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Dienstag, 14.11.2017

Renten steigen, Beiträge sinken

Die brummende Konjunktur bringt den Rentnern 2018 noch einmal ein deutliches Plus. Doch dann kommen Belastungen auf die Rentenkasse zu.

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Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang kommenden Jahres voraussichtlich leicht.
Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang kommenden Jahres voraussichtlich leicht.

© Symbolbild: dpa/Marijan Murat

Würzburg. Die rund 21 Millionen Rentner können im kommenden Juli mit einer spürbaren Erhöhung ihrer Bezüge um rund drei Prozent rechnen. Voraussetzung sei, dass sich Löhne und Gehälter wie derzeit prognostiziert entwickelten, sagte der Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel, am Dienstag in Würzburg. Letztlich werde es darüber erst Anfang kommenden Jahres Klarheit geben.

Der Beitragssatz für die gesetzliche Rente sinkt Anfang kommenden Jahres voraussichtlich leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent. Die Bundesregierung dürfte diesen Schritt per Verordnung vollziehen.

Grund für die positiven Rentenfinanzen seien die gute Konjunktur mit gestiegenen Löhnen und die erfreuliche Beschäftigungslage, sagte Gunkel. Doch dann kommen immer mehr starke Babyboomer-Jahrgänge in Rente, was die Rentenkasse belastet.

Bis zum Jahr 2022 könnten die Rentenbeiträge voraussichtlich stabil bleiben. 2023 dürfte der Beitragssatz wieder auf 18,7 Prozent steigen. 2024 wird eine Steigerung auf 19,8 Prozent vorausgesagt. Dann dürfte der Beitragssatz schrittweise weiter steigen, bis er im Jahr 2030 bei 21,6 Prozent liegen dürfte.

In diesem Jahr waren die Renten um 1,9 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten gestiegen, im Jahr zuvor um 4,25 beziehungsweise 5,95 Prozent. In den Jahren zuvor hatten es kleinere Erhöhungen der Bezüge gegeben. Im Zeitraum von 2018 bis 2024 werden aufgrund eines im laufenden Jahr verabschiedeten Gesetzes die Ost- an die Westrenten in sieben Schritten komplett angeglichen. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte unter Berufung auf den neuen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vorab über die Rentenerhöhung 2018 berichtet.

In den kommenden gut fünf Jahren dürfte das Rentenniveau bei rund 48 Prozent stabil bleiben, sagte Gunkel. Dieses Verhältnis von Einkommen zur Rente liegt derzeit vor Steuern bei 48,2 Prozent und dürfte noch bis 48,3 Prozent steigen und dann absinken. Bis 2030 dürfte das Rentenniveau auf 45 Prozent und bis 2045 auf 42,2 Prozent fallen, wenn die Politik nicht gegensteuert.

Die Co-Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, rief die Jamaika-Partner deshalb auf, Schritte zur Stabilisierung der Rentenfinanzen zu ergreifen. Eine Entwicklung „höhere Beiträge für sinkendes Rentenniveau“ dürfe nicht Wirklichkeit werden. Sonst drohe die Rentenversicherung ihre Legitimität in der Bevölkerung zu verlieren. „Wichtig ist, dass bereits in dieser Legislatur die Entscheidungen getroffen werden“, sagte Buntenbach.

Gunkel, der die Arbeitgeber vertritt, forderte, sich längerfristig mit dem Renteneintrittsalter auseinanderzusetzen: „Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass es längerfristig weiter angehoben werden soll.“ Buntenbach, die die Arbeitnehmer vertritt, entgegnete, sie lehne dies „mit Nachdruck“ ab. Gunkel und Buntenbach warnten davor, eine erweiterte Mütterrente aus Beiträgen zu finanzieren.

In diesem Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einer schwarzen Null: Einnahmen und Ausgaben dürften sich auf 293,2 Milliarden Euro belaufen. Die Rentenrücklage dürfte 32,9 Milliarden betragen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 9 Kommentare

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  1. ftl

    Ganz ehrlich, nach 45Arbeitsjahren reicht es für ohne Abzug in Rente!!! Wer sich gesund fühlt und wo das Arbeitsklima stimmt geht man bestimmt auch freiwillig länger Die die das Renteneintrittsalter höher schrauben wollen sollen doch selbst erst mal 45Jahre ARBEITEN und nicht nur Diktieren und div. Vorstandsgehälter kassieren

  2. NoFear

    Das Rentensystem ist mittelfristig gefährdet (sinkendes Rentenniveau bei steigenden Rentenbeiträgen), dies wird im Artikel auch gut beschrieben. Da frage ich mich schon, weshalb dann kurzfristig so getan wird, als wäre Geld im Überfluss da (Rentenerhöhungen weit über der Inflationsrate und dazu noch demnächst leicht sinkende Rentenbeiträge)? Auch ohne großartige Mathematik-Kennnisse sollte sich ganz schnell feststellen lassen, daß es so nicht gehen wird. Da wird heute so getan, als wäre alles prima - das erinnert an die Kapelle auf der "Titanic". Wäre es nicht hilfreicher, den Rentenbeitrag beizubehalten, wenn man sowieso schon weiß, daß er nach einer Senkung demnächst aber sowieso steigen wird? Weshalb gibt es im Osten nach 5,95% und 3,59% nun wieder 3,23% Rentenerhöhung, wenn klar ist, daß das Rentenniveau nicht gehalten werden kann? Wären dann nicht auch Erhöhungen lediglich im Rahmen des Inflationsausgleichs gerechtfertigt gewesen?

