• Einstellungen
Samstag, 13.01.2018

Prozess gegen Geiselnehmer

Am kommenden Mittwoch steht ein Libanese vor Gericht. Er hatte vor fünf Monaten Geiseln in der Unterkunft für Flüchtlinge in Weißkeißel genommen.

Von Christian Köhler

Blick auf die Asylunterkunft in Weißkeißel.
Blick auf die Asylunterkunft in Weißkeißel.

© Jens Trenkler

Weißkeißel/Görlitz. Noch heute sitzt der Schrecken tief bei der Libanesischen Familie, die der 32-jährige Familienvater als Geiseln in der Asylbewerberunterkunft in Weißkeißel vor gut fünf Monaten genommen hatte. Am kommenden Mittwoch beginnt am Landgericht Görlitz der Prozess gegen den Libanesen, der auch wegen Körperverletzung angeklagt ist und sich seit Anfang August 2017 in Untersuchungshaft befindet. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren, wie das Gericht mitteilte. Für die Verhandlung sind zunächst insgesamt drei Termine bis zum 7. Februar angesetzt.

Der Asylbewerber soll laut Anklage am Abend des 1. August des vergangenen Jahres zunächst seine Frau, seine wenige Monate alte Tochter und den älteren Sohn mit Schlägen und Tritten misshandelt und in seine Gewalt gebracht haben. Dabei habe er dem Achtjährigen rund drei Stunden ein Messer und eine Glasscherbe an den Hals gehalten, ihn mit dem Tode bedroht und die Übergabe eines bestimmten Medikaments gefordert. Die Arznei habe er gebraucht, um zurechtzukommen, hieß es damals aus dem Umfeld des Täters. Sein Arzt sei verreist gewesen. Ihm habe er vertraut. Die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die das Heim betreuen, hatten einen Übersetzer aus Niesky kommen lassen, um den Täter zu beruhigen. Als dieser dem Beschuldigten die geforderten Medikamente übergibt, lässt er sein Opfer los. Beamte eines Spezialeinsatzkommandos nutzen den kurzen Moment der Übergabe, überwältigen den Mann und nehmen ihn fest. Ein Atemalkoholtest wird nach der Festnahme einen Wert von umgerechnet 1,28 Promille bei dem Gewalttäter feststellen. Dann war der Spuk vorbei. Die beiden Kinder und die Frau werden in ein Krankenhaus gebracht, wo sie auch später noch betreut werden. Die Mutter hat Schürfwunden am Hals erlitten, der Junge einen Schock. Noch in der Nacht sichern Kriminaltechniker Spuren vor Ort. Aber was ist in den Geiselnehmer gefahren? Was hat ihn dazu gebracht, eine solch drastische Gewalttat zu begehen? Nach Angaben aus dem Umfeld soll er bis zu dem Vorfall nicht weiter auffällig gewesen sein. Er soll einer der fleißigsten Bewohner des Heims gewesen sein und nichts auszusetzen gehabt haben, wenn ihm Arbeiten übertragen wurden.

Weißkeißels Bürgermeister Andreas Lysk eilte noch in jener Nacht an den Tatort. Er sei froh, dass der Vorfall letztlich glimpflich ausgegangen sei, sagte er einen Tag später. Das Landratsamt wolle, so hieß noch im August, sehr sorgsam prüfen, wo seine Unterbringung stattfinden kann, sollte er eines Tages wieder in Obhut des Landkreises gelangen.

Die Asylbewerberunterkunft in Weißkeißel soll nach dem Willen des Landkreises zum Ende dieses Monats geschlossen werden. Während einige Bewohner inzwischen nach Weißwasser und den umliegenden Gemeinden gezogen sind, sollen die Übrigen in Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis verteilt werden, teilte das Landratsamt mit. (mit dpa)