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Dienstag, 14.11.2017

Ratsherren-Runde ist gerettet

Ursprung für das ungewöhnliche Radeberger Wandbild war ein Foto, das in Griechenland entstand. Jetzt gibt es wieder ein Foto.

Von Jens Fritzsche

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Dieser Anblick zierte zahlreiche Ansichtspostkarten von Radeberg; und ist auch in so manchem Familienalbum zu finden: Die Ratsherren-Runde an der Wand des 2012 geschlossenen Ratskellers.
Dieser Anblick zierte zahlreiche Ansichtspostkarten von Radeberg; und ist auch in so manchem Familienalbum zu finden: Die Ratsherren-Runde an der Wand des 2012 geschlossenen Ratskellers.

© Privatarchiv Wolfgang Seifert

Jochem Knie im Sommer 2000 beim Auftragen des Bildes der Ratsherren-Runde im Ratskeller am Radeberger Markt. Mit Airbrush-Technik brachte er das Bild an die Wand.
Jochem Knie im Sommer 2000 beim Auftragen des Bildes der Ratsherren-Runde im Ratskeller am Radeberger Markt. Mit Airbrush-Technik brachte er das Bild an die Wand.

© Privatarchiv Wolfgang Seifert

Radeberg. Den drallen Frauenfiguren in der Herrentoilette des Radeberger Kaiserhofs ging es all die Jahre viel besser, als dieser ganz besonderen Ratsherren-Runde an der Wand des längst geschlossenen Radeberger Ratskellers. Die Rede ist von den Kunstwerken des vor einem Jahr verstorbenen Holzkünstlers Jochem Knie in Radeberg.

Für die Toiletten im Kaiserhof hatte er in seinem damaligen Atelier in Weixdorf wunderbar augenzwinkernde Holzfiguren geschaffen; Frauen mit Wischeimer und Schrubber. Und als der Ratskeller dann im Jahr 2000 in die Räume der einstigen Sparkassen-Filiale am Markt einzog, hatte Jochem Knie eine ungewöhnliche Idee für ein ungewöhnliches Ratsherren-Gemälde. Denn das Besondere an diesem historisch anmutenden Gemälde sind die Figuren, die da rund um einen schweren Holztisch sitzen. Es waren damals aktuelle Stadträte und auch Radebergs Oberbürgermeister Gerhard Lemm, die Knie da im Sommer 2000 in historischen Gewändern malte. Auch einige Unternehmer wurden dort sozusagen verewigt – die legendäre sogenannte Radeberger Segel-Runde. Auf den Reisen per gemietetem Segelboot war so manche Idee für Radeberg entstanden. Die Vorlage für das Ratskeller-Bild wurde dabei in Griechenland fotografiert. Ein Stück Radeberger Zeitgeschichte also; und auch ein echter Hingucker für die Ratskeller-Gäste war es. Die Radeberger liebten es, im Ratskeller beim Essen zu rätseln, wer denn nun eigentlich wer sei …

Doch dieses Kunstwerk – vielleicht Jochem Knies bekanntestes Werk in Radeberg – ist seit Jahren hinter einem Schrank voller Akten versteckt. Denn der Ratskeller im Herzen der Bierstadt ist ja bekanntlich seit 2012 keine Gaststätte mehr, sondern hier haben die Pflegekräfte der Sozialstation der Volkssolidarität ihren Stützpunkt. Und die brauchen Platz für Schränke und Akten. Also musste einer dieser Schränke vor das auf die Wand aufgetragene Kunstwerk gerückt werden. Und das geriet so ein wenig in Vergessenheit.

Als Jochem Knie dann am 16. September 2016 nach schwerer Krankheit in seiner Wahlheimat Papstdorf bei Königstein starb, wurde in Radeberg der Ruf laut, dieses ungewöhnliche Ratsherrenbild zu retten. Einer derjenigen, die auf dem Bild zu sehen sind, ist Wolfgang Seifert. Der Radeberger war lange Jahre Versicherungs-Vertreter und sitzt für die Freien Wähler im Stadtrat. Und er war es damals auch gewesen, der in Griechenland die Vorlage fotografiert hatte, aus der Jochem Knie dann in Radeberg per Air-Brush-Technik seine Ratsherren-Runde auf die Ratskeller-Wand brachte. „Und jetzt haben wir das Bild sozusagen gerettet“, freut sich Wolfgang Seifert. Er organisierte eine professionelle Fotografin aus Dresden, die das Bild so abfotografierte, „dass wir es nun in jeder beliebigen Größe auf verschiedene Untergründe drucken können“, beschreibt Wolfgang Seifert. „Die Mitarbeiter der Volkssolidarität haben uns dabei wirklich sehr unterstützt!“ Schließlich mussten ja die Schränke zunächst ausgeräumt werden, „damit wir sie beiseite rücken konnten“.

Nun hofft Wolfgang Seifert, dass sich auch in Radeberg ein Platz finden lässt, an dem die Ratsherren-Runde künftig präsentiert werden könnte. „Vielleicht in einer Gaststätte; vielleicht ja sogar im Kaiserhof“, sagt er. Dort könnte er sich auch vorstellen, dass weitere gerettete Kunstwerke aus dem alten Ratskeller einen neuen Platz finden könnten. Denn auch die Ratskeller-Theke und ein paar der robust-historisierenden Stühle aus der Ratsherrenstube hatte Wolfgang Seifert vor einigen Jahren gesichert. Auch die hatte Jochem Knie damals zur Einweihung des Ratskellers geschaffen. „Sie lagern in einer Garage und hoffen darauf, einen neuen Platz zu bekommen“, so Wolfgang Seifert.

Am vergangenen Freitagabend konnte er das gerettete Ratsherren-Bild jedenfalls schon mal präsentieren. Da trafen sich zahlreiche Akteure aus der einstigen Segel-Runde im Radeberger Hotel Sportwelt. „Wir hatten ein kleines Jubiläum zu feiern, unsere erste Tour war vor 20 Jahren gestartet“, verrät Wolfgang Seifert. Und die Begeisterung über die Rettung des Ratskeller-Bildes war riesig, freut er sich. „Der erste Schritt ist also gemacht, jetzt wird hoffentlich auch der zweite folgen“, sagt er.