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Mittwoch, 13.09.2017

Rietschener kauft Standesamt in Kringelsdorf

Es ist das erste von fünf Gebäuden, von dem sich Boxberg trennt. Die angemeldeten Trauungen finden trotzdem statt.

Von Carla Mattern

Das Kringelsdorfer Gutshaus an der Wilhelmsfelder Straße ist ein beeindruckendes Gebäude. Es liegt nah am Schöps und ein gutes Stück weg vom Straßenlärm. In den vier Wohnungen leben Mieter. Im Erdgeschoss finden Trauungen statt. Jetzt wechselt es den Besitzer.
Das Kringelsdorfer Gutshaus an der Wilhelmsfelder Straße ist ein beeindruckendes Gebäude. Es liegt nah am Schöps und ein gutes Stück weg vom Straßenlärm. In den vier Wohnungen leben Mieter. Im Erdgeschoss finden Trauungen statt. Jetzt wechselt es den Besitzer.

© André Schulze

Das Kringelsdorfer Gutshaus gefällt Michael Weichelt sehr. In letzter Zeit habe er eine Schwäche für alte Häuser entwickelt, erzählt der Rietschener. „Ich möchte, dass die erhalten bleiben.“ Am Montagabend machten die Gemeinderäte von Boxberg den Weg frei für den Verkauf des Objektes. Es ist das erste von fünf kommunalen Gebäuden, welches den Besitzer wechseln wird. Es sei das attraktivste Objekt, und habe dafür auch mehrere Interessenten gegeben, sagt Antje Lukas von der Kämmerei der Gemeindeverwaltung Boxberg. 149 000 Euro beträgt der Kaufpreis für das Gebäude an der Wilhelmsfelder Straße 9, zu dem viele Boxberger auch Standesamt sagen. Denn schon seit geraumer Zeit werden hier Paare getraut. Auch vier Wohnungen, in denen Mieter leben, befinden sich in dem Haus. Dazu gehört ein Nebengebäude. Das Grundstück ist noch unvermessen und etwa 3 300 Quadratmeter groß.

Boxberg verkauft sein Tafelsilber. Eine extra gegründete Arbeitsgruppe aus Verwaltungsmitarbeitern und Gemeinderäten hat mittlerweile eine Liste aufgestellt. Die umfasst über 80 Gebäude, welche sich im Eigentum der Gemeinde Boxberg befinden. „Diese Liste ist noch nicht abschließend bewertet“, sagt der Boxberger Bürgermeister Achim Junker der SZ. Das wundert nicht. Denn die Ortschaftsräte werden auch gehört, bevor über den Verkauf oder Verbleib der Immobilien endgültig entschieden wird. Schließlich spielen viele davon auch eine wichtige Rolle im dörflichen Leben wie beispielsweise das in Nochten für einen Verkauf favorisierte Gebäude. Die Argumente für und wider den Besitzerwechsel müssen gut überdacht werden.

Am Ende aber steht auch die bittere Erkenntnis, dass Boxberg kommunale Immobilien verkaufen muss. Die finanzielle Kraft ist einfach nicht mehr gegeben, alle Objekte zu unterhalten. Bei fünf Gebäuden ist die Entscheidung gefallen, wenn auch nicht unumstritten. „Zum Verkauf über das Maklerbüro sind bisher festgelegt: Alte Schule Klitten, Arztpraxis Klitten, Alte Gemeindeverwaltung Klitten, Standesamt Kringelsdorf und die Schleifmühle in Uhyst“, so Bürgermeister Achim Junker.

Auch beim Kringelsdorfer Standesamt gab es bis zuletzt Stimmen gegen den Verkauf. „Wir waren uns im Ausschuss bei der Vorberatung nicht einhundertprozentig einig“, gibt der Bürgermeister zu. Doch die Gemeinde könne den Sanierungsstau nicht auflösen. Auf Boxberg würden in absehbarer Zeit Kosten für die Sanierung und Instandsetzung zukommen, beispielsweise für die Dachkonstruktion, den Austausch von Tragbalken, die Heizungsanlage oder das Modernisieren der Bäder. Die Ausgaben würden die Miteinnahmen von monatlich 873 Euro deutlich übersteigen.

Diese wichtigen Arbeiten werden nun nicht mehr das Geldsäckel der Gemeinde belasten. Die übernimmt der künftige Besitzer. Mit einem Fachmann habe er sich das Dach bereits angesehen, erzählt Michael Weichelt. „Die Sanierung ist stemmbar“, so der 43-Jährige, der als Prüfingenieur für die Dekra arbeitet. Schritt für Schritt werde er das Notwendige tun, aber auch nichts überstürzen. Für die Mieter werde sich vorerst nichts ändern, versichert der Rietschener. Im Gegenteil, er hofft darauf, dass sie weiter gerne im Standesamt wohnen bleiben. Selbst lebt er mit seiner Familie in Rietschen, hat im Ortsteil Nieder Prauske in einem neu erschlossenen Eigenheimgebiet 2002 ein Haus gebaut. „Wir sind in Rietschen angekommen und fühlen uns gut integriert. Die Kinder gehen hier in die Schule, es gibt Kindergarten, Schule, Einkaufsmöglichkeiten“, erzählt Michael Weichelt. Er stammt aus Bautzen, seine Frau Daniela aus Kodersdorf. Er fährt zur Arbeit nach Weißwasser, sie nach Niesky. Da habe sich Rietschen als Lebensmittelpunkt angeboten. Die Bewohner des Standesamtes in Kringelsdorf müssten sich also keine Sorgen machen, dass er sie demnächst wegen Eigenbedarfs herausklage.

Auch die drei Trauungen, die in diesem Jahr für das Standesamt in Kringelsdorf angemeldet sind, können stattfinden. Das hat der Rietschener den Boxbergern zugesichert. Er könne sich vorstellen, dass auch der Trauraum erst einmal über 2017 hinaus weiter genutzt wird. „Ich bin gerne zu Gesprächen darüber bereit“, sagt er der SZ. Pro Jahr fanden etwa zehn Trauungen jährlich in Kringelsdorf statt, so der Boxberger Hauptamtsleiter Arian Leffs.