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Montag, 12.03.2018

Plötzlich, nicht unerwartet

Für die Dresdner Eislöwen ist die Saison vorbei. Warum das so schnell ging – eine Analyse.

Von Sven Geisler

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Trainer Franz Steer schaut skeptisch an der Bande. Der Trainer verpasst mit den Eislöwen die Ziele in dieser Saison klar.
Trainer Franz Steer schaut skeptisch an der Bande. Der Trainer verpasst mit den Eislöwen die Ziele in dieser Saison klar.

© kairospress

Am Ende kommt noch Pech dazu, aber damit lässt sich das frühe Scheitern der Eislöwen nicht erklären. Zum ersten Mal seit 2013 verpassen die Dresdner die Finalrunde in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel der Pre-Play-offs gegen Heilbronn ist Schluss. Plötzlich. Aber nicht unerwartet. Zu instabil war die Mannschaft von Trainer Franz Steer in dieser Saison, leistete sich nach einem ordentlichen Beginn zu viele Schwächephasen mit zwei Negativserien von je sechs Niederlagen in Folge.

Wenn also am Freitagabend der Schiedsrichter mit seinem Strafmaß überzogen und so Heilbronn kurz vor Schluss die entscheidende Überzahl ermöglicht hat, dürfen sie sich darüber ärgern. Für die Analyse ist das kein ernsthafter Aspekt. „Man kann nicht nach 54 Spielen sagen, wir hatten Pech“, erklärt Franz Steer. Der Trainer spricht von „vielen kleinen Puzzleteilen“, die nicht richtig zusammengepasst haben. Was den Eislöwen gefehlt hat:

Effizienz

Die Statistik deckt die Schwächen schonungslos auf. Zu viele Gegentore, zu wenige eigene Treffer. „Wir haben die zweitschlechteste Schusseffizienz in der Liga“, stellt Steer fest. Hinzu kamen immer wieder individuelle Fehler, zwischenzeitlich patzte auch der sonst starke Torwart Marco Eisenhut. „Wir haben vor allem zu Hause zu viele Spiele verloren, obwohl wir die bessere Mannschaft waren“, sagt der Chefcoach. Von 27 Heimspielen gingen zwölf verloren, was nicht an mangelnder Unterstützung liegen kann. Der Zuschauerschnitt war mit 2 780 fast so hoch wie vorige Saison (2 830). Die Minuskulisse von 1 373 Fans zum Pre-Play-off-Auftakt gegen Heilbronn war dem Dienstagabend geschuldet, aber auch eine Quittung für zuvor enttäuschende Auftritte.

Qualität

Als Steer Mitte Mai als neuer Trainer vorgestellt wurde, waren bereits 16 Stellen im Kader besetzt. Das Ansinnen von Geschäftsführer Volker Schnabel, die Mannschaft im Kern zusammenzuhalten, muss im Rückblick hinterfragt werden. Einige Spieler haben sich offenbar eingerichtet in der Wohlfühloase Dresden, weiterentwickelt hat sich von den Dagebliebenen bestenfalls Alexander Höller. Der Stürmer liegt mit 21 Toren und 32 Vorlagen – plus eine in den Pre-Play-offs – als bester Eislöwe auf Platz 19 der Scorerliste in der DEL 2.

Zudem konnten die Abgänge nicht adäquat ersetzt werden. Mit Top-Torjäger Brendan Cook, der seine Karriere überraschend beendete, und dem offensivstarken Verteidiger Mirko Sacher (Schwenningen) hatten die Eislöwen zwei Leistungsträger verloren. Die meisten Neuverpflichtungen konnten die Erwartungen nicht erfüllen, speziell die ausländischen Profis enttäuschten. „Das ist auch eine Frage des Preises“, meint Steer. Der im November geholte Litauer Tadas Kumeliauskas habe einige gute Spiele gemacht, sei dann aber abgefallen. Der Kanadier Matt Siddal, als Unterschiedspieler eingeplant, hat lediglich zwölf Tore erzielt. Sein Landsmann Nick Huard 19. Das sind bestenfalls durchschnittliche Trefferquoten. Verteidiger Shawn Boutin traf lediglich einmal. „Die Spieler, die mit einer Einzelaktion enge Partien entscheiden können, haben uns sicher gefehlt“, räumt Steer ein – und er kündigt an: „Es wird einen Umbruch geben.“

Glück

Ein Grund für das schwache Abschneiden waren die verletzungsbedingten Ausfälle. Wenn jedoch der 35 Jahre alte Petr Macholda über fast die gesamte Saison nicht ersetzt werden kann, kommt das einer Bankrotterklärung gleich. Der im Oktober zurückgeholte Harrison Reed brach sich im zweiten Spiel das Sprunggelenk. Nach seinem Comeback sei er seiner Form hinterhergelaufen, sagt Steer. „Du musst ihn trotzdem spielen lassen, damit er in Tritt kommt.“ Dafür hat es nicht mehr gereicht.

Hierarchie

Das Problem zeichnete sich bereits in den Vorjahren ab: Den Eislöwen fehlen Leitwölfe. Kapitän René Kramer hat offenbar weder die Ausstrahlung, noch genießt er intern den nötigen Respekt, die Mannschaft zu führen. Andere Spieler, die für eine solche Rolle infrage kämen wie etwa Thomas Pielmeier, hatten zu sehr mit sich und ihrer Formkrise zu tun.

Mentalität

Das Aufbäumen in Heilbronn kam zu spät. In zu vielen Spielen der Hauptrunde hat genau das gefehlt: die Mentalität, sich gegen eine drohende Niederlage zu stemmen. „Es gab nur wenige Spiele, in denen wir nicht die Chance hatten zu gewinnen“, meint der Trainer. Tiefpunkt für die Fans war das 0:5-Debakel gegen die Lausitzer Füchse. Die starten am Dienstag, 19.30 Uhr, zu Hause gegen Bayreuth in die Play-downs.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Glück gehabt

    Zum Glück hat die Vorrunde gereicht, dass man nicht in die PlayDowns musste. Damit hat ja Herr Steer schon erfahrung

  2. Thomas

    Nicht zu vernachlässigen ist sicherlich auch die "eingeschränkte" Motivation durch den immer noch fehlenden Auf- und Abstieg zwischen der DEL und der DEL2. Eine Zusicherung auf ein festes Datum der Wiedereinführung würde in beiden Ligen schon mal vorab einen enormen Schub bringen, da sich sich ja wohl alle einig. Liebe SZ, bitte "dringend" auch an diesem wichtigen Thema dranbleiben!

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