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Dienstag, 14.11.2017

Reservisten kehren Riesa den Rücken

Den Volkstrauertag begehen Bundeswehrverband und Reservisten diesmal in Zeithain – dort fühlen sich mehr gewürdigt.

Von Britta Veltzke

Mit den Ausnahmen 2014 (100. Jahrestag Beginn Erster Weltkrieg) und 2015 (70. Jahre Elbe-Day) fand die Veranstaltung zum Volkstrauertag in den letzten Jahren stets auf dem Trinitatisfriedhof in Riesa (hier 2013) statt.
Mit den Ausnahmen 2014 (100. Jahrestag Beginn Erster Weltkrieg) und 2015 (70. Jahre Elbe-Day) fand die Veranstaltung zum Volkstrauertag in den letzten Jahren stets auf dem Trinitatisfriedhof in Riesa (hier 2013) statt.

© Reservistenkameradschaft Riesa

Zeithain/Riesa. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem Siegmar Wolf und seine Kameraden gesagt haben: Jetzt reicht’s. Wolf war mehr als 30 Jahre lang am Standort Zeithain als Soldat stationiert. Seit zehn Jahren ist er im Ruhestand, engagiert sich aber nach wie vor als stellvertretender Vorsitzender der hiesigen Kameradschaft Deutscher Bundeswehrverband.

Seit ein paar Jahren organisiert sein Verein gemeinsam mit der Reservistenkameradschaft Riesa eine Gedenkfeier zum Volkstrauertag. „Das ist für uns alle ein fester Bestandteil im Terminkalender“, erklärt Wolf. In diesem Jahr wird der Kranz zu Ehren der Kriegstoten allerdings nicht wie in der Regel üblich am Riesaer Trinitatisfriedhof niedergelegt. Sondern? Auf dem Waldfriedhof Zeithain.

Der Grund: Die Organisatoren fühlen sich von der Stadtverwaltung Riesa nicht ausreichend gewürdigt. „Die ganzen Jahre blieben unsere Einladungen unbeantwortet“, sagt Wolf. Dabei hätten sie Unterstützung aus dem Rathaus gut gebrauchen können. „Das Problem ist, dass sich am Volkstrauertag immer wieder Rechtsextreme ins Publikum gemischt haben, von denen wir uns klar abgrenzen möchten.“ Erkennbar seien die ungebetenen Gäste an szenetypischen Merkmalen gewesen: „Kampfstiefel, Kleidung einschlägiger Marken, Tattoos“, zählt Siegmar Wolf auf.

Letztlich haben sich die Vertreter der beiden Organisationen an einen Tisch gesetzt und entschieden, den Kranz in diesem Jahr zu einem anderen Gedenkort zu bringen, außerhalb Riesas. „So sind wir auf Zeithain gekommen.“

Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos) hatte zunächst auch zugesagt. Seine Entscheidung inzwischen aber geändert, weil er an der gemeindeeigenen Feier am Denkmal an der alten Feuerwehr (Ecke Haupt- und Teichstraße) teilnehmen möchte, die am Sonntag ebenfalls um 10 Uhr beginnt. „Das ist zwar schade, aber nachvollziehbar. Dafür konnten wir den Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain, Herrn Nagel, als Redner gewinnen“, berichtet Siegmar Wolf vom Bundeswehrverband. Zudem werden auf dem Waldfriedhof in Zeithain Trompeter der Blaskapelle „No name“ aus Übigau auftreten.

Die Stadtverwaltung Riesa wiederum hatte bisher nicht den Eindruck, irgendwelche Probleme mit der Reservistenkameradschaft zu haben. „Der Oberbürgermeister ist immer wieder in guten Gesprächen mit den Reservisten, namentlich mit Herrn George“, so Stadtsprecher Uwe Päsler. 2014 etwa sei auch Baubürgermeister Lindner als Vertreter der Stadt in Zeithain beim Volkstrauertag dabei gewesen. „Die Verwaltungsspitze versucht, die Teilnahme zu ermöglichen, aber es geht aus terminlichen Gründen nicht immer“, sagt Päsler.

Patrick George, Vorstand der Reservistenkameradschaft Riesa, bestätigt das gute Verhältnis zur Stadt Riesa – mit der Ausnahme des Volkstrauertags: „Marco Müller ist sogar Mitglied bei uns.“ Beim Gedenken zum Volkstrauertag seien sie von der Stadt allerdings regelmäßig enttäuscht worden, daher die Entscheidung, die Veranstaltung nun in Zeithain stattfinden zu lassen. „Dort waren wir zum hundertsten Jahrestag nach Beginn des Ersten Weltkrieges schon einmal. Da war auch Herr Lindner dabei, das ist richtig“, so George. In den anderen Jahren, als kein Vertreter der Stadt Riesa zu Gast war, habe man zumindest eine Absage erwartet.

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