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Dienstag, 21.03.2017

Saisonstart für das Freilandgemüse

In der Biogärtnerei Auenhof bei Ostrau werden 90 Prozent der Jungpflanzen selbst gezogen. Damit ist Bio garantiert.

Von Sylvia Jentzsch

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Katrin Leipacher und ihr Mann Oliver Leipacher sind Bio-Gärtner aus Leidenschaft und Überzeugung. Sie sind die Chefs der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera. Dort gibt es auch die Abo-Kiste mit frischem Gemüse.
Katrin Leipacher und ihr Mann Oliver Leipacher sind Bio-Gärtner aus Leidenschaft und Überzeugung. Sie sind die Chefs der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera. Dort gibt es auch die Abo-Kiste mit frischem Gemüse.

© Dietmar Thomas

Damit nicht jede Samenkuhle einzeln eingedrückt werden muss, verwendet Sarah Wagner eine Schablone.
Damit nicht jede Samenkuhle einzeln eingedrückt werden muss, verwendet Sarah Wagner eine Schablone.

© Dietmar Thomas

Mithilfe des Saatgutgerätes werden die Samenkörner in die sogenannten Speedys verteil. Das erleichtert die Arbeit.
Mithilfe des Saatgutgerätes werden die Samenkörner in die sogenannten Speedys verteil. Das erleichtert die Arbeit.

© Dietmar Thomas

Nach etwa zehn Tagen haben sich die Pflänzchen entwickelt.
Nach etwa zehn Tagen haben sich die Pflänzchen entwickelt.

© Dietmar Thomas

Ostrau. So mancher Hobbygärtner verzweifelt an der Aufgabe, die millimeter großen Samenkörner in kleine Erdlöcher zu bringen. Sarah Wagner, Landwirtschaftsingenieurin in der Biogärtnerei Auenhof in Niederlützschera, bringt täglich Tausende Samenkörner in sogenannte Speedys. So werden die kleinen mit Erde gefüllten, etwa 1,5 mal 1,5 Zentimeter großen Behälter genannt, in denen die Jungpflanzen wachsen.

300 Speedys sind ein Trailer. Damit Sarah Wagner die Löcher für die Samenkörner nicht einzeln in die Erde stechen muss, gibt es eine Art Schablone. Einmal aufgelegt – und schon sind 300 kleine Kuhlen entstanden. Auch das Einbringen des Samens geht einfacher als gedacht. Dafür gibt es ein Saatgutgerät. Die Samen kommen in eine Art Kiste und werden mit einem Flachpinsel in kleine Löcher verteilt.

Sind alle in ihre Position gebracht, werden mit einem kleinen Druckknopf die Löcher geöffnet und die winzigen Samenkörner sausen durch die Leitungen in ihre vorgesehenen Kuhlen. „Bei der Roten Beete klappt das recht gut. Hier dürfen es zwei bis drei Samenkörner pro Kuhle sein. Beim Kohl allerdings nur eins“, sagte Sarah Wagner. Liegen zu viele Körner in der Kuhle, kommt die Pinzette zum Einsatz.

Die Kuhlen werden mit Bio-Jungpflanzen-Erde aufgefüllt und der Trailer bewässert. Nach etwa zehn Tagen zeigt sich das erste Grün. Bis die Jungpflanzen ins Freiland oder unter Folie eingesetzt werden, dauert es etwa acht Wochen. Bis dahin stehen sie im temperierten Gewächshaus mit viel Licht. „Manche Kulturen sind kompliziert. Da muss vor allem bei der Bewässerung auf Besonderheiten geachtet werden“, so Sarah Wagner.

Etwa 90 Prozent der Jungpflanzen zieht die Biogärtnerei Auenhof selbst. „Damit können wir zum einen garantieren, dass die Pflanzen aus biologischem Anbau stammen, und zum anderen haben diese Pflanzen kurze Wege aufs Feld“, sagte Katrin Leipacher, die mit ihrem Mann Oliver die Biogärtnerei Auenhof betreibt. Zurzeit wird dort der Wechsel vom Winter- zum Frühjahrsgemüse vollzogen. Das heißt, Spinat, Feldsalat und Postelein werden geerntet. Auch der erste Schnittlauch kann den Weg in die Läden antreten.