  3. hk

    Statt Rentenbeiträge in einem Maß zu senken, das man in der Geldbörse nicht einmal bemerkt, sollte man endlich das das Renteneintrittsalter auf höchstens 65 Jahre festlegen und zwar für alle Zeiten! Wer freiwillig länger arbeiten will, wird das auch tun. Und die Finanzierung des Ganzen muss dann eben anders geregelt werden, als das derzeit der Fall ist.

  4. grauer...

    Das ganze ist doch so und so ne Mogelpackung,ich möchte 2018 in Rente gehen nach 47 Beitragsjahren,da ich aber noch nicht 63 bin muß ich 10% Abzüge hinnehmen oder noch 6 Monate drauf packen,ich kenne viele Leute die mit(60) oder noch davor in Rente gegangen sind ohne Abzug und als Bonus noch ne dicke Abfindung erhalten haben,das ist unser Sozialsystem,danke sehr Was soll das überhaupt 0,1 Rentenbeiträge senken und dann paar Jahre danach das wieder zu erhöhen?

  5. Berg

    #4 Grauer: bedenken Sie bitte, dass Sie nicht nur 6 Monate "draufpacken", sondern für diese Monate noch weitere Rentenpunkte erhalten, die Ihre Rentenbetrag erhöhen! - Es gibt auch andere Auswege: 1. Sie sind diese 6 Monate krankgeschrieben oder 2. werden in Kurzarbeit versetzt und können zu Hause bleiben oder 3. Sie werden entlassen und melden sich auf dem Arbeitsamt arbeitslos. Diese drei Möglichkeiten habe ich selbst die letzten 2 Jahre vor dem Renteneintritt ausgenutzt.

  6. E.Benheiter

    @ Berg: ändert alles nichts an der -wohlwollend ausgedrückt- Gesamtmogelpackung ohne jeden erkennbaren (auch polit.) Nutzen. Die Rente war seit ´90 nie sicher & das wußte auch ein N.Blüm bereits am 10. Oktober 1997 als er diese Lüge im BT medial wirksam verbreitete.

  7. Berg

    #5 Bennheiter: merkwürdige These. Seit ich Rente erhalte, das sind nun 27 Jahre, ist das die sicherste Einkommenquelle überhaupt. die pünktlich am Monatsende für den Folgemonat auf Heller und Pfennig aufm Konto steht. Welche Firma zahlt das Gehalt einen Monat vorher aus?? Dazu regelmäßig im Juli höher als vorher - ebenso sicher! Blüm hat 100pro recht. Sogar die Banken reichten unsere Baukredite aus in der Gewissheit, dass wir sichere Einkommen haben. - Die Rentenhöhe hängt allerdings nicht von Blüm ab. Die wird für jeden Einzelnen nach seinen Einkommen und Arbeitsjahren berechnet, so dass das jeder ca 40 Jahre mit beeinflussen kann.

  8. Berg

    #7: Hast Dich vertippt! Es muss 22 Jahre heißen. Sorry.

  9. E.Benheiter

    Gäähhhn, @ Berg. Inzwischen haben alle hier begriffen, daß Sie den Prototyp der „guten alten Zeit“ darstellen (die „Gnade der frühen Geburt“) als (West-)D durch das „Korrektiv im Osten“ noch gezwungen war, eine Art „soziale Marktwirtschaft“ zu illuminieren. Dieses „Korrektiv“ fiel ´90 weg, so daß Blüm zumindest ahnen mußte, was mit der „Agenda 2010“ den folgenden Generationen „blühen“ wird. Somit spruch er lediglich für „Ihre Generation“ als letzte „Nutznießer“ des „alten Rentenmodells“. Widerspruch zwecklos –selbst jede Krankenkasse „rechnet“ in 5-, 7- & 10-Jahresplänen. Was glauben Sie, passiert in den „think tanks“ der sog. „Regierungen“? Irgendwie erinnern Sie mich unangenehm an meinen Onkel (in der DDR Abteilungsleiter im VEB Kombinat Schwarze Pumpe & nachweislich IM), der mir vor Jahren im Anbau seiner illegal erweiterten Gartenlaube bei billigem Dosenbier verkaufen wollte, daß plötzlich die cDU „Die Partei“ wäre. Seitdem lehnt er jegliche Kommunikation ab. Weitere Fragen?

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