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Dienstag, 02.01.2018

Puzzlespiel nach Löbauer Kellerbrand

Die Brandermittler sind in der Lindenstraße an der Arbeit. Es gilt, das Feuer aus der Silvesternacht aufzuklären.

Von Susanne Sodan

Brandursachenermittler bei der Arbeit in der Lindenstraße.
Brandursachenermittler bei der Arbeit in der Lindenstraße.

© R. Sampedro

Pflaumenkompott liegt in verschlossenen Einweckgläsern auf dem Rasen vorm Haus. Daneben stehen mehrere Kästen mit Kekila-Saft. Welche Sorte in den Flaschen drin ist, lässt sich aber nicht erkennen, zu verrußt ist das Glas. Eine mintgrüne, alte Wäscheschleuder ist auch nicht heil davon gekommen. Sie liegt unter verkohlten Brettern. Markus Dreßler begutachtet die Reste eines Holzschrankes. Er ist der Brandursachenermittler der Kriminalpolizeiinspektion bei der Polizeidirektion Görlitz. Nach dem Brand im Keller des Hauses auf der Lindenstraße und dem Großeinsatz der Feuerwehr beginnt nun seine Arbeit.

In der Silvesternacht war im Keller des Gebäudes ein Feuer ausgebrochen. Eine Bewohnerin des Hauses, die ganz früh am Neujahrsmorgen zur Arbeit musste, bemerkte es und rief gegen 5.15 Uhr die Feuerwehr. „Als wir ankamen, war die Situation kritisch“, sagt Thomas Grothum, stellvertretender Kreisbrandmeister und Mitglied in der Löbauer Feuerwehr. Zum einen sei die Hitze, die sich im Keller entwickelt hatte, sehr hoch gewesen. Zum anderen war die Rauchentwicklung äußerst stark. „Die Sicht war gleich Null“, sagt Grothum. „Wir haben daraufhin mit der Menschenrettung und der Brandbekämpfung begonnen“, erzählt er.

Generell steht Menschenrettung vor Brandbekämpfung. Um die Ausbreitung des Brandes zu verhindern, die Rauchentwicklung einzudämmen und damit Zeit zu gewinnen für die Evakuierung, begannen die Kameraden mit beidem parallel. Der Rauch war eine der größten Herausforderungen, erklärt Grothum. Wegen des Rauchs war beispielsweise das Treppenhaus als erster Fluchtweg nicht zugänglich. Die Bewohner wurden mithilfe einer Drehleiter aus ihren Wohnungen geholt. Drei Bewohner und ein Feuerwehrmann mussten wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung ärztlich behandelt werden. Glück im Unglück war, dass die Bewohnerin den Brand so schnell bemerkt hatte. Das Feuer hatte zwar auf andere Keller übergegriffen, war aber nicht nach oben ins Erdgeschoss durchgebrochen. Die Bewohner konnten mittlerweile in ihre Wohnungen zurück.

Um auszuschließen, dass Glutnester neu aufflammen, hat die Feuerwehr manche Dinge aus dem Keller herausgeholt – die verkohlten Sachen auf dem Rasen vorm Haus. Für Brandursachenermittler Markus Dreßler ist das keine ungewöhnliche Situation – manchmal muss eben bei der Brandbekämpfung etwas verändert werden. „Am liebsten ist mir aber: ablöschen und nichts anfassen“, erzählt Dreßler. Denn bei einem unberührten Brandort, erklärt er, ist es für ihn am einfachsten festzustellen, wo ein Feuer ausgebrochen ist, wie die Flammen sich bewegt haben. An der Lindenstraße hat für ihn jetzt das Puzzeln begonnen, wie er es selber nennt. Bruchteile zusammenfügen: Wo hat was gestanden, von wo aus hat die Brandwärme wie gewirkt?

In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei geschrieben, dass möglicherweise zusammengekehrte und im Keller deponierte Reste von Feuerwerksköpern Ursache für das Feuer sein könnten. „Es gilt jetzt die Brandursache genau zu ermitteln“, sagte Thomas Knaup am gestrigen Dienstag. „Waren tatsächlich die Überreste der Feuerwerkskörper ursächlich oder hat vielleicht noch jemand nachgeholfen?“

Derweil versucht der Vermieter, die Wohnungsgenossenschaft Oberlausitz (WGO), wieder Normalität in das Haus einkehren zu lassen. „Wir haben die Sofortmaßnahmen, die zu Neujahr möglich waren, ergriffen“, erklärt WGO-Vorstand Karsten Görlach. Das Treppenhaus wurde, soweit möglich, gereinigt, die Elektrik wurde wieder hergestellt, außer im Keller. Dort muss zur Sanierung der Brandschäden eine Spezialfirma ran, sagt Görlach. Das kann aber erst passieren, wenn der Versicherungsgutachter vor Ort war und Ermittlungen in der Lindenstraße beendet sind.„Sowas ist zum Glück selten, aber es ist schon vorgekommen.“ In Löbau aber habe die WGO einen Brand in dieser Größenordnung noch nicht gehabt.

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