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Montag, 09.04.2018

Runter von der Wolke

Nach dem Aus gegen Schwerin bleibt es für Dresdens Volleyball-Frauen bei Bronze. Trotzdem ist es eine gute Saison.

Von Michaela Widder, Schwerin

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Die Blicke sind leer, die Köpfe hängen nach unten. Mit der Bronzemedaille in der Meisterschaft wollen sich die DSC-Volleyballerinnen noch nicht anfreunden. Ihren großen Erfolg hatten sie Anfang März mit dem Pokalsieg gefeiert.
Die Blicke sind leer, die Köpfe hängen nach unten. Mit der Bronzemedaille in der Meisterschaft wollen sich die DSC-Volleyballerinnen noch nicht anfreunden. Ihren großen Erfolg hatten sie Anfang März mit dem Pokalsieg gefeiert.

© Jens Scholz

Die Fanclubs stehen sich gegenüber und rollen jetzt die passenden Spruchbänder aus: „Die Schale bleibt hier“, heißt es von den Schwerinern. Die mitgereisten Dresdner Fans versuchen, ihr Team aufzumuntern: „Wir sind stolz auf euch!“ Doch bis der Schmerz über das Aus im Halbfinale vergeht und der Stolz auf die Saison mit dem Pokalsieg als Höhepunkt bei den Volleyballerinnen vom Dresdner SC ankommt, wird es noch ein paar Tage dauern.

„Wir hätten gern das Finale gespielt, und das war auf jeden Fall unser Ziel“, sagt die Holländerin Myrthe Schoot und blickt zurück auf die Saison: „Klar, man ist stolz auf den Pokal. Doch im Leistungssport zählt das Jetzt. Man kann nicht immer noch auf der Wolke Pokalsieger leben.“

Am Samstagabend sind sie nun angekommen in der Realität der aktuellen Meisterschaft, und die formuliert der Trainer Alexander Waibl so: „Schwerin im Halbfinale zu schlagen, war einfach nicht drin. Da fehlt uns ein bisschen was.“ Nach dem 0:3 im Hinspiel am Dienstag verliert der DSC auch die zweite Play-off-Partie deutlich mit 1:3 (21:25, 14:25, 25:21, 13:25) – und scheidet wie im Vorjahr im Halbfinale aus. „Man kann verlieren“, ärgert sich Mareen Apitz, „man kann auch gegen Schwerin verlieren, aber wir waren nicht an unserer Leistungsgrenze. Das tut schon weh.“

Schon die Körpersprache beim Aufwärmen in der Palmberg-Arena verriet, dass der Glaube an eine Wende in dieser Serie beim DSC nicht groß war. Die ernsten Mienen hatten vermutlich auch damit zu tun, dass die Dresdnerinnen auf dem Weg in die Halle eine schlechte Nachricht verkraften mussten. Mit einer eitrigen Zahnentzündung fiel ausgerechnet Kapitän Katharina Schwabe aus. Am Abend zuvor fuhr sie in der Notaufnahme in Schwerin, am Samstagmorgen hatte sie auch noch mittrainiert. Doch die Schmerzen machten einen Einsatz am Abend unmöglich. Während des Spiels lag Schwabe im Mannschaftsbus und schleppte sich mit blassen Gesicht erst zur Siegerehrung wieder in die Arena.

Ihre Mitspielerinnen schaffen nicht das „Wunder“, von dem Vorstandschef Jörg Dittrich davor gesprochen hatte. „Um so eine Partie zu gewinnen, müssen wir sehr konstant annehmen“, spricht Waibl den Schwachpunkt an und muss feststellen: „Was wir im Angriff leisten konnten, ist gegen diesen Gegner nicht ausreichend.“ Schon nach zwei verlorenen Sätzen und einer Ansprache vom Trainer haben einzelne Spielerinnen Tränen in den Augen. Er habe nicht ein böses Wort im ganzen Spiel gesagt, versichert Waibl, weil er wusste: „Das bringt eh nichts.“ Er appelliert an die Tugenden, sein Team rafft sich noch einmal auf, kämpft um jeden Ball und gewinnt zumindest einen Satz für die Ehre.

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Fehlende Fertigkeiten

Über die Leistung im zweiten Halbfinale sei Waibl nicht enttäuscht, „weil das nicht das Ergebnis von fehlenden Emotionen war, sondern der Fertigkeiten, die wir haben.“ Damit spricht der Trainer das Thema für die nächsten Wochen an. Er sei bereits in Gedanken, was man verändern könne, um in der nächsten Saison wieder „komplett auf Augenhöhe“ mit den beiden diesjährigen Finalisten Schwerin und Stuttgart zu sein. Eine der beiden Mannschaften wird ohne Titel die Saison beenden.

„Wir haben zwei Medaillen, das schafft kein anderes Team“, meint die 31-jährige Apitz – und das in einem „Umbruchjahr“, wie sie betont. „Das haben einige vergessen, weil es so gut lief.“ Der DSC hatte nach dem titellosen 2017 einige Talente wie die finnische Diagonalangreiferin Piia Korhonen geholt, die ihre erste Auslandstation in Dresden absolviert und mindestens noch ein weiteres Jahr bleibt. Dazu rückten junge Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs nach – „im Sinne des großen Ganzen“, wie es Waibl beschreibt. „Deswegen bin ich mit unserer Saison sehr im Reinen.“

So sieht es auch Vorstandschef Dittrich, aus dessen Sicht der Einzug in das Halbfinale finanziell ein Muss war. „Der Sport lebt davon, dass man immer größere Ziele erreichen will. Wir haben eine grandiose Saison erlebt, letztlich die Bronzemedaille gewonnen“, meint er. Dass die Ergebnisse gegen den Rivalen etwas zu deutlich ausfielen, bejahte Dittrich, „man muss jedoch dabei sehen, dass wir zwar körperlich eine sehr große Mannschaft sind, aber wir sind noch nicht erwachsen.“

Der Trainer macht sich direkt nach dem Aus Gedanken, wie er sein Team verstärken kann. Denn charakterlich ist es eine der besten Mannschaften, die er je trainiert hat, sagt Waibl immer wieder. Daher wird er manche Entscheidung schweren Herzens treffen müssen. Mit mindestens der Hälfte des Kaders – aber fast ausschließlich jungen Spielerinnen – geht der 50-Jährige in sein zehntes Jahr beim DSC. Dagegen laufen die Verträge mit dem erfahrenen Dreiergespann Schwabe, Apitz und Schoot sowie vier weiteren Spielerinnen aus. Eine starke Angreiferin dürfte auf dem Wunschzettel weit oben stehen. (mit ald)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Marc Brossmann

    Schade, dass es nicht zum Finaleinzug gereicht hat, aber der DSC war den Schwerinerinnen deutlich unterlegen. Man hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, als das der DSC die Serie noch zu seinen Gunsten wenden könne. Aber, wie kann es sein, dass die lokalen Medien in Gestalt der "Sächsischen Zeitung" erst zwei Tage nach dem Ereignis online prominent oder überhaupt berichtet, zumal Frau Widder angeblich vor Ort war? Hat die Brieftaube sich verflogen? Was ist passiert, dass nichts passierte? Unverständlich. Aber solange tagtäglich die Stuhlproben unterklassiger Fußballspieler durch die "Sportredaktion" analysiert werden, wird sich sicher niemand an anderen Unzulänglichkeiten stören.

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