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Samstag, 13.01.2018

Punkte für Ordnung und Sauberkeit

Kids in Boxberg wetteifern um den Goldenen Mülleimer. Das kann Schule machen.

Von Constanze Knappe

Als erste gewann die 1a den Goldenen Mülleimer. Die Aktion nutzt allen Kids der Grundschule Boxberg.
Als erste gewann die 1a den Goldenen Mülleimer. Die Aktion nutzt allen Kids der Grundschule Boxberg.

© Gernot Menzel

Boxberg. Gold und Müll schließen sich aus. Nicht so in der Grundschule in Boxberg. Dort gibt es seit Neuestem einen Mülleimer, der obendrein noch golden ist. Gewonnen haben ihn die Mädels und Jungs aus der 1a. Sie waren die Klasse, die einen Monat lang am besten auf Ordnung und Sauberkeit geachtet hat. Nicht, dass die Gemeinde Boxberg keine Putzfrau für die Schule hätte. „Es geht nicht ums Putzen, sondern ums Ordnung halten“, erklärt Ricarda Valentin. Ordnung sei ja bekanntlich das halbe Leben und man könne gar nicht früh genug damit beginnen, dies den Kindern zu vermitteln, sagt sie. Am besten spielerisch.

Seit August ist die 32-Jährige als Schulsozialarbeiterin in Boxberg tätig. Von Anfang an empfand sie sich „auf gleicher Wellenlänge“ mit Schulleiterin Angela Frenzel. Die habe sie auf die Gänge hingewiesen. „Die Kinder lassen im Foyer schnell mal ihre Ranzen fallen. Das sieht nicht nur nicht schön aus. Es ist vor allem ein Problem der Sicherheit, weil es der Fluchtweg ist“, sagt Ricarda Valentin. Eine Weile beobachtete sie das Verhalten der Grundschüler – und entwickelte die Idee zu dem Wettbewerb. Einmal pro Woche dreht sie mit einem Bewertungsbogen in der Hand eine Runde durch die Schule. Nie am gleichen Tag und auch nie zur gleichen Zeit. Ricarda Valentin vergibt Punkte für Ordnung und Sauberkeit in Klassenzimmern und Fluren. Eine Tafel im Foyer zeigt den Kids den Stand der Dinge an. „Manche können es kaum erwarten, dass die nächsten Punkte angezeigt werden“, erklärt sie schmunzelnd. Diejenige der acht Klassen mit den meisten Punkten bekommt den Goldenen Mülleimer, einen liebevoll gestalteten Wanderpokal.

Der Wettbewerb begann im November. Im Dezember wurde wegen eines großen Trommelprojekts ausgesetzt. Dafür sind die Kinder seit Beginn des Jahres umso eifriger bei der Sache. Und die zeigt Wirkung. In den Garderoben hängen die Jacken sorgsam an den Haken. Nirgendwo liegen mehr Schal, Mütze oder Handschuhe achtlos auf dem Boden herum. Die Ranzen stehen in Regalen, die Turnbeutel sind aufgeräumt. Werkschürzen haben ebenso ihren Platz wie die Malutensilien. Weil das Kunstkabinett wegen der Bauarbeiten derzeit nicht nutzbar ist, malen die Kinder in Klassenzimmern. Danach wischen sie die Tische ab. Selbstverständlich war das zuvor nicht für alle Kinder. Einige Klassen haben von sich aus Verantwortliche für Jacken, Schürzen oder Tische festgelegt, erzählt Ricarda Valentin. Insofern fördere der Wettbewerb Kompetenzen wie Kommunikation und Kooperation. „Wer Ordnung in seinen Sachen hält, hat auch Ordnung im Kopf und kann viel besser lernen“, erklärt sie das pädagogische Anliegen. Es wird mit dem Wettbewerb spielerisch vermittelt. „Ist doch nicht schwer, das Mathebuch unter die Bank zu legen, da hat man mehr Platz auf dem Tisch“, hat die sechsjährige Marla aus der 1a festgestellt. Matti (7) sagt, dass sie alle jetzt besser auf ihre Sachen achten.

Als erste Klasse überhaupt gewann die 1a den Goldenen Mülleimer. Mit einem Punkt Vorsprung vor einer dritten Klasse. Selbst Klassenlehrerin Angela Jordan war überrascht. Zwar halte sie die Kinder immer wieder zur Ordnung an, dass es für den Pokal reicht, hätte sie nicht erwartet. „Das Fach unter dem Eimer war mit Gummibären gefüllt“, strahlt Matti übers ganze Gesicht. Es bringt etwas, einander beim Aufräumen zu helfen, haben die Erstklässler ganz nebenbei gelernt. „Wenn beim nächsten Mal die Anderen gewinnen, ist es auch nicht schlimm“, findet Marla.

Ricarda Valentin könnte sich keine schönere Arbeit als die mit Kindern vorstellen. „Kinder geben viel zurück. Wenn mir die Steppkes mit einem Morgengruß entgegenlachen, das ist einfach super“, so die studierte Sozialpädagogin, die selbst Mutter dreier Kinder ist. Sie möchte den Zusammenhalt der verschiedenen Altersstufen in der Grundschule fördern. Zweimal die Woche können sich die Kinder an Obsttellern und Milch bedienen. Ricarda Valentin wird diese Aktion mit einem Quiz ergänzen und dessen Sieger zur „Schlauen Frucht“ küren. Außerdem bereitet sie für das zweite Schulhalbjahr ein Projekt vor, um mit Mädels und Jungs Namensvorschläge für die Schule zu erarbeiten und diese dem Gemeinderat vorzustellen.

Angestellt ist sie beim Verein Schlupfwinkel in Weißwasser. Für 30 Stunden pro Woche. Ob sie bleiben darf, hänge auch von der Gemeinde Boxberg ab, sagt sie. Während der Staat an Oberschulen und Gymnasien die Kosten für Schulsozialarbeiter trägt, müssen an Grundschulen die Kommunen 20 Prozent selbst finanzieren.