• Einstellungen
Samstag, 12.08.2017

Polizei sucht illegale Schatzgräber

In der Gohrischheide wird trotz Verbotes nach Kriegsandenken gegraben – die unter anderem für wenige Euro bei Ebay landen.

Von Antje Steglich

Bild 1 von 2

Die Gohrischheide ist aufgrund ihrer jahrhundertelangen militärischen Nutzung ein geschichtsträchtiger Ort – und lockt auch Sondengänger an. Die sind oft auf Munitionsfunde aus und begeben sich dadurch in Lebensgefahr, warnen die Experten.
Die Gohrischheide ist aufgrund ihrer jahrhundertelangen militärischen Nutzung ein geschichtsträchtiger Ort – und lockt auch Sondengänger an. Die sind oft auf Munitionsfunde aus und begeben sich dadurch in Lebensgefahr, warnen die Experten.

© Archiv/Sebastian Schultz

Die Gohrischheide ist aufgrund ihrer jahrhundertelangen militärischen Nutzung ein geschichtsträchtiger Ort – und lockt auch Sondengänger an. Die sind oft auf Munitionsfunde aus und begeben sich dadurch in Lebensgefahr, warnen die Experten.
Die Gohrischheide ist aufgrund ihrer jahrhundertelangen militärischen Nutzung ein geschichtsträchtiger Ort – und lockt auch Sondengänger an. Die sind oft auf Munitionsfunde aus und begeben sich dadurch in Lebensgefahr, warnen die Experten.

© Sebastian Schultz

Zeithain. Frische Erdlöcher im Sperrgebiet, daneben leere Getränkeflaschen oder anderer Müll. Immer wieder werden in der Gohrischheide illegale Grabungsstellen entdeckt. Das sächsische Landesamt für Archäologie hat deshalb jetzt Anzeige erstattet. „Ende vergangenen Jahres waren hier Leute mit der Sonde unterwegs. Das hören wir gar nicht gern“, sagt Dr. Thomas Westphalen, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege.

Denn zum einen sind Grabungen ohne Genehmigung in Sachsen grundsätzlich verboten, zum anderen dürfen große Teile der Gohrischheide aus Gründen des Naturschutzes sowie der Kampfmittelbelastung gar nicht erst betreten werden. Auch das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers in Jacobsthal ist größtenteils für die Öffentlichkeit tabu. Trotzdem haben dort nach SZ-Informationen über einen längeren Zeitraum illegale Grabungen stattgefunden. Einer der wenigen Hinweise führt wohl nach Polen. Die Ermittlungen dazu führt der Kriminaldienst des Polizeireviers Riesa, bestätigt eine Polizeisprecherin. Details zu dem Fall werde man aber nicht bekannt geben, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt.

Klar ist allerdings, die Schatzsuche in der Gohrischheide ist kein Einzelfall. „Das ist ein allgemeines Problem. Sachsen besteht zu 30 Prozent aus Wald, fast überall gibt es Denkmale, und fast überall sind die Leute mit Sonden unterwegs. Das kriegen wir nicht alles mit“, so Thomas Westphalen. Es sei zwar nicht so, dass das Landesamt an all diesen Stellen selbst graben wollte. Auch auf dem ehemaligen Zeithainer Kriegsgefangenenlager sind keine Projekte geplant, so der Denkmalpfleger. Denn seiner Meinung nach ist das, was in der Erde liegt, dort auch am besten geschützt. Doch die illegalen Schatzsucher würden bei ihren Grabungen die Denkmale oft beschädigen und zerstören. Für die Geschichte der Region wichtige Artefakte würden zudem auf Nimmerwiedersehen in Privatbesitz verschwinden.

Allein schon aus ethischen Gründen sei das nicht zu tolerieren, sagt Thomas Westphalen. So würde im Zeithainer Fall das Gedenken an die Opfer der NS-Zeit zerstört – oft für gerade mal eine Handvoll Euro. Denn dort, wo während des Zweiten Weltkrieges der größte Lagerkomplex Sachsens stand, seien heute – abgesehen von den Fundamenten der Baracken – kaum mehr als verrosteter Müll und Munition zu finden.

Doch dafür ist der Markt groß: Auf Trödelmärkten und über Tauschbörsen im Internet wird eine Vielzahl sogenannter Bodenfunde gehandelt. Aktuell werden beispielsweise bei Ebay elf stark verrostete Uniformknöpfe aus dem Zweiten Weltkrieg für neun Euro angeboten, die laut Verkäufer bei Ausgrabungen gefunden wurden. Andere Weltkriegs-Andenken sollen aus Nachlässen stammen oder seien bei Schachtarbeiten gefunden wurden. Wie zum Beispiel ein rostiges Sammelsurium aus einem kaputten Spaten, Knöpfen und einem Löffel, dessen Mindestgebot bei einem Euro liegt.

Ob diese Gegenstände tatsächlich immer auf legalem Weg auf den Markt gelangen, darf wohl bezweifelt werden. „Die meisten denken sich irgendeine Geschichte aus. Da ist es schwer nachzuweisen, dass die Sache illegal ist. Aber so viel kann man gar nicht aus Hinterlassenschaften haben“, sagt der Leiter der Zeithainer Gedenkstätte Ehrenhain Jens Nagel. Seine Kollegen halten deshalb genauso wie auch die Förster in der Heide die Augen offen und melden jeden Fall der Polizei. Ob der dann als Ordnungswidrigkeit oder Straftat behandelt wird, liege dann in der Verantwortung der Staatsanwaltschaft.