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Donnerstag, 07.12.2017

Reden und Schweigen über Tuberkulose

Von den vier TBC-Fällen an der Hoga sind zwei ansteckend. Das Gesundheitsamt bleibt dem Behördenweg treu.

Von Juliane Richter

Gesundheitsamtschef Jens Heimann koordiniert die Untersuchungen der Tuberkulosefälle. In zwei Monaten wird es noch einmal eine große Untersuchungswelle an der Leubener Hoga-Schule stattfinden.
Gesundheitsamtschef Jens Heimann koordiniert die Untersuchungen der Tuberkulosefälle. In zwei Monaten wird es noch einmal eine große Untersuchungswelle an der Leubener Hoga-Schule stattfinden.

© Sven Ellger

Dresden. Die Fragen treiben Gesundheitsamtschef Jens Heimann den Schweiß auf die Stirn. Sichtlich unangenehm ist ihm die Konfrontation mit den Journalisten, die er am Mittwoch über die Tuberkulosefälle an der Hoga-Schule informieren soll.

Seit zwei Tagen arbeiten er und sein Team am Anschlag. Nachdem im September ein erster Tuberkulosefall an der Leubener Schule entdeckt wurde, hat das Gesundheitsamt nach Ablauf der Inkubationszeit 100 Kontaktpersonen untersucht. Das Ergebnis vergangene Woche: Es gibt drei weitere Tuberkulosefälle. „Von den insgesamt vier Fällen sind zwei ansteckend. Bei den anderen beiden stehen die Endergebnisse noch aus“, sagt Heimann. Das hänge mit der langen Inkubationszeit zusammen. Nur stockend gibt er diese Antwort. Das städtische Amt will Hysterie vermeiden und folgt den bürokratischen Vorgaben. In einer zweiten Welle werden deshalb seit Montag mehr als 600 Lehrer und Schüler mittels Blutuntersuchung auf Tuberkulose getestet. Wegen der hohen Anzahl an Testpersonen wird der Vorgang erst kommenden Dienstag oder Mittwoch abgeschlossen sein. Die Getesteten hatten engeren Kontakt zu den Betroffenen. Unter den bereits untersuchten Lehrern soll es laut Heimann keine neuen Infektionen geben. Eine Prognose, wie viele Fälle noch auftreten können, gibt er nicht ab.

Absolute Gewissheit haben alle Beteiligten erst in rund zwei Monaten. Dann werden diejenigen mit negativem Testergebnis ein weiteres Mal untersucht. Heimann erklärt wiederholt, dass nur bei zehn Prozent der Infizierten die Erkrankung auch tatsächlich ausbricht und somit ansteckend ist. Zum Ausbruch kommt es bei der Hälfte der Fälle innerhalb von zwei bis drei Jahren nach der Infektion. Bei allen anderen können theoretisch Jahrzehnte vergehen. Gerade deshalb sei auch der Ursprung der aktuellen TBC-Fälle so schwer herausfindbar.

Heidrun Böhm vom Sozialministerium bescheinigt den Kollegen vom Gesundheitsamt während der Pressekonferenz, dass sie alle Vorschriften korrekt befolgt haben. An sich scheint das Ereignis für die Mediziner auch nicht besonders schwerwiegend. „In Dresden haben wir 40 bis 50 Tuberkulosefälle pro Jahr. Das passiert auch mal an Schulen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen. Und es ist nicht die erste Schule“, sagt Heimann.

Einzelne Schüler fehlen


Er habe auch Verständnis dafür, dass die Betroffenen und ihre Familien verunsichert sind. Und doch entsteht der Eindruck, dass die emotionale Sicht auf die Dinge etwas kurz kommt. Der Frage, wieso in jeder Kita über Kopfläuse mittels eines Aushangs informiert wird, nicht aber bei einem akuten TBC-Fall in einer Schule, weicht Heimann aus. Seine Kollegin aus dem Sozialministerium erklärt, dass es lediglich Meldepflichten für Ärzte sowie Labore gibt, die Tuberkulose feststellen. Ansonsten gelte: „Es wird immer so viel informiert, wie tatsächlich notwendig ist. [...] Es wird auch nicht über jede Magen-Darm-Geschichte informiert“, sagt Heidrun Böhm. Die Schule selbst hatte im September jene rund 100 Personen informiert, die später untersucht wurden. Nach vier Tagen wurden die Elternvertreter als Multiplikatoren informiert. „Wenn das Betreten des Schulhauses keine Gefahr darstellt, werden wir dazu keinen Aushang machen“, sagt Hoga-Geschäftsführerin Regina Kirschstein.

Die Situation an der Schule beschreibt sie an diesem Mittwoch – dem ersten Unterrichtstag nach zwei Schließtagen – als „gut, angenehm“. Lediglich rund fünf Eltern hätten ihre Kinder an diesem Tag krankgemeldet. Einer prophylaktischen Schließung der Schule, bis alle Testergebnisse vorliegen, erteilt Gesundheitsamtschef Heimann eine Absage. Laut Infektionsschutzgesetz sei ein solches Vorgehen nicht vorgesehen.

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