• Einstellungen
Donnerstag, 04.01.2018

Produktionsschule startet Modellprojekt

Mit dem neuen Programm des Freistaates sollen Familien unterstützt werden, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind.

Von Sven Görner

Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig (l.) hat dem Geschäftsführer der Produktionsschule Moritzburg gGmbH den ersten Förderbescheid für das neue Modellprojekt des Freistaats übergeben.
Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig (l.) hat dem Geschäftsführer der Produktionsschule Moritzburg gGmbH den ersten Förderbescheid für das neue Modellprojekt des Freistaats übergeben.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Wird ein neues Projekt ins Leben gerufen, braucht es natürlich einen Namen. Möglichst einen griffigen. Im Idealfall einen, mit dem sich auch für Außenstehende sofort erschließt, worum es bei der Sache geht. Mit dem Namen für das neue Modellprojekt des Freistaates ist das nicht ganz gelungen. Kreativ war man im zuständigen Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr indes schon. Auch wenn das Wort Tandem – in Großbuchstaben – zunächst etwas in die Irre führt.

Mit dem neuen Programm sollen Familien – Elternpaare und Alleinerziehende – unterstützt werden, in denen mindestens ein Elternteil von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen ist. Das Besondere daran: Im Fokus steht – anders als in anderen Beschäftigungsprojekten – die gesamte Familie. Die vielschichtigen Probleme und Bedürfnisse der Betroffenen erfordern individuelle und passgenaue Lösungswege und genau das ist das Ziel des Projekts. Beratungsteams, in der Regel Sozialpädagogen oder Psychologen, sollen die Familien begleiten. In Kooperation mit den Jobcentern und den Jugendämtern erfolgt so über die normalen Angebote hinaus eine Betreuung aus einer Hand.

Den ersten Förderbescheid für Tandem Sachsen hat Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) kurz vor dem Jahreswechsel an die Produktionsschule Moritzburg gGmbH übergeben. Sie wird das Projekt im Landkreis Meißen umsetzen. In den kommenden drei Jahren stehen dafür rund 630 000 Euro bereit. Gedacht sind diese vor allem für Personalkosten, Miete und Fahrtkosten. Aber auch etwas Geld für ein paar gezielte Angebote, etwa zum Organisieren von Veranstaltungen für Kinder, sei darin enthalten, sagt David Meis, der Geschäftsführer der Produktionsschule.

„Wir wollen die guten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um Langzeitarbeitslose gezielter zu unterstützen. Speziell in Familien wächst die Gefahr der ‚Vererbung‘ von Langzeitarbeitslosigkeit auf die Kinder. Diesen Kreislauf wollen wir durchbrechen“, so der Minister. „Lange Zeiten der Arbeitslosigkeit führen oft dazu, dass die Betroffenen nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Sie ziehen sich zurück und grenzen sich selbst aus, bevor es andere tun. Auch hier setzen wir mit unserem Programm an“, ergänzt Martin Dulig.

Ziel sei es, mindestens eine erwerbsfähige Person pro Bedarfsgemeinschaft in ein nachhaltiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Gleichzeitig sollen Kinder und Jugendliche die bestmögliche Familienförderung erhalten, insbesondere was ihre Bildungskompetenz anbelangt. Das könne individuelle Lernförderung sein, aber auch Angebote im kreativen, sportlichen oder musischen Bereich sind möglich.

Das Geld dafür, so David Meis, soll allerdings nicht aus den Mitteln für das neue Projekt kommen, sondern aus dem bestehenden Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. „Oftmals ist den Eltern vermutlich nicht bekannt, dass sie daraus Geld für die Förderung ihrer Kinder bekommen können. Oder sie wissen nicht, welche Anträge dafür ausgefüllt werden müssen.“

Die Produktionsschule Moritzburg hat für das neue Projekt schon eine halbe Stelle mit einem Psychologen und eine mit einem Sozialarbeiter besetzen können. „Eine weitere Sozialarbeiterstelle ist noch ausgeschrieben“, so der Geschäftsführer. „Zudem sind wir gerade dabei, Räume in Meißen anzumieten.“ Dort sollen auch verschiedene Kurse angeboten werden. „Meißen liegt einfach zentraler als Moritzburg.“ Genutzt werden sollen die Räume aber auch, wenn die Familien nicht zuhause aufgesucht werden wollen.

In der Regel sollen die Familien, die von den Mitarbeitern des Jobcenters für das Projekt ausgewählt werden, ein Jahr lang betreut werden. Eine Verlängerung auf 18 Monate ist möglich. Bereits im Vorfeld des Projektes hatte es Bedarfsabfragen bei den an der Projektteilnahme interessierten Jobcentern gegeben. „Für den Landkreis Meißen wurden rund 20 Familien pro Jahr gemeldet“, sagt David Meis. Die ersten Namen lägen schon vor. „Wie der Start erfolgt, ist aber noch offen.“

Laut dem Ministerium stehen für Tandem Sachsen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Freistaates bis zum Jahr 2020 insgesamt 9,2 Millionen Euro zur Verfügung. Alle Jobcenter, die gemeinsam mit dem zuständigen Jugendamt ihr Interesse bekundet haben, können teilnehmen. Dies sind neben dem Landkreis Meißen die Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz sowie die Landkreise Mittelsachsen, Vogtlandkreis, Bautzen, Görlitz und Nordsachsen.