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Montag, 07.05.2018

Retter in der Not

Vorige Woche ist er noch der Sündenbock. Doch bei Dynamos 0:0 in Aue hält Torwart Marvin Schwäbe den Punkt fest.

Von Sven Geisler undCornelius de Haas, Aue

3 Szenen vom Spiel Aue: Dynamo Das Dynamo-Zeugnis Das sagen die Trainer

Die Dresdner klammern sich an alles, was sie haben– könnte man meinen. Doch die Lage für Pascal Testroet und seine Mitspieler ist nicht die Schlechteste. Fotos: Robert Michael
Die Dresdner klammern sich an alles, was sie haben– könnte man meinen. Doch die Lage für Pascal Testroet und seine Mitspieler ist nicht die Schlechteste. Fotos: Robert Michael

© Robert Michael

Die Antwort kommt mit einem Augenzwinkern. „Gut, dass ich nicht gewechselt habe“, sagt Uwe Neuhaus. Dynamos Trainer meint den Torwart. Denn Marvin Schwäbe ist es, der mit seinen Paraden beim Sachsenderby in Aue einen späten Gegentreffer verhindert. Erst gerät eine Flanke von Dimitrij Nazarov zur Bogenlampe und er lenkt sie mit den Fingerspitzen über die Latte (81.). Dann kommt Nazarov in der Nachspielzeit tatsächlich noch mal zum Schuss, aber Schwäbe pariert reflexartig. „Als Torwart muss man ja auch mal einen halten“, sagt er danach.

Szenen vom Spiel Aue: Dynamo

Zur Kritik der Vorwoche, als er nach dem 1:2 gegen Düsseldorf als Sündenbock dastand, will er sich dagegen nicht äußern. Daraus hätten, meint jedenfalls Florian Ballas, die Medien „eine Nummer“ gemacht. „Marvin und ich verstehen uns nach wie vor super.“ Überhaupt haben sie sich noch mal zum Mannschaftsabend getroffen am Dienstag, „um die Köpfe zusammenzustecken, alles Revue passieren zu lassen und noch einmal die Sinne zu schärfen“, wie Schwäbe erzählt.

Als Zeichen für den Zusammenhalt sind auch jene Spieler mit ins Erzgebirge gefahren, die nicht zum Spieltagskader gehörten. Sie stehen auf der Tribüne mitten unter den 1 750 Fans – alle in Gelb, wie es das Motto für diese kurze Auswärtsfahrt ist. Die Polizei zieht eine positive Bilanz: „Alles ruhig.“ Was natürlich nicht für die Stimmung im Block gilt, die beinahe genauso ausgeglichen ist wie das Spiel – nur eben viel besser. Denn den Akteuren ist die Last der Verantwortung in diesem Kellerduell anzumerken. „Keiner wollte ein Gegentor kassieren, das war oberstes Gebot“, schildert Neuhaus den Gesamteindruck.

Das Dynamo-Zeugnis

1 von 14

Marvin Schwäbe: 2

Ist die meiste Zeit als Mitspieler gefragt, lässt sich dabei nicht aus der Ruhe bringen und verhindert mit zwei klasse Paraden das Gegentor.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Philip Heise: 3

Muss sich im Vorwärtsgang ein wenig zurückhalten, probiert es trotzdem ein paar Mal. Wichtig: Lässt nach hinten wenig anbrennen.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marcel Franke: 3

Ordnet gemeinsam mit Ballas das Spiel von hinten, gewinnt wichtige Zweikämpfe. Eine abgeklärte Partie des Innenverteidigers.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Florian Ballas: 3

Hat zwei Chancen, zweimal geht der Ball drüber: Schuss nach abgewehrter Ecke (64.) und Kopfball nach erstem gefährlichen Freistoß.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Niklas Kreuzer: 3

Ist ab und zu im Zweikampf zu weit weg vom Gegenspieler, arbeitet enorm viel. Flanken und Standards kommen jedoch meist zu ungenau.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Marco Hartmann: 2

