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Samstag, 13.01.2018

Pragmatische Sanierer

Es geht voran mit Schloss Bobersen. Die Außenarbeiten sind annähernd abgeschlossen, nun konzentrieren sich die Besitzer auf den Innenausbau.

Von Dörthe Gromes

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Den Großteil der Arbeiten an Schloss Bobersen erledigen Hans und Anneke Ramp in Eigenleistung, dazu gehört auch das Tapezieren.
Den Großteil der Arbeiten an Schloss Bobersen erledigen Hans und Anneke Ramp in Eigenleistung, dazu gehört auch das Tapezieren.

© Sebastian Schultz

Die Lampen sind eine preiswerte Eigenanfertigung: LED-Glühbirnen werden an ein Stück Zierblech angelötet.
Die Lampen sind eine preiswerte Eigenanfertigung: LED-Glühbirnen werden an ein Stück Zierblech angelötet.

© Sebastian Schultz

Neue Rasenflächen verschönern den Innenhof.
Neue Rasenflächen verschönern den Innenhof.

© Sebastian Schultz

Zeithain. Die Außenmauern von Schloss Bobersen erstrahlen seit einigen Monaten in elegantem Grau. Bis auf die südliche Stirnseite ist das ganze Gebäude neu verputzt. Auch im Innenhof hat sich viel getan. Das Gestrüpp ist weg und stattdessen sind zwei Rasenflächen angelegt worden. Betritt man das Schloss, herrscht aber noch Baustellencharme: Kabel hängen von den Zimmerdecken, die meisten Wände sind noch nicht gemalert oder tapeziert. Eingerichtet sind die Räume nur in Ansätzen. Besonders im Untergeschoss ist noch sehr viel zu tun. Und doch haben die neuen Eigentümer Anneke und Hans Ramp in den vergangenen zehn Monaten weitaus mehr erreicht als ihre Vorgänger in 25 Jahren, in denen das Schloss leer stand und immer mehr verfiel (SZ berichtete).

„Viele Leute haben Angst davor, in einem Schloss zu leben“, meint Hans Ramp. „‘Zu groß, zu teuer, zu kalt‘ sagen sie, aber wir lieben das.“ Die Argumente teuer und kalt lässt er nicht gelten, schließlich ließen sich mit moderner Technik die Betriebskosten niedrig halten. So bullert im bislang einzigen beheizten Raum ein Kanonenofen vor sich hin. Er erzeugt behagliche Wärme und wird mit Holz geheizt, das sowieso immer anfällt. Wenn der Fußboden gemacht wird, wollen die Ramps eine strombetriebene Infrarot-Fußbodenheizung einbauen. Außerdem reicht es ihnen, im Winter ein bis zwei Zimmer zu heizen.

Überhaupt steht Komfort nicht gerade weit oben auf der Prioritätenliste des niederländischen Paares. Wichtiger ist den beiden, mit ihrer Arbeit voranzukommen und Spaß daran zu haben. „Es ist schön, am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat“, sagt Anneke Ramp. Genau wie ihr Mann ist sie studierte Landwirtin und ein eher bodenständiger Typ. Und ja, sie würde schon das Bild bestätigen, dass die Niederländer zum Pragmatismus neigen. „Den Deutschen ist ein hoher Standard wichtiger als uns“, ergänzt ihr Mann.

Ein einziger wuchtiger Sessel steht bislang im Vorzeigezimmer und der ist aus China. Die DDR-Stühle stammen aus ihrem zweiten sächsischen Schloss in Wendischbora. „In Bobersen war keine Einrichtung mehr vorhanden, selbst die Türen waren geklaut“, erzählt der Schlossbesitzer. Während der Arbeiten genügt den beiden ein Tapeziertisch zum Essen.

Hilfe holen sich die Ramps nur bei Arbeiten, die sie nicht selbst erledigen können. „Ein Bauer kann alles ein bisschen“, sagt Hans Ramp. In Tschechien bewirtschaftete das Paar einen Hof mit 300 Milchkühen. Vor einigen Jahren verkauften sie den Betrieb und widmen sich seitdem ihrer Leidenschaft für Schlösser. Neben Bobersen und Wendischbora besitzen sie noch ein Schloss im Kurort Mšené-lázne im Norden Tschechiens.

Bei der Sanierung lassen sie nach Möglichkeit viel im ursprünglichen Zustand. Allerdings nehmen sie etliche Zwischenwände heraus, die zu DDR-Zeiten eingezogen wurden. Plastikfenster und Gipskartonwände wird es bei ihnen nicht geben. „Ist doch schön, wenn die Wände nicht gerade und alle gleich sind“, findet Anneke Ramp. Ein Neubau wäre ihr zu langweilig.

Die zum Schloss gehörenden Scheunen und Stallungen hingegen sind nach Hans Ramps Einschätzung kaum zu retten. Jedoch würde der Denkmalschutz ungern einen Komplettabriss sehen. Da ist noch unklar, wie die Lösung aussehen wird. Auch im Schlosspark soll noch weiter ausgelichtet werden. Zu tun gibt es noch eine Menge für die Schlosseigentümer.

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