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Montag, 17.07.2017

Plötzlich Tempo 30 am Bischofsplatz?

An Ampeln und Leitungsmasten wurden selbst gebastelte Schilder angebracht. Wer hinter der Aktion steckt, ist unklar.

Von Tobias Hoeflich

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Die Radfahr-Bewegung Critical Mass twitterte heute Bilder von dem neuen Tempolimit. Erst beim zweiten Blick wird deutlich: Das ist kein echtes Schild, was am Bischofsplatz auf Tempo 30 verweist.
Die Radfahr-Bewegung Critical Mass twitterte heute Bilder von dem neuen Tempolimit. Erst beim zweiten Blick wird deutlich: Das ist kein echtes Schild, was am Bischofsplatz auf Tempo 30 verweist.

© Screenshot: SZ

Dresden. Hat die Stadtverwaltung nach dem neuerlichen Unfall am Bischofsplatz das Tempo gedrosselt? Diesen Eindruck erweckten heute zumindest neue Schilder, die vor Ort an Ampeln und Fahrleitungsmasten befestigt wurden. Demnach wiesen sie für den Bischofsplatz eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern aus.

Spätestens auf den zweiten Blick war klar, dass die Schilder selbst gebastelt wurden. Lange dürften sie daher auch nicht hängen: „Beschilderung im öffentlichen Verkehrsraum, die nicht durch das Straßen- und Tiefbauamt aufgestellt wurde, wird natürlich entfernt“, sagt Stadtsprecher Karl Schuricht.

Wer hinter der Aktion steht, ist bislang unklar. Vermutlich war es eine Reaktion auf die jüngsten Unfälle vor Ort. Die Radfahr-Bewegung Critical Mass Dresden hatte via Twitter Fotos von den Tempo-30-Schildern veröffentlicht. „Wir haben mit der Aktion nichts zu tun, begrüßen sie aber ausdrücklich“, heißt es dort auf SZ-Nachfrage.

Auf dem Bischofsplatz hat es zuletzt innerhalb weniger Monate zwei schwere Unfälle gegeben. Vergangene Woche erfasste ein Autofahrer eine Radfahrerin auf Höhe der Fußgängerampel an der Rudolf-Leonhard-Straße. Offenbar missachtete der Fahrer eine rote Ampel. Die Radlerin musste mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Anfang April hatte eine betrunkene Autofahrerin ebenfalls am Bischofsplatz zwei Radfahrer erfasst, von denen einer schwer verletzt wurde.

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Nach dem erneuten Unfall forderten unter anderem Politiker der Grünen zügige Verbesserungen auf dem Bischofsplatz. Demnach soll Oberbürgermeister Dirk Hilbert prüfen, wie der Radverkehr am Bischofsplatz zwischen Johann-Meyer-Straße und Dammweg kurzfristig verbessert werden kann. „Zwei schwere Unfälle im letzten Vierteljahr sind genug! Wir können nicht warten, bis der Bischofsplatz vielleicht irgendwann mal nach 2020 saniert wird“, sagte Stadtrat Johannes Lichdi.

Denkbar sei eine Asphaltdecke am Fahrbahnrand, die auf das alte Kopfsteinpflaster aufgetragen wird. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) lehnte das aber mit Verweis auf die hohen Kosten ab. So sei für dieses Provisorium ein sechsstelliger Betrag nötig.

Perspektivisch plant die Stadtverwaltung zwar einen Umbau des Bischofsplatzes. Das wird aber nicht geschehen, bevor die Königsbrücker Straße saniert ist. Im April wurden die Pläne für den Bischofsplatz bereits bei einer Bürgerversammlung im Neustädter Ortsamt vorgestellt. Dabei sagten die Vertreter aus dem Rathaus auch, dass ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern auf der Straße geprüft werden soll. (szo)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Vorderrad

    Durch Tempo 30 können Rotlichtverstöße und das Fahren unter Alkoholeinfluß verhindert werden. Man lernt nie aus. Vielleicht hilft Tempo 23,5 gegen unqualifizierte Politikermeinungen. Er Versuch wär's wert.

  2. kein Radler

    Das Bekennerschreiben der Linksradikalen Terrorgruppe, die glaubt in der Masse das Recht nach ihrem Willen beugen zu können, ist ja oben abgebildet. Nun erwarte ich konsequente Ermittlungen und Strafverfolgung wegen Eingriffs in den Straßenverkehr. Bei Autofahrern, die ihr Fahrzeug aus purer Notwehr ins Parkverbot stellen müssen klappt das ja auch. Oder gibt es auch hier wieder zweierlei "Recht"??

  3. DanielDD

    @2 es gibt keinen Straftatbestand "Eingriff in den Straßenverkehr". Es gibt nur den "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr". Da an diesem Verkehrszeichen nichts gefährliches ist, wird das schwierig. Im Parkverbot stehen ist übrigens im Regelfall auch nur eine Ordnungswidrigkeit. Naja kann ja nicht jeder Autofahrer die StVO kennen...

  4. @3.

    Danke für die "Klarstellung". Dann "darf" also heutzutage jeder nach Gutdünken Verkehrszeichen aufstellen?? Ist mal wieder typische Radfahrerdenke!! Kein Wunder, dass sich niemand mehr daran hält. Das Ding könnte ja von Privat sein... . Nebenbei gesagt: Auto- und Motorradfahrer haben zumindest in der Fahrschule mal Kontakt mit der StVO gehabt. Radfahrer kennen die in der Regel garnicht uder nur die abgespeckte ADFC-Version, wo nur ihre vermeindlichen Sonderrechte drinnstehen.

  5. DanielDD

    @4 Ich habe nicht gesagt, dass jeder nach Gutdünken Schilder aufstellen darf. Ich wollte nur die Aussagen zur rechtlichen Situation mal etwas korrigieren. Sicherlich ist das eine Ordnungswidrigkeit und wird mit einem kleinen Bußgeldchen bestraft - ähnlich wie auch das Parken an allen (un)möglichen Stellen. Zur StVO: Was nutzt es, wenn jemand in der Fahrschule einmal in seinem Leben mal ein bisschen was von der StVO hört und dann alles wieder vergisst? Achja der Anteil an Radfahrern ohne Autoführerschein dürfte verschwindend gering sein. Man weiß ja nie, ob man doch mal in die unangenehme Situation kommt, auf ein Auto angewiesen zu sein. So einen Führerschein muss man ja nirgends "parken" und er verursacht auch keine regelmäßigen Kosten.

  6. Tom Hüther

    durch tempo 30 können fast tötliche unfälle verhindert werden die mit tempo 70 begangen werden...

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