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Mittwoch, 03.01.2018

Sag mir, wie Du heißt…

… und ich sag Dir, wer Du bist. Im Landkreis kamen 2017 erneut mehr Kinder zur Welt als im Jahr davor. Über aktuelle Trends bei der Namenswahl hat die SZ mit einer Namensforscherin gesprochen.

Von Franz Werfel

Fragt man Gabriele Rodríguez nach den Vorlieben werdender Eltern, fällt ihre Antwort knapp aus: „Die Namen werden immer kürzer. Und altdeutsche Namen sind seit etwa zehn Jahren wieder im Kommen.“ Auch als Ruf- und nicht mehr nur als Zweitnamen. Gabriele Rodríguez arbeitet bei der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Eltern und Standesämter können bei ihr die Zulässigkeit, Schreibweise oder Geschichte von Vornamen prüfen und sich beraten lassen.

„Städter sind in der Regel die Vorreiter, wenn es um neue Trends geht“, sagt sie. Erst mit ein wenig Verzögerungen kämen neue Entwicklung auch auf dem Land an. Für die meisten deutschen Eltern sei die Bedeutung eines Namens nicht vordergründig wichtig. Eher gehe es ihnen um einen angenehmen Klang, darum, dass der Vorname zum Familiennamen und zu den Geschwistern passe. „Viele wissen gar nicht, dass Paul, Max oder Ben keine deutschen Namen sind“, sagt die Forscherin. Da es auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands Formen lateinischer oder hebräischer Namen schon lange gibt, würden viele mit Paul eben nicht mehr Paulus und mit Max nicht mehr Maximilian verbinden. „Karl, Oskar, Emil hingegen sind alte deutsche Namen.“ Namentrends würden sich etwa alle 100 Jahre wiederholen, sagt Rodríguez. „Wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts besinnen sich auch jetzt wieder viele auf deutsche Traditionen.“ Diese seien nach dem Zweiten Weltkrieg verdrängt worden.

Und der Klang? „Das ,A‘ wird als wohlklingend empfunden, es gilt als voll und warm und wird gern bei Mädchen vergeben.“ Ein „O“ gelte als besonders männlich. Eine andere Tendenz sei im ost- und mitteldeutschen Raum auffällig: Die Dauerbrenner Sophie, Marie, Annie und Leni seien die Nachfolger der beliebten DDR-Namen auf „-i“: Peggy, Mandy, Romy und Ronny.

Zum Weiterlesen: Gabriele Rodríguez: Namen machen Leute. Wie Vornamen unser Leben beeinflussen.
Verlag Komplett-Media, 248 Seiten, 19,99 Euro.

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