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Dienstag, 10.10.2017 Kommentar

Privat vorsorgen, aber wovon?

Tobias Hoeflich über die Zukunft der Rente.

Von Tobias Hoeflich

Tobias Hoeflich
Tobias Hoeflich

© Robert Michael

Mit breitem Grinsen und einem Besen in der Hand posierte Norbert Blüm 1986 für ein Wahlkampffoto. Als amtierender Arbeitsminister hatte der CDU-Politiker eine Litfaßsäule mit einem Plakat bestückt. Die Botschaft darauf: Die Rente ist sicher. Damals schienen ihm das viele Wähler zu glauben, die Union wurde stärkste Kraft. Heute ist vor allem sicher, dass der Blüm’sche Spruch inzwischen unzählige Male parodiert wurde. Und gerade jungen Leuten dürfte bei dem neuesten Vorsorgeatlas auch nicht nach Grinsen zumute sein.

Laut der Studie der Uni Freiburg können Arbeitende, die heute zwischen 20 und 34 Jahre alt sind, mit einer Rente rechnen, die nicht mal vierzig Prozent ihres Bruttolohns entspricht. Was die Macher verniedlichend als „Versorgungslücke“ bezeichnen, ist ein heftiger Einbruch des Lebensstandards, der dieser, unserer Generation droht. Junge Leute sollten deshalb privat vorsorgen, so die Empfehlung, etwa mit der Riester-Rente. Was nicht wirklich überrascht, steckt doch die Finanzgruppe Union Investment als Auftraggeber hinter der Studie.

Doch auch wenn viele unabhängige Verbraucherschützer zur Privatvorsorge raten, dürften sich vor allem Ostdeutsche fragen: vorsorgen, gerne – nur wovon? Bei den Löhnen hängt der Osten noch immer dem Westen hinterher. Vom Verdienst in den alten Bundesländern können viele Sachsen, Thüringer und Brandenburger nur träumen. Aber auch in Westdeutschland hangeln sich viele von einer befristeten Stelle zur nächsten, verdienen ihr Geld mit Leiharbeit und Minijobs. Wer denkt da noch an private Altersvorsorge?

Das alles hätte eine Steilvorlage für die Parteien zur Bundestagswahl sein können. Doch weder von Martin Schulz noch von Angela Merkel war viel zu vernehmen – bis auf eine Absage an die Rente mit 70. Die zahlenmäßig starke Wählerschicht, die sich nahe dem Ruhestand befindet, hat das sicher gern gehört. Nur, was ist mit den Jungen? Die fanden sich kaum in der Debatte wieder. Die Rente mag auch für künftige Generationen sicher sein, ja. Aber eine, die zu einem guten Leben reicht? Für viele sicher nicht.

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