Der Kapitän gibt das Kommando und geht mit einer Energieleistung voran. Als Zweikämpfer unverzichtbar.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Rico Benatelli: 2

Nicht nur wegen der Laufleistung einer der wertvollsten Spieler auf dem Platz. Als Balleroberer und Anspielstation präsent.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Haris Duljevic: 3

Probiert es nach einer halben Stunde aus der Distanz, stellt Männel mit dem Schuss nicht vor Probleme. Verdribbelt sich einige Male.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Erich Berko: 3

Sieht schon in der 19.Minute Gelb für ein Foul, das eher ein Auflaufen ist. Danach vom Schiedsrichter zweimal angezählt und ausgewechselt.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Pascal Testroet: 3

Undankbares Spiel für den Stürmer, muss oft ausweichen, sein Fallrückzieher wird zur Ecke abgewehrt (66.).

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Moussa Koné: 4

Läuft zwar viel, kann sich gegen die Auer Defensive aber nicht durchsetzen und bekommt nicht den Raum für seine Schnelligkeit.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Peniel Mlapa: 3

Kommt überraschend zeitig ins Spiel und noch überraschender als Rechtsaußen. Macht das mit viel Einsatz ordentlich.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Sascha Horvath: 3

Der kleine Dribbler ersetzt den ausgepumpten Duljevic.

SZ-Noten: 1 = überragend; 2 = stark; 3 = solide; 4 = mangelhaft; 5 = enttäuschend; 6 = indiskutabel

Nicht zu bewerten: Lucas Röser. (SZ/-ler)

Das sagen die Trainer

1 von 2

Uwe Neuhaus, Dynamo-Trainer: Spannendes Spiel, intensives Spiel. Keine Mannschaft wollte ein Gegentor kassieren, das war das oberste Gebot. Wir haben aber nicht auf 0:0 gespielt, nicht dass das jemand falsch versteht. Mit der Schiedsrichterleistung bin ich nicht zufrieden, wir waren früh gehandicapt. Aber wir haben es beide noch selber in der Hand. Wir dürfen aber auch nicht glauben, dass wir schon durch sind. Erzgebirge Aue wünsche ich natürlich alles Gute.

Hannes Drews, Aue-Trainer: Ich finde es schade, dass wir unseren Fans heute keinen Sieg schenken konnten, die uns top unterstützt haben. Ich bin aber zufrieden, dass wir unseren Matchplan zu 95% umgesetzt haben, in der Defensive sogar zu 100%. Nur in der Offensive hat mir das letzte Quäntchen Mut gefehlt. Am Ende wollte ich aber wenigstens den einen Punkt nicht aufs Spiel setzen. Riesenkompliment aber an meine Mannschaft, wie sie die Standards von Dresden verteidigt hat. Wenn wir die Leistung von heute in Darmstadt abliefern, dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden.

Er hatte sogar auf das vermeintlich offensivere System mit zwei Spitzen umgestellt und als ersten Einwechsler mit Peniel Mlapa sogar einen dritten nominellen Stürmer gebracht. Dahinter steckte nicht nur das Konzept, Aue durch die Lufthoheit in Schwierigkeiten zu bringen, sondern auch der Gedanke an einen möglichen Rückstand. Die Option, in der Schlussphase sogar mit vier Angreifern volles Risiko zu gehen, wollte er sich nicht mit dem erzwungenen frühen Wechsel verbauen.

Lucas Röser bringt er zwar kurz vor Schluss für Moussa Koné, aber Dynamo setzt nicht alles auf eine Karte. Denn Aue braucht den Sieg noch dringender. „Der Punkt ist eigentlich zu wenig“, meint Nazarov, betont aber: „Wir sind ja keine Maschinen. Jeder kann die Tabelle lesen und weiß, was für die Region und den Verein auf dem Spiel steht. Dresden hat man den Rucksack auch angemerkt.“ In so einem Spiel gebe es nicht viele Chancen. „Da muss man eiskalt sein.“ Der Nationalspieler Aserbaidschans hat zwei, aber Schwäbe hält. „Wenn es 0:0 ausgeht und ich habe nichts zu tun, bin ich auch glücklich“, sagt der Retter in der Not, „aber wenn ich der Mannschaft am Ende noch helfen kann, tut es einem selbst auch sehr, sehr gut.“ Das Sonderlob kommt diesmal von Ballas: „Wenn er bei dem einen nicht hingeht, zappelt der im Winkel, und auch den anderen fischt er gut raus.“

