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Dienstag, 02.01.2018

Planen, bauen und richtig feiern!

Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm über das 750-jährige Stadtjubiläum und die Aufgaben des Jahres 2018

Von Frank-Uwe Michel

Heike Böhm vor der runderneuerten Sporthalle an der Friedensstraße. Es ist das größte derzeit laufende Bauprojekt in Rothenburg und soll im Januar 2018 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Bürgermeisterin freut sich aber noch auf viele weitere Vorhaben und möchte im Jubiläumsjahr auch ordentlich feiern.
Heike Böhm vor der runderneuerten Sporthalle an der Friedensstraße. Es ist das größte derzeit laufende Bauprojekt in Rothenburg und soll im Januar 2018 seiner Bestimmung übergeben werden. Die Bürgermeisterin freut sich aber noch auf viele weitere Vorhaben und möchte im Jubiläumsjahr auch ordentlich feiern.

© André Schulze

Frau Böhm, hinter Ihnen liegen viele Sitzungen, in denen das Jubiläumsjahr 2018 vorbereitet wurde. Überwiegt ab jetzt die Freude auf das 750-jährige Stadtjubiläum?

Unbedingt. Unser Rothenburg ist jetzt ein Dreivierteljahrtausend alt und über die gesamte Zeit mit all den umliegenden Orten gewachsen. Rothenburg ist für mich ländliche Idylle, gepaart mit städtischem Flair. Ich finde, 750 Jahre zu würdigen, ist absolut angebracht. Dabei bleiben wir – abgesehen von einigen feierlichen Momenten – natürlich im Arbeitsmodus, denn auch 2018 stehen uns einige Herausforderungen bevor.

Schauen wir kurz noch einmal auf das vergangene Jahr. Es war für die weitere Entwicklung von Rothenburg ein sehr wichtiges. Wo wurden Ihrer Meinung nach die Weichen für die Zukunft gestellt?

Unser wichtigstes städtisches Projekt war und ist momentan noch immer die Sanierung und Erweiterung der Sporthalle in der Friedensstraße. Dort sollen in Zukunft Polizeisport, Oberschulsport und Vereinssport gleichermaßen eine Heimat finden. Je nach baulichem Fortschritt werden wir das Objekt im Januar der Nutzung übergeben. Am 8. Februar laden wir dann zu einem Tag der offenen Tür ein.

Gab es aus Ihrer Sicht weitