• Einstellungen
Samstag, 20.05.2017

Praktisch und preiswert oder pompös?

Die Dienstwagen der Bürgermeister in Löbau-Zittau sind ganz unterschiedlich. Vor allem einer erregt die Gemüter.

Von Romy Kühr

Solche hochwertigen Dienstwagenflotten findet man vor den Rathäusern der Region nicht. Die Kommunen entscheiden sich in der Regel für praktische Autos, die auch mal über Baustellen fahren können. Ein Audi, ähnlich wie der im Foto, ist aber auch unter den OB-Dienstwagen der Region.
Solche hochwertigen Dienstwagenflotten findet man vor den Rathäusern der Region nicht. Die Kommunen entscheiden sich in der Regel für praktische Autos, die auch mal über Baustellen fahren können. Ein Audi, ähnlich wie der im Foto, ist aber auch unter den OB-Dienstwagen der Region.

© dpa

Löbau/Zittau. Markttag in Löbau. Einige Rentner, die ihre Einkäufe erledigen, bleiben kopfschüttelnd unweit des Rathauses stehen. Der Grund für ihren Missmut ist ein schwarzer Audi, der dort parkt. „Der OB hat schon wieder einen neuen Dienstwagen“, schimpft ein Mann. „Und für andere, wichtige Sachen ist kein Geld da.“ Als Beispiel führt er das kaputte Dach der Kita an der August-Bebel-Straße an. Wie die SZ bereits berichtete, soll es erst im nächsten Jahr saniert werden.

Währenddessen fährt Rathauschef Dietmar Buchholz (parteilos) tatsächlich seit wenigen Wochen ein neues Auto. Zuvor parkte eine dunkle VW-Limousine am Rathaus, nun ist es ein Audi. Dass der Wagen regelmäßig gewechselt wird – und es sich offensichtlich immer um hochwertige Modelle handelt – können viele Löbauer nicht nachvollziehen. Das Löbauer Rathaus will keine Stellungnahme zum Thema Dienstwagen abgeben. Auf eine Nachfrage der SZ heißt es lediglich, der Wechsel erfolge regelmäßig, das sei normal und im Haushaltsplan der Stadt finanziell unterlegt. Andere Stadtverwaltungen im Raum Löbau-Zittau sind da auskunftsfreudiger, was die Dienstwagenregelung für ihre Bürgermeister betrifft.

Buchholz‘ Zittauer Amtskollege Thomas Zenker (Zittau kann mehr) beispielsweise fährt einen Audi A6, lässt Rathaussprecher Kai Grebasch wissen. Bisher zumindest. Denn Oberbürgermeister Zenker hat sich entschieden, „die bisherige Regelung auslaufen zu lassen und keinen repräsentativen Dienstwagen mehr zu nutzen“, so der Pressesprecher. Zenker wird sich zukünftig für Dienstfahrten aus der Standard-Fahrzeugflotte der Stadt bedienen oder sein Privat-Auto nutzen und die Dienstfahrten dann laut dem Sächsischen Reisekostengesetz abrechnen. Bisher unterhielt die Stadt Zittau einen Leasingvertrag, das OB-Auto wurde jährlich gewechselt. Seit Mai ist dieser Vertrag nun nicht mehr verlängert worden. Die Zittauer Stadtverwaltung unterhält sieben Dienstfahrzeuge, die von den Mitarbeitern für dienstliche Erledigungen genutzt werden können. Ganz ökologisch ist Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos) aus der Oberlandstadt Ebersbach-Neugersdorf unterwegs. Zu dienstlichen Terminen reist die Bürgermeisterin – wenn es sich von der Anbindung her anbietet – gern auch mal mit dem Zug an. Ansonsten nutzt die Rathauschefin einen Opel aus der Dienstwagenflotte der Stadt. Dieses Fahrzeug nutzt sie aber nicht allein. Alle Mitarbeiter können damit zu Terminen fahren. Für diesen Zweck unterhält die Stadt mehrere Fahrzeuge. Unter anderem hat sie auch ein Eco-Auto, das besonders wenig CO2-Ausstoß hat.

Umweltfreundlich ist man auch in Neusalza-Spremberg unterwegs. Die Stadtverwaltung hat ein Elektrofahrzeug, einen Nissan Leaf, in ihrem Bestand. Das E-Auto ist, wie auch der zweite Dienstwagen der Stadtverwaltung, für alle Mitarbeiter verfügbar. Bereitgestellt wird das Auto von der Enso. Der Stromversorger hat auch Ladesäulen in der Kommune aufgestellt, um das Thema E-Mobilität populärer zu machen.

Zusätzlich zum Elektroauto hat die Stadt Neusalza-Spremberg ein weiteres Auto für alle: einen Seat Leon. Der Wagen ist geleast. Bei der Anschaffung reden die Bürgervertreter mit: Der Abschluss des Leasingvertrages wurde vom Stadtrat bewilligt, erklärt Bürgermeister Matthias Lehmann (CDU). Was die Ausstattung des Dienstwagens betrifft, zählen vor allem zwei Dinge: der Wagen muss preiswert und funktionell sein, so Matthias Lehmann. Und: es ist ein Automatik-Auto. Das sei praktischer, weil viele verschiedene Mitarbeiter damit fahren, so der Bürgermeister. Er betont, dass der Wagen ausschließlich für Dienstfahrten genutzt wird. Für den Weg zur Arbeit ist der Neusalza-Spremberger in einer komfortablen Lage: Er kann zu Fuß von zu Hause ins Rathaus gehen.

Desktopversion des Artikels