Wenn es die Temperaturen erlauben, und der Boden nicht mehr so nass ist, sollen in der nächsten Woche die ersten Salate und Kohlrabi ins Freiland gepflanzt werden. „Die Bodenvorbereitung ist schon im vollen Gange. Bevor wir die Pflanzen setzen können, werden noch Dämme angehäufelt,“, so die Bio-Gärtnerin.

In den 50 Meter langen Folietunneln sind unter anderem Rucola, Rosmarin, Kräuter und Schnittlauch eingezogen. Damit der Salat bei den Nachttemperaturen um null Grad nicht erfriert, liegt ein Vlies auf den Pflanzen. Der Feldsalat ist da nicht ganz so empfindlich.

Die Biogärtnerei bewirtschaftet 55 Hektar Land. Davon sind 30 Hektar Gemüse und 25 Hektar Getreide und Grünland. Was im Freiland angebaut wird, vermarktet die Biogärtnerei sachsenweit. „Wir liefern jeden Tag unter anderem nach Bautzen, Freiberg, Chemnitz, Leipzig und Dresden“, so Katrin Leipacher. Der Markt und die Nachfrage würden in den Städten rasant wachsen. In der Region entstehen die Bio-Läden eher verhalten, dafür stetig und solide.

„Wir bieten mit 80 Gemüsesorten eine große Vielfalt“, so die Biogärtnerin. Auch die Leute aus der Region können in den Genuss von frischem Bio-Gemüse kommen. Entweder kaufen sie ab dem Hof oder sie bestellen eine sogenannte Abo-Kiste, die den Jahreszeiten entsprechendes Gemüse beinhaltet. „Wir liefern sozusagen vom Feld in den Kochtopf“, sagt Katrin Leipacher. Auch die Mädchen und Jungen der beiden Kindergärten von Ostrau und der Schule profitieren davon, dass in der Gemeinde frisches Gemüse angebaut wird. Jede Woche gibt es ein gesundes Frühstück, dessen Zutaten die Biogärtnerei spendet.

Die Biogärtnerei arbeitet mit den anderen regionalen Biobauern zusammen. „Wir sind miteinander gut vernetzt“, sagt Katrin Leipacher. Und so gibt es im Angebot auch Produkte von anderen Bio-Anbietern. Künftig soll es den Markttag für Bioprodukte in Sornzig öfter geben. Der erste im vergangenen Jahr wurde gut angenommen.

In der Biogärtnerei arbeiten bis zu 30 Mitarbeiter. Vor allem die Gärtner sind vom Frühjahr bis zum Herbst auf den Feldern zu sehen. „Dieses Bild ist selten geworden in der Lommatzscher Pflege. Die großen Flächen werden nur mit Maschinen bearbeitet. Auch wenn wir uns dem technischen Fortschritt stellen, und die Arbeit unserer Mitarbeiter durch Maschinen erleichtert wird, so gibt es bei uns noch viel Handarbeit. Uns ist die Arbeit mit dem Boden und den Pflanzen wichtig. Wir sind Biogärtner aus Leidenschaft und Überzeugung“, so Katrin Leipacher.

Dabei sind immer weniger Fachkräfte zu finden. In Sachsen werden pro Jahr nur acht Gemüsegärtner ausgebildet. „Auf dem Auenhof gibt es jedes Jahr einen neuen Lehrling. Das ist uns wichtig“, sagte die Bio-Gärtnerin. Und weil es so wenig Fachkräfte gibt, musste die Anbaufläche für Tomaten und Gurken verkleinert werden. „Für die Pflege dieser Gemüsesorten braucht man gärtnerisches Fingerspitzengefühl. Man muss wissen, was die Pflanzen brauchen und Krankheiten rechtzeitig erkennen.“

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