Von Martin Männel gibt es so etwas nicht zu berichten, was daran liegt, dass Aues Kapitän im Tor nicht ein einziges Mal ernsthaft eingreifen musste. Entweder klärten schon seine Vorderleute oder Dynamo vermasselt den Abschluss. Schwäbe dagegen hat bereits in der ersten Halbzeit eine brenzlige Situation zu lösen, als Pascal Köpke nach einem Fehlpass von Marco Hartmann auf Clemens Fandrich passt. Aber Dresdner letzter Mann stellt sich ihm in den Weg (22.).

Trotzdem sprechen beide Trainer von einem gerechten Unentschieden, Neuhaus räumt allerdings ein, Aue habe „ein, zwei Halbchancen mehr“ gehabt. „Offensiv waren wir zu harmlos“, gibt auch Pascal Testroet zu. Die Doppelspitze mit Koné funktioniert nicht optimal, weil dadurch ein Zuspieler im Mittelfeld fehlt und die Außen sehr viel nach hinten arbeiten müssen. Der lange Ball, den sie untypischerweise sehr oft spielen, kommt selten an.

„Umso wichtiger ist es, hinten die Null gehalten zu halten. Das ist typisch Abstiegskampf, keiner wollte hundertprozentig ins Risiko gehen“, sagt Ballas. Selten sind die Meinungen nach einem Fußballspiel so einhellig. Nazarov sieht es genauso: „Es waren nicklige Zweikämpfe, aber beide Mannschaften, die eigentlich guten Fußball spielen können, hatten Angst, den entscheidenden Fehler zu machen.“

Das 0:0 ist deshalb folgerichtig, es dennoch bemerkenswert, dass die Dresdner diesmal dieses Ergebnis halten, nachdem in dieser Saison allzu oft späte Gegentore zugelassen haben, zuletzt beim 1:2 gegen Düsseldorf. „Vorige Woche haben wir uns beschwert, dass wir den Punkt nicht mitgenommen haben, jetzt haben wir ihn“, sagt Testroet. Auch dank Schwäbe.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Wissender.

    Martialische "Fans", die die Gästetoiletten in Aue komplett zerlegen und zerstören, verhalten sich also "Vorbildlich"? Was habt ihr genommen, liebe SZ? Ich bitte darum, objektiv über diese Vollpfosten zu berichten, die gehören aus der Fangemeinschaft verbannt. Wir sind Dynamos - und IHR nicht!

  2. DynamoFan

    Das sehe ich ganz genau so. Wer bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff die komplette Gästetoilette zerlegt, beweist nicht nur, dass er (damit meine ich die Gruppe, denn das war nicht das Werk eines Einzelnen) über die Intelligenz einer Plastetüte verfügt. Diese Leute wollen ganz offensichtlich dem Ansehen aller echten Dynamo-Fans (und die haben sich tatsächlich mehrheitlich vorbildlich verhalten) und dem eigenen Verein großen Schaden zufügen. Und der Verein sollte klare Kante dagegen zeigen. Sofort und unmissverständlich (Die Bilder waren schon kurz nach dem Spiel im Netz weit verbreitet.).

  3. J.G.

    Ich finde solche Diskussionen um eine kaputte Klooschüssel für Überflüssig. Natürlich macht macht man das nicht, das wissen die Jungs aber auch selbst, wenn sie wieder nüchtern sind... Hier geht es um Fußball und es gibt genügend Leute, denen die SGD nicht in den Kram passt und solche weltbewegende Informationen regelrecht aufsaugen. Auch von der SZ wird viel und gern etwas unter den Teppich gekehrt. Aber gerade deshalb müssen solche Sch...hausmeldungen nicht auf die Agenda.

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