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Dienstag, 17.04.2018

„Rührendes Engagement auf den Dörfern“

Die Landtagsabgeordnete Daniela Kuge sucht das Gespräch mit den Nossenern. Hier ist sie nicht nur wegen des leckeren Kuchens beim Dorffest gerne zu Gast.

Von Marcus Herrmann

Daniela Kuge lädt Bürger gerne in ihr Meißner Büro am Marktplatz ein. Genauso gerne begibt sie sich aber auch zu den Menschen nach Hause. Zuletzt war sie deshalb häufiger in Nossen. Grund genug für die SZ, mit ihr über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Daniela Kuge lädt Bürger gerne in ihr Meißner Büro am Marktplatz ein. Genauso gerne begibt sie sich aber auch zu den Menschen nach Hause. Zuletzt war sie deshalb häufiger in Nossen. Grund genug für die SZ, mit ihr über ihre Erfahrungen zu sprechen.

© Claudia Hübschmann

Nossen. Die eben erst zu Ende gegangene Lesenacht war ihr dritter Termin in der Muldestadt innerhalb weniger Tage. In einem Friseursalon am Markt hatte die CDU-Landtagsabgeordnete für den Kreis Meißen, Daniela Kuge, aus einem Werk des humoristischen Schriftstellers Torsten Rohde vorgelesen. Doch so lustig und gemütlich wie in dem gut besuchten Salon ging es bei ihren letzten Besuchen in Nossen nicht immer zu.

Kurz vor Ostern war es, als sich die gerne volksnah gebende und durchaus streitbare 42-Jährige an zwei Tagen länger in der 11 000-Einwohner-Stadt aufhielt. Zunächst nahm sie sich zwei Stunden für einen Anwohner am Kronberg Zeit, zwei Tage darauf für eine Nossener Familie sowie den Landfrauen-Verein „Landpartie“. Fehlende Nähe zur potenziellen Wählerschaft kann man ihr also tatsächlich nicht vorwerfen. Dabei geht es jedoch nicht um Stimmenfang, wie Kuge versichert. „Bei einigen weiß ich doch schon, dass sie nicht CDU wählen wollen. Darum geht es aber auch nicht vordergründig, wenn ich auf eine Tasse Kaffee vorbei komme“, sagt sie.

Warum sie das augenscheinlich besonders gerne in Nossen tut? „Weil die Leute hier sehr herzlich und lieb sind“, sagt Kuge. Vielleicht nicht immer gleich überschwänglich und redselig, schon ein bisschen eigen und manchmal kompliziert – aber eben auch liebenswert, so beschreibt sie die Nossener frei von der Leber. Nicht zuletzt deshalb will sie sich die Probleme vor Ort anhören, wissen, was die Menschen im ländlichen Raum bewegt. „Nur so kann ich Anregungen in die Politik mitnehmen, die die Leute in meinem Wahlkreis wirklich beschäftigen“, sagt die gläubige Christin. Und was wäre das zum Beispiel?

Bei ihren vorösterlichen Besuchen sei es viel um verlotterte Spielplätze, abgeholzte Bäume, dreckige Straßengräben, fehlende Bushaltestellen oder Kleingartenvereine mit Angst vor der Zukunft gegangen. Was manchmal banal klinge, sei es für die Menschen im ländlichen Raum eben nicht. Das dürfe man auf kommunaler Ebene, aber auch in der sächsischen Politiklandschaft nicht vergessen, findet Kuge. Deshalb notiert sie vieles, was ihr die Nossener anvertrauen, in ein Schreibheft.

Und sie kann nachvollziehen, dass es in den zu Nossen gehörenden Dörfern nicht so gut ankommt, wenn in der Stadt drei Millionen Euro in den Rathaus-Anbau gesteckt werden, für die schlechte Beleuchtung im kleinen Ort am Rand aber kein Geld da ist. Natürlich hinkt so ein einfacher Vergleich. Das weiß Kuge. „Aber man muss den Leuten erklären, was geht und was nicht. Und warum es so ist. Dabei ist es vor allem wichtig, es vor Ort, in den jeweiligen Gemeinden zu tun“, betont die verheiratete Christdemokratin.

„Es gibt so viel rührendes Engagement und erstaunliches Organisationstalent auf den Dörfern, so viel Herzblut bei Festen oder anderen Veranstaltungen. Darum muss man auch etwas zurückgeben. Das beginnt bei Präsenz vor Ort. Die Leute sind da sehr feinfühlig, sollte diese fehlen.“ Sie selbst besuche zum Beispiel gerne das Dorffest in Deutschenbora. Hier gebe es einfach den allerbesten Kuchen. Es müsse geschafft werden, den Leuten das Gefühl von „Mein Dorf stirbt mehr und mehr aus“ zu nehmen. „Auch wenn es dafür kein Patentrezept gibt“, sagt die Abgeordnete. Neben einer besseren Infrastruktur, Handyempfang, Breitbandausbau und medizinischer Versorgung sind es ihrer Meinung nach besonders Schulen und Kitas, die unbedingt erhalten werden müssen, damit ein Gemeinschafts- und Identifikationsgefühl im Ort erhalten bleibt.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe das verstanden, glaubt Kuge. Dessen bisherige Schwerpunktsetzung stimme sie jedenfalls sehr optimistisch. Kommunale Herausforderungen könnten nur durch ein Bündeln der Kräfte gemeistert werden. „Ich finde zum Beispiel Orte absolut zukunftsfähig, wo die Versorgung alter Menschen in Wohnungen mit Einkaufen, einem Arzt, Bibliothek, frei zugänglichem Internet und einer Physio-Praxis gebündelt wird. So etwas wird immer gefragter werden, gerade in kleineren Gemeinden des Landkreises.“

Dafür müsse es Förderprogramme geben. Initiative und gegenseitiges Achtgeben brauche man dagegen nicht mehr in die Dörfer tragen. „Davon gibt es zwischen Mergenthal, Heynitz, Katzenberg und Bodenbach schon allerhand“, sagt Daniela Kuge.

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