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Freitag, 17.02.2017

Rückeroberung des Scheune-Vorplatzes

Vor dem Kulturzentrum wird mit Drogen gehandelt. Nun macht ein pikantes Gerücht die Runde.

Von Sarah Grundmann

Gerade in den Sommermonaten ist der Platz vor dem Kulturzentrum Scheune auf der Alaunstraße prall gefüllt. Werden die Open-Air-Sitzer bald ausgeschlossen?
Gerade in den Sommermonaten ist der Platz vor dem Kulturzentrum Scheune auf der Alaunstraße prall gefüllt. Werden die Open-Air-Sitzer bald ausgeschlossen?

© Christian Juppe

Messerstechereien, Drogenhandel und regelmäßige Razzien – seit der Umgestaltung des Scheune-Vorplatzes macht der Ort vor allem mit Kriminalität Schlagzeilen. Die Situation wächst auch dem Scheune-Verein, der das Kulturzentrum auf der Alaunstraße betreibt, über den Kopf. Nun macht ein Gerücht die Runde. Schützt bald ein Zaun gegen Drogen-Dealer und Co.?

Ein Schlosser, der namentlich nicht genannt werden möchte, behauptet gegenüber der SZ, dem Verein auf Wunsch ein Angebot für eine solche Absperrung unterbreitet zu haben. Ein hoher Zaun mit Spitzen solle es werden. Mit der Stadt gebe es bereits eine Rahmenvereinbarung. Die besage: Sollte der Auftrag für einen Zaunbau tatsächlich ausgelöst werden, gehe er in jedem Fall an besagten Schlosser. Er sagt: „Nun liegt die Entscheidung bei der Stadt.“ Doch die gibt Entwarnung.

Zwar habe es den Wunsch des Vereins gegeben, das Grundstück – vor allem in Richtung Louisenstraße – künftig besser zu schützen, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht auf SZ-Anfrage mit. „Ein Zaun um die Scheune soll aber auf keinen Fall errichtet werden.“ Derzeit werde geprüft, was stattdessen getan werden kann. Und auch Frank Schöne vom Scheune-Verein stellt klar: „Wir haben grundlegend kein Interesse, uns einzuzäunen.“ Bei dem Auftrag gehe es vielmehr darum, bestehende Abgrenzungen zu reparieren. Gegen die jetzige Situation auf dem Vorplatz wolle man natürlich etwas unternehmen – allerdings auf einem anderen Weg.

Derzeit verhandeln Verein und Stadtverwaltung über ein Nutzungskonzept für den Platz. Das sollte eigentlich schon viel früher auf den Weg gebracht werden. Denn mit dem Stadtratsbeschluss zum Umbau des Areals an der Alaunstraße wurde auch festgehalten, dass Stadt und Verein schnellstmöglich ein solches Konzept erarbeiten. Den Politikern war daran gelegen, dass Platz und Kulturzentrum in einer Hand liegen. Doch die Verhandlungen liefen zäh und scheiterten schließlich. „Das lohnt sich für uns nicht.“ Mit diesen Worten lehnte der Verein in einem Brief an die Stadt die Betreibung des Vorplatzes im vergangenen Jahr ab. Als Gründe für den Rückzug nannte der Verein zum einen die prekäre Situation auf dem Vorplatz. Aber auch das sture Verhalten der Stadt während der Verhandlungen war ausschlaggebend.

„Wir wollten gerne einen Gemüse- oder den Falafelstand wieder aufstellen, damit wir die Kosten für die Betreibung des Platzes reinholen können“, sagt Romy Jähnig, Geschäftsführerin des Vereins. Doch bislang untersagte die Stadt jegliche kommerzielle Nutzung auf dem Grundstück – für den Verein eine wirtschaftliche Zumutung. Doch mittlerweile wurden die Gespräche wieder aufgenommen.

„Jetzt wird es natürlich schwieriger, den Platz zurückzuerobern“, sagt Jähnig. „Aber es muss schnell gehen.“ Geht es nach dem Verein, finden die ersten Aktionen bereits in diesem Jahr zur warmen Saison statt. Ideen gibt es viele. So waren unter anderem ein Nachtflohmarkt und eine Kopfhörer-Disko im Gespräch. „Viel erwarten kann man aber noch nicht“, sagt die Geschäftsführerin. „Dann hätten wir eher mit den Planungen beginnen müssen.“ Sie hofft, dass die Stadt nun auch einen Schritt auf den Verein zugeht – mit Erfolg.

„Ein Gemüse- und Falafelstand ist im Gespräch. Er könnte ein Teil der Finanzierung für die Scheune werden“, lenkt der Stadtsprecher nun ein. Derzeit werde an einem Vertrag und einem Finanzierungskonzept gearbeitet. „Wir sind zuversichtlich, dass es in Kürze zu einem Vertragsschluss kommt.“ Dass ein Nutzungskonzept nicht alle Probleme lösen kann, ist klar. Deswegen sind weitere Projekte wie die Zusammenarbeit mit Streetworkern geplant. Ende März soll es in der Scheune einen runden Tisch zum Thema Kriminalitätsprävention geben.

Das Areal wieder per Video zu überwachen, ist indes nicht geplant, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Im Februar 2008 wurde am Haus auf der Alaunstraße 33 unter Protesten eine Kamera montiert, die im Oktober 2014 zerstört und ein Jahr später abgebaut wurde. Heute erinnern nur noch die Befestigungsschrauben an dem Haus und die Schilder auf der Alaun- und der Louisenstraße, die auf die Videoüberwachung hinweisen, an die Kamera.

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