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Freitag, 11.08.2017

Premiere für ein Weizen

2 500 Hektorliter Bier produziert das Bautzener Brauhaus im Jahr – und in diesem Sommer einen neuen Gerstensaft.

Von Miriam Schönbach

Zum Wohl! Das Bautzener Brauhaus präsentiert zum 170-jährigen Bestehen ein neues Bier. Serviceleiterin Saskia Schwarzweller schenkt das unfiltrierte Weizen in der Gaststätte der Brauerei in der Thomas-Mann-Straße aus.
Zum Wohl! Das Bautzener Brauhaus präsentiert zum 170-jährigen Bestehen ein neues Bier. Serviceleiterin Saskia Schwarzweller schenkt das unfiltrierte Weizen in der Gaststätte der Brauerei in der Thomas-Mann-Straße aus.

© Uwe Soeder

Bautzen. Goldgelb ist das Bier in den Gläsern – das Weizen feiert Premiere im Bautzener Brauhaus. „Anlässlich des 170-jährigen Bestehens der Brauerei haben wir uns gedacht, dass es mal wieder Zeit für einen Neuling ist. Außerdem gab es immer wieder Nachfragen nach dieser Sorte“, sagt Serviceleiterin Saskia Schwarzweller. Nach einer knappen Woche im Lokal an der Thomas-Mann-Straße und in ausgewählten Gaststätten ist den Brauern schon jetzt klar: Ihr Neuling kommt an. Aufgrund der großen Nachfrage wird wohl sogar noch ein zweiter Sud angesetzt.

Kupfer bleibt die Nummer 1

Sechs Wochen dauert ein Weizen vom Einbrauen bis zum Genuss. Wie bei dem beliebten Bier nach Pilsner Brauart beginnt auch bei der neuen Sorte das Brauen mit Gestenmalz und Wasser. „Dazu kommt aber noch Weizenmalz. Diese Maische rastet bei unterschiedlichen Temperaturen, damit sich die Malz-Zucker-Stoffe als Basis für die Gärung richtig lösen können“, sagt Saskia Schwarzweller. Die gelernte Hotelfachfrau stammt ursprünglich aus der Niederlausitz. Als Jugendliche zapfte sie schon Bier in einer Diskothek, gelernt hat sie den Umgang mit Bierfass und Co. bereits in der Kneipe der Mutter und später bei der Ausbildung in einem Hotel in der Ski-Hochburg Willingen.

Auch die Idee, mit neuen Biersorten das Brauerei-Jubiläum zu feiern, ist bei Saskia Schwarzweller hinter dem Tresen entstanden. Ab Gründonnerstag gab es das sogenannte „Märzen“. Im vergangenen Herbst wurde bereits das „Winterbock“ gebraut. „Unsere Nummer 1 bleibt aber das Kupfer“, sagt Brauhaus-Chef Karsten Herrmann. Insgesamt hat sein Braumeister bisher sechs Sorten für den Ausschank gebraut. Drei bis sechs Bier-Varianten werden pro Woche und je nach Saison im Sudhaus in den zwei Kupferkesseln angesetzt, um dann im Bierkeller zum vollen Geschmack zu reifen. 2 500 Hektoliter Gerstensaft produziert das Bautzener Brauhaus im Jahr.

Dessen Geschichte beginnt schon 1844 mit dem Zusammenschluss von 77 Bautzener Bierhofbesitzern zu einer Kommune. Doch bis zum Bau eines modernen Brau- und Malzhauses mit Kellerräumen sollen noch zwei Jahre ins Land gehen. Nach ersten Plänen für einen Neubau gleich hinter der damals neugebauten Semperkaserne, dem heutigen Finanzamt, finden die Biereigner schließlich am ehemaligen „Müller’schen Steinbruch“ einen Platz für die Bautzener Biere.

Dort, an der gerade „chaussierten“ Neusalzaer Straße, wird am 29. Juli 1846 der Grundstein für das neue Brau- und Malzhaus gelegt. Nach einem knappen Jahr Bauzeit beginnt am 11. September 1847 die industriemäßige Bierproduktion in Bautzen. Die Braugenossenschaft indes löst sich 1879 auf. Stattdessen wird eine Aktiengesellschaft für die Brauerei gegründet. Damit verschwinden die letzten Bierhöfe aus der Stadt.

Tradition lebt an anderem Ort weiter

Verschwunden ist 1996 nach einem Brand auch die alte Brauerei an der Neusalzaer Straße. Auf dem Areal befindet sich heute die Arbeitsagentur. An die Tradition der Bautzener Biermacher knüpft jedoch das Brauhaus an. Sogar ein paar Relikte wie die historischen Kupferhauben und das Sudhausgeländer aus dem alten Brauereigebäude sind heute im Gasthaus im Villenviertel zu sehen. Seit nunmehr 21 Jahren läuft dort selbstgebrautes Bier aus dem Zapfhahn.

„Seitdem versuchen wir, unseren Kunden immer wieder einen neuen Geschmack anzubieten. Das Weizen ist zwar in Sachsen noch nicht ganz so beliebt wie in Bayern oder Baden-Württemberg. Auf Platz 2 der Bier-Rangliste ist es aber inzwischen angekommen“, sagt Karsten Herrmann. Das Besondere am Weizen aus dem Brauhaus ist, dass es unfiltriert ist. „Damit bleiben alle wichtigen Nährstoffe im Bier enthalten. Natürlich bringt die Kunst des Braumeisters unseren besonderen Brauhaus-Geschmack ins Bier“, sagt Saskia Schwarzweller. Beim ersten Weizen-Sud wurden 20 Hektoliter hergestellt.

Noch ein neues Bier im Keller

Sein Handwerksgeschick hat der Braumeister gleich nochmals unter Beweis gestellt. Denn im Braukeller wartet schon die nächste Premiere. Dort schlummert seit Mitte Juli ein Bier mit Malz aus Chevalier-Gerste. „Das ist eine alte Getreidesorte. Wir beteiligen uns an einem Projekt des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“, sagt der Brauhaus-Chef. Ausgeschenkt werden soll es zum ersten Mal beim Naturmarkt in Wartha am 9. September. Wer zuvor schon Lust auf einen neuen Gerstensaft hat, kann ja mal das Weizen probieren.

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