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Dienstag, 13.02.2018

Rangeleien nach friedlichem Gedenken

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Die Polizei trennt Gegendemonstranten und Teilnehmer einer AfD-Kundgebung auf dem Altmarkt.
Die Polizei trennt Gegendemonstranten und Teilnehmer einer AfD-Kundgebung auf dem Altmarkt.

© Sebastian Kahnert/dpa

Etwa 500 Gegendemonstranten versuchen die Versammlung zu stören.
Etwa 500 Gegendemonstranten versuchen die Versammlung zu stören.

© awe

Es gibt Blockadeversuche ...
Es gibt Blockadeversuche ...

© Sebastian Kahnert/dpa

... und handgreifliche Auseinandersetzungen unter Demonstranten und mit der Polizei.
... und handgreifliche Auseinandersetzungen unter Demonstranten und mit der Polizei.

© Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Im Anschluss an die Menschenkette, zu der sich anlässlich des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt rund 11 500 Dresdner versammelten, prallten am Altmarkt Teilnehmer einer AfD-Kundgebung und Gegendemonstranten aufeinander.

Die Lage stellte sich zunächst unübersichtlich dar. Ein SZ-Reporter berichtete von gegenseitigen Provokationen, die zu handfesten Auseinandersetzungen geführt hätten. Die AfD hatte für 19 Uhr eine Versammlung angemeldet. Schätzungsweise etwa 250 AfD-Anhänger folgten dem Aufruf. Daraufhin formierten sich rund 500 Gegner. Diese versuchten die Kundgebung zu stören. Es gab einen Blockadeversuch und Rangeleien.

Die Polizei trennte die Lager mit Einsatzfahrzeugen und forderte die Gegendemonstranten mit Lautsprecherdurchsagen und zum Teil unter Körpereinsatz zum Verlassen des Platzes auf. Vereinzelt wurden von Demonstranten die Personalien aufgenommen.

Gegen Ende der Veranstaltung ließ die Polizei die Gegendemonstranten nicht geschlossen abziehen. Es kam daraufhin zu Durchbruchsversuchen. Die Beamten setzten dabei auch Pfefferspray ein. Der Innenexperte der Grünen-Landtagsfraktion, Valentin Lippmann, sprach von einem „Kessel“ und warf der Polizei eine „chaotische Einsatzführung“ vor.

Auch in sozialen Medien regte sich Kritik an dem Einsatz. Es kursierte der Vorwurf, wonach sich ein Beamter wohlwollend zu Handgreiflichkeiten von AfD-Anhängern geäußert haben soll. Die Stimmen berufen sich auf den Live-Ticker der Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN). Dort heißt es: „Als ein AfD-Teilnehmer zuschlägt, meint ein Polizist: ‚Hoffentlich schlägt er hart zu.‘“ Die Polizei reagierte noch am Abend auf Twitter: „Sollte dies so gewesen sein, dann war das Verhalten unseres Kollegen völlig daneben.“ Zudem wolle die Polizei in der Sache Kontakt mit der DNN aufnehmen.

Auch von gemeinsam mit AfD-Anhängern „auf Gegendemonstranten einprügelnden“ Polizisten ist in dem Ticker die Rede. Hierzu weist die Polizei auf eine „tumultartige“ Einsatzlage hin. „Von ‚prügelnden‘ Polizisten kann keine Rede sein“, wies die Polizei via Twitter die Anschuldigung zurück. In einer späteren Pressemitteilung erklärte die Polizei schließlich, dass es auch einzelne Flaschenwürfe gegen Beamte gab und eine Polizistin an der Schulter verletzt wurde. Aufgrunddessen seien Pfefferspray und Schlagstöcke „gegen die Angreifer eingesetzt“ worden.

Gegen 20.30 Uhr beendete die AfD ihre Demonstration. Ungeachtet des lautstarken Protestes legten Vertreter der Partei an einem Gedenkstein in der Mitte des Platzes Kränze nieder und gedachten so der Bomben-Opfer. Anschließend zogen die AfD-Anhänger langsam ab, Gegendemonstranten wurden noch auf dem Platz gehalten. Erst gegen 21 Uhr löste die Polizei ihre Fahrzeugbarriere, so dass wieder Ruhe auf dem Altmarkt einkehrte.

Für einige Demonstranten beider Lager wird die Begegnung am Altmarkt ein Nachspiel haben. So etwa für einen 67-Jährigen, der zwei Polizisten mit Pfefferspray besprühte. Allerdings zeigt ein Video auf Twitter auch, wie Gegendemonstranten durch einen älteren Mann mit Pfefferspray attackiert werden. Gegen zwei weitere Personen (38/42) wird wegen gegenseitiger Körperverletzung ermittelt. Eine 19-Jährige muss sich wegen des Besitzes von Cannabis verantworten. Dazu kommen noch diverse Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Noch unbekannt ist, wer die von der Jungen Alternative abgelegten Gedenkkränze beschädigt hat. (fsc)

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