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Mittwoch, 03.01.2018 Gerichtsbericht

Randale auf dem Bahnsteig

Drei Freitaler tickten am Bahnhof Potschappel aus und störten dabei sogar den Zugverkehr. Nun wurden sie dafür verurteilt.

Von Stephan Klingbeil

Im Juni nahmen drei junge Freitaler im Rausch das Wartehäuschen am Bahnhof Potschappel auseinander. Inzwischen sind die Schäden behoben.
Im Juni nahmen drei junge Freitaler im Rausch das Wartehäuschen am Bahnhof Potschappel auseinander. Inzwischen sind die Schäden behoben.

© Andreas Weihs

Freital. Ratlose Mienen, Achselzucken, scheinbare Gleichgültigkeit: Die drei jungen Angeklagten, die sich am Amtsgericht Dippoldiswalde wegen mehrerer Vorfälle am Bahnhof Freital-Potschappel verantworten mussten, wirkten nicht so richtig einsichtig. Das sorgte im Saal nicht nur bei den Vertretern von Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe für Verwunderung, sondern auch bei den Pflichtverteidigern – und dem Jugendschöffengericht.

Dieses musste nun entscheiden, wie man am besten drei junge Männer mit Drogenproblemen bestraft, die nach jeweils mehreren Urteilen mit Jugendarreststrafen, diversen abzuleistenden Arbeitsstunden und weiteren Auflagen sowie klaren Verstößen dagegen eigentlich keine weitere Bewährungschance verdient hätten.

Jeden der drei jungen Deutschen im Alter zwischen 19 und 20 Jahren kannte Xaver Seitz, der vorsitzende Richter bereits. In diesem Jahr mussten sich alle drei wiederholt am Amtsgericht verantworten, wegen Drogen, Sachbeschädigung, Diebstahls und Körperverletzung. Der Jüngste aus dem Trio wurde erst im Juni verurteilt.

Nur zwölf Tage zuvor war der 19-Jährige am Bahnhof in Freital-Potschappel ausgerastet. Zusammen mit seinen beiden arbeitslosen Kumpels, Marco C. und Koray Z., hatte sich Karsten N. gegen 14 Uhr auf dem Bahnsteig getroffen. Sie hatten viel getrunken und – so beteuern sie – zum ersten Mal die synthetische Droge Ecstasy geschluckt.

Ob das der Grund war dafür, dass sie austickten, ein Wartehäuschen demolierten und schließlich auch noch den Zugverkehr zwischen Dresden und Tharandt für zehn Minuten behinderten, wurde vor Gericht nicht geklärt. Womöglich hatte aber der jahrelange Drogenkonsum ihr Verhalten, ihre Wahrnehmung und Konzentrationsfähigkeit verändert, mutmaßte das Gericht. Alle gaben sich dort eher wortkarg.

Wieso sie damals am Bahnsteig herumbrüllten, die sieben großen Holzteile aus dem Wartehäuschen traten und die Bretter dann auch noch auf die Gleise warfen, konnte sich keiner der Beschuldigten mehr erklären. „Keine Ahnung“, sagt der eine dazu. „Das war sicher das Ecstasy“, mutmaßt der andere. Und der Dritte zuckt mit den Schultern und murmelt: „Wir haben Scheiße gebaut, das ist einfach so passiert.“

Doch das Trio musste sich nicht nur wegen Vandalismus vor Gericht verantworten. Zwei der Angeklagten sollen Polizisten beleidigt haben, einer der Beamten wurde sogar attackiert, als er am Bahnhof eine Zeugin befragte. Er konnte dem Schlag aber noch ausweichen.

Alle drei Freitaler räumten die Vorwürfe ein. Dass sie aber ein echtes Drogenproblem haben, schien ihnen nicht klar zu sein. Dafür haben sie nun aber alle jeweils vier Monate Zeit. Denn entgegen der Forderung von Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe gewährte das Gericht den Heranwachsenden noch eine letzte Chance. Es verurteilte Marco C. und Koray Z. zu jeweils einem Jahr Haft. Karsten N., der im Januar noch wegen eines anderen Urteils vier Wochen Jugendarrest absitzen muss, erhielt eine siebenmonatige Jugendstrafe.

Alle drei bekamen aber eine Vorbewährung. Das heißt: Erfüllen sie die Auflagen, werden ihre Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Leisten sie ihre jeweils 120 Sozialstunden jedoch nicht ab und kümmern sich nicht bei der Suchtberatung um stationäre Drogentherapien, müssen sie alle ins Gefängnis. Ob sie zudem für den von der Deutschen Bahn auf 5 000 Euro bezifferten Schaden am Wartehäuschen aufkommen müssen, wurde indes noch nicht geklärt.