Beratungsresistent"-Trainer.

  4. dyndre53

    Korr.: Es geht nicht darum, den Trainer als "Gesamtkunstwerk" schlechtzureden!!!! Große Teile der Fans haben sehr wohl eine gewisse Sachkenntnis. Es geht aber sehr wohl darum, dass U.N. zu Recht Kritik in Sachen immer wieder gleicher taktischer Fehler einstecken muss, was auch nicht so Fussballbewanderten auffällt: Stichwort -1-Stürmer-Taktik". 80% Ballbesitz bei effektiv und nominativ viel zu wenigen echten Strafraumszenen und Torchancen (die regelmäßig weit übers Tor gedroschenen Schüsse und gefühlten Rückpässe zum gegenerischen Torwart zähle ich dabei nicht als Torchancen) sind nur eines: brotlose Kunst! Was den Trainer bewegt, bei völlig platten Braunschweigern ab der 60...70. Minute Kone raus- und den Sprintstar Mlapa reinzunehmen, ist mir ein Rätsel. Wie eben die schon nervende 1-Stürmer-Taktik an sich, gerade auch in Heimspielen. Punkte gegen den Abstieg holt man nicht mit Unentschieden, Herr "Beratungsresistent"-Trainer.

  5. Bernd

    Trainer Neuhaus müßte begreifen,das im Abstiegskampf und in dem befindet sich nämlichDynamo!!! nicht nur schön spielen zählt,sondern auch dreckiger Kampf um jeden Ball.Unverständlich ist auch das vor dem eigenen Tor riskant auf engsten Raum Kombiniert wird statt die Bälle mal wegzuschlagen,hauptsächlich in den letzten Minuten des Spiels und so einige Siege verschenkt wurden.Ich bin mir sicher das mir Morgen im Stadion wieder graue Haare wachsen werden . Meinung eines alten Dynamofan , der schon gegen die Bayern 1973 im Stadion war und sich gut erinnern kann wie Hoeneß Ede Geyer zweimal außen davon lief und Tore enstanden

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