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Donnerstag, 07.12.2017

Platanen sterben leise

Großenhain hat einige der stattlichen Riesen – meist an Straßen und Alleen. Das ist jetzt genau das Problem.

Von Birgit Ulbricht

Der Kronenentlastungsschnitt für die Pappeln am Cottbusser Bahnhof in Großenhain geriet während der Arbeiten zur grundsätzlichen Frage, wie es weitergeht. Denn ein Baum war komplett hohl.
Der Kronenentlastungsschnitt für die Pappeln am Cottbusser Bahnhof in Großenhain geriet während der Arbeiten zur grundsätzlichen Frage, wie es weitergeht. Denn ein Baum war komplett hohl.

© Kristin Richter

Großenhain. Der Landesbaum der Griechen gilt als besonderer Hingucker. Allein schon wegen seiner markanten, hellen, blättrigen Rinde und stattlichen Erscheinung. An Straßen und Alleen ist sie aber vor allem deshalb beliebt, weil die Platane recht fest steht, unempfindlicher gegen Bodenverdichtung ist als andere und auch nach einem größeren Kronenschnitt wieder ordentlich austreibt. Doch nun holt den beliebten Baum auch hier eine Krankheit ein, die schon andere dahinrafft. Eschen, Erlen und nun auch hiesige Platanen, sie alle leiden an der Massaria-Krankheit – viele Baumarten werden immer mehr von parasitären Pilzarten befallen, die zum Absterben ganzer Äste oder auch Bäume führen können. Vermutlich kam der Pilz schon immer an Platanen vor und war für die sogenannte Astreinigung verantwortlich, das bedeutet, verdorrte Äste wurden abgestoßen. Der Erreger gilt als Schwächeparasit und wird durch extrem heiße und trockene Sommer noch gefördert.

Baumpfleger haben sogar vielerorts beobachtet, dass der Pilz selbst Starenkästen befällt. Der Pilz infiziert Zweige und Äste der Platane, oft von oben, wo er das Rindengewebe abtötet und eine sehr schnell verlaufende Weißfäule des Holzes verursacht. Das Totholz ist von unten aus gar nicht gleich auszumachen, sagt Grün-Experte Matthias Schmieder und wird so unverhofft zur Gefahr, eben weil der Baum so häufig an Straßen vorkommt.

Genau das passierte am Mittwoch am Cottbuser Bahnhof. City Forest wollte den Platanen am Parkplatz zunächst nur einen erhaltenden Kronenschnitt verpassen. Doch vom Hubsteiger aus sah Mitarbeiter Jörg Kirchner schon das ganze Malheur: Der Stamm eines Baumes ist komplett hohl. Nach kurzer Rücksprache mit Matthias Schmieder wurde die Platane weiter gestutzt als ursprünglich geplant. Nächstes Jahr entscheidet sich, ob der Baum ganz wegmuss.

Um die alten Platanen am Cottbuser Bahnhof zu erhalten, werden sie häufiger auf ihre Verkehrssicherheit hin untersucht. Für rund 2 500 Euro hat die Firma City Forest die Platanenkronen diesmal entlastet, stark befallenes Holz entfernt und Drahtseile zur Kronensicherung eingebaut. An der Beethovenallee vor der ersten Grundschule ist so eine Kronensicherung schon vor Jahren installiert worden, jedes Jahr werden die gespannten Gurte kontrolliert, wird ausgeästet und nachgezogen. Auch hier hatten die Baumpfleger erst aus der Höhe gesehen, wie schlecht es dem Baum wirklich geht. An der Schule wurde er natürlich sofort gesichert – so wie eine altehrwürdige Linde am Spielplatz im Stadtpark. „Mitten im Park würde man so einen Aufwand natürlich nicht betreiben“, erklärt Schmieder. Doch mehr als gurten wird auch hier nicht mehr passieren – bis zu dem Tag, an dem der Riese leise gestorben ist. Verfüllen ist nicht mehr üblich. Stattdessen soll der Baum innen besser trocken gehalten werden. Da werden die Wunden der Bäume heute ähnlich behandelt wie die der Menschen, die auch nicht mehr für längere Zeit luftdicht verschlossen werden. Den Platanen an der berühmten Pollmer-Allee geht es dagegen noch richtig gut. Sie sind in den 1970er Jahren gepflanzt worden und damit deutlich jünger als die Platanen am Bahnhof oder der Grundschule.

Insgesamt investiert die Stadt jedes Jahr 100 000 Euro für die Baumpflege im Stadtgebiet. Gesundheitsvorsorge ist eben auch hier nicht gerade billig.

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