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Sonntag, 25.02.2018

Sächsische Bobpiloten mit Gold und Silber

Francesco Friedrich wird nach seinem Sieg im Zweierbob auch im Vierer Olympiasieger. Nico Walther sichert sich Rang zwei. Das deutsche Bob-Team feiert die Olympiabilanz.

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Francesco Friedrich (vorn) schreit es heraus: Doppel-Olympiasieg!
Francesco Friedrich (vorn) schreit es heraus: Doppel-Olympiasieg!

© Andy Wong/AP/dpa

Francesco Friedrich und seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis auf der Fahrt zu Gold im Viererbob.
Francesco Friedrich und seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis auf der Fahrt zu Gold im Viererbob.

© Andy Wong/AP/dpa

Nico Walther, Kevin Kuske, Alexander Roediger und Eric Franke schließen im vierten Durchgang die Lücke und beenden den Wettkampf zeitgleich mit Südkorea auf Rang zwei.
Nico Walther, Kevin Kuske, Alexander Roediger und Eric Franke schließen im vierten Durchgang die Lücke und beenden den Wettkampf zeitgleich mit Südkorea auf Rang zwei.

© Wong Maye-E/AP/dpa

Pyeongchang. Erstmals seit 34 Jahren haben die deutschen Bob-Teams wieder einen Doppel-Erfolg im Viererbob geschafft. Zweierbob-Olympiasieger Francesco Friedrich holte sich mit einer eindrucksvollen Leistung am Sonntag das begehrte olympische Gold-Double und gewann vor seinem Vereinskollegen Nico Walther, der sich zusammen mit den zeitgleichen Südkoreanern Silber sicherte.

Friedrich, der Viererbob-Weltmeister aus Pirna, hatte nach vier Läufen 0,53 Sekunden Vorsprung vor Walther und den zeitgleichen Olympia-Gastgeber Südkorea mit Fahnenträger Won Yunjong am Steuer. Der WM-Dritte aus dem Vorjahr verbesserte sich im letzten Lauf um eine Position und machte damit seinen Anschieber Kevin Kuske zum erfolgreichsten Bobpiloten der Welt. Letztmals hatten 1984 in Sarajevo Wolfgang Hoppe und Bernhard Lehmann für die damalige DDR einen Doppel-Erfolg im Viererbob geschafft. Für Deutschland war es das 14. Gold in Pyeongchang.

Damit ist der Sachse erst der siebte Bobpilot, der in der 94-jährige Bob-Historie das goldene Double perfekt gemacht hat. In Andreas Ostler (1952), Meinhard Nehmer (1976), Wolfgang Hoppe (1984) und Andre Lange (2006) schafften das bislang nur vier Deutsche. „Willkommen im Club, damit ist Franz in der Gilde der Großen angekommen“, sagte der viermalige Olympiasieger Lange.

Friedrich fünfter Doppel-Olympiasieger

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Vor Francesco Friedrich haben erst vier deutsche Bobpiloten das Double bei Olympischen Winterspielen geschafft. Das sind deutschen Olympiasiege in der Königsklasse Viererbob und die Doppel-Olympiasiege ...

1952 in Oslo fährt Anderl Ostler nach Gold im Zweierbob mit seiner Mannschaft Friedrich Kuhn, Lorenz Nieberl und Franz Kemser auch den Olympiasieg im Viererbob ein.

1976 in Innsbruck macht DDR-Fahnenträger Nehmer nach Gold im Zweierbob zusammen mit Jochen Babock, Bernhard Germeshausen und Bernhard Lehmann das Double perfekt.

1980 in Lake Placid gewinnt Meinhard Nehmer erneut im Viererbob - neben Germeshausen sind nun auch Bogdan Musiol und Hans-Jürgen Gerhardt mit an Bord. Im Zweierbob reicht es aber nur zu Bronze.

1984 in Sarajevo holt Wolfgang Hoppe (DDR) nach Gold im Zweier auch im großen Bob den Olympiasieg zusammen mit Roland Wetzig, Dietmar Schauerhammer und Andreas Kirchner.

1994 in Lillehammer setzt Harald Czudaj die Siegesserie der deutschen Viererbob-Piloten fort: Er gewinnt mit Karsten Brannasch, Olaf Hampel und Alexander Szelig Gold.

1998 in Nagano schlägt die Stunde von Christoph Langen, der mit Markus Zimmermann, Marco Jakobs und Olaf Hampel Gold einfährt. Den Olympiasieg im kleinen Bob schafft Langen aber erst 2002.

2002 in Salt Lake City holt Andre Langé seine erste olympische Goldmedaille mit seinem Team Enrico Kühn, Kevin Kuske und Carsten Embach. Konkurrent Langen muss nach seinem Zweierbob-Sieg wegen einer Verletzung aufgeben.

2006 in Turin schafft André Lange das begehrte Double. Nach dem Sieg im kleinen Schlitten mit Kevin Kuske rast er mit seiner Crew Kevin Kuske, René Hoppe und Martin Putze zu Gold.

Mit dem goldenen Abschluss in der Königsklasse und Silber durch Walther haben die Bobpiloten um Cheftrainer René Spies die Schmach von Sotschi mehr als vergessen lassen. „Wir hatten vor Sotschi nur einen von 16 möglichen Weltcupsiegen bei den Männern, jetzt in dieser Saison 11 von 16, da hat man gesehen, dass das Gesamtpaket stimmt“; sagte Spies. „Olympia hat eigene Gesetze, das ist nicht nur ein Spruch, man muss es hier am Ende auch beweisen und am Tag X performen. Das haben sie per Exzellence gemacht und von Goldmedaillen her das Maximum erreicht“, sagte der Winterberger Coach über sein Team. Aufgrund der vierten Plätze im Zweierbob von Walther und dem verletzten Duo Stephanie Schneider/Annika Drazek sprach er von „bittersüßen Siegen.“

Obwohl Friedrich im Wallner-Viererbob nicht einen Weltcupsieg in diesem Winter einfuhr, zauberte er im kniffligen Olympic Sliding Centre eindrucksvolle Ideallinien ins Eis. „Ich habe ihn so stark erwartet, dass es natürlich so aufgeht, ist Wahnsinn“, sagte sein Heimtrainer Gerd Leopold. „Er lebt nicht nur vom starken Start, sondern überzeugte in der Bahn.“

Happy über seine erste Olympia-Medaille war auch Friedrichs Vereinskollege Nico Walther. Dem WM-Dritten aus dem Vorjahr, der als einziger deutscher Pilot im Vierer einen FES-Schlitten fuhr, gelang die Aufholjagd. Mit an Bord hatte er den nun erfolgreichsten Bobfahrer der Welt. Denn nach vier Olympiasiegen und einmal Silber mit Pilot André Lange holte Anschieber Kevin Kuske mit 39 Jahren bei seiner fünften Olympia-Teilnahme zum Abschluss seiner Karriere noch mal Silber.

Weltmeister und Weltcupgesamtsieger Lochner wartete in Finalläufen vergeblich auf ein Wunder. Er haderte immer wieder mit der Kurve zwei: „Ich habe alles probiert. Es ist die einzige Kurve der Welt, die ich nicht auf die Reihe kriege“, sagte der Berchtesgadener. (dpa)

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