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Mittwoch, 11.10.2017

Saftlos

Die schlechte Apfelernte bringt die Laubaer Mosterei Kekila an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Gartenbesitzer können helfen.

Leere Kisten bei der Kelterei „Kekila“ in Lauba: Juniorchefin Kathleen Kitsche an der Produktions- und Abfüllanlage. Die steht still, weil es kaum Äpfel gibt, die zu Saft verarbeitet werden könnten. Für Kitsches ist das existenzbedrohend.
Leere Kisten bei der Kelterei „Kekila“ in Lauba: Juniorchefin Kathleen Kitsche an der Produktions- und Abfüllanlage. Die steht still, weil es kaum Äpfel gibt, die zu Saft verarbeitet werden könnten. Für Kitsches ist das existenzbedrohend.

© Bernd Gaertner

Lauba/Region. Es ist viel zu still. Keine einzige Flasche läuft den silbrig glänzenden Schlängelweg des Förderbands entlang. Im 8 000-Liter-Behälter mit dem Namen „Dicker Heinrich“ herrscht gähnende Leere. Auch die riesige Fruchtpresse hat Zwangspause. Draußen regnet es. Als würde das Wetter der ganzen Misere noch die Krone aufsetzen wollen. Das haben Kathleen Kitsche und ihr Team von Kekila noch nie erlebt: Zum „Tag der offenen Tür“ führt die Juniorchefin die Besucher erstmals ohne Live-Vorführung durch die Laubaer Hallen, in denen es sonst brummt und klappert. Dort, wo die Flaschen mit heißem Apfelsaft befüllt, bedeckelt und etikettiert werden, herrscht Ruhe. Auf einem Bildschirm zeigt ein Film, wie es üblicherweise im Herbst bei der Mosterei zugeht. „Eigentlich wollten wir mit unseren Gästen Äpfel sammeln gehen und dann deren Verarbeitung zeigen“, so die 40-Jährige. Daraus wurde nichts. Die Führungen finden also im theoretischen Rahmen statt, versüßt mit Apfelkuchen samt Kaffee. Bei Kekila ist die Not groß. Das Familienunternehmen mit seinen sechs Mitarbeitern kämpft sich durch eine schwere Zeit. Grund dafür: Die miserable Apfelernte 2017. Es gibt kaum Früchte infolge des erst warmen und dann plötzlich zu kalten Frühlings. Die Blüten erfroren. Dazu kommt, dass manche Obstbäumen nur alle zwei Jahre tragen.

Seit 1986 liefert der Betrieb frischen und hundertprozentig natürlichen Saft in zig verschiedene Sorten vor allem im ostsächsischen Raum. So ein schlechtes Apfeljahr wie dieses haben die Kitsches noch nie erlebt. Denn kommen nicht doch noch einige Tonnen Äpfel rein, müssen sie welche zukaufen. „Wir fragten überall bei den Obstbauern in der Region nach. Doch niemand hat Äpfel übrig“, erzählt Kathleen Kitsche. Angebote kamen aus Polen und Rumänien. Doch die Preise stiegen überall extrem. Und regional wäre die Ware dann auch nicht mehr. Für den Familienbetrieb wäre der Zukauf eine teure Notlösung. Ob sich das auf die Verkaufspreise auswirkt, steht noch nicht fest. Kathleen Kitsche möchte nicht verteuern. Doch wenn die Ausgaben enorm klettern, wird vielleicht nichts anderes übrig bleiben.

Dort, wo in den Sammelbehältern sonst 20 Tonnen Äpfel pro Ladung kurzzeitig eingelagert sind, ist am vergangenen Wochenende gerade mal der Boden bedeckt. Der aufsteigende Duft trügt. Noch dramatischer sieht es bei den Birnen aus: Die wenigen Früchte im Becken sind einzeln abzuzählen. „Birnensaft können wir gar keinen in diesem Jahr produzieren“, hebt Kathleen Kitsche bedauernd die Handflächen nach oben. Ebenso fällt aus dem gleichen Grund die Produktion vom beliebten Birnen-Himbeersaft flach. Hoffentlich halten die Apfelsaftreserven vom Vorjahr noch eine ganze Weile, wünscht sie sich. Ganz gestoppt ist die Produktion nicht. Neue Sorten entstehen als Mix: Apfel-Rote-Beete-Saft zum Beispiel und auch, weil die Quitten 2017 gut tragen, Apfel-Quittensaft.

Nun ist Kekila mehr denn je auf die Bevölkerung angewiesen. Der Großteil der Früchte kommt traditionell von heimischen Gärtnern und Sammlern, die Früchte zu den elf Sammelstellen zwischen Görlitz und Bischofswerda schaffen. Wer Obst abgibt, bekommt beim Einkauf einen saftigen Rabatt. Noch hofft das Laubaer Unternehmen auf diese Unterstützung in größerem Maßstab. Das unterstreicht ein aktueller Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook. „Wir nehmen immer noch Äpfel und Birnen an. Wer hat welche im Garten oder weiß, wo es welche gibt? Auch Aufkauf ist möglich.“ Über 5000 Nutzer lasen den Aufruf. Mancher Kleingärtner brachte selbst winzige Mengen nach dem Internet-Hilferuf zu Kekila. Jeder Apfel zählt. Das dachte sich auch ein Görlitzer: Mit zwei Kilogramm Äpfeln fuhr er die rund 35 Kilometer. „Dass die Leute uns so sehr helfen möchten, berührt mich sehr“, sagt die Juniorchefin. Und trotzdem: Noch keine 100 Tonnen Äpfel sind bisher zusammen gekommen. Sonst sind es Anfang Oktober im Schnitt achtmal so viele.

Info: Noch bis zur ersten Novemberwoche können Äpfel, Birnen und Quitten abgegeben werden. Sammelstellenpunkte und Informationen unter: www.kekila.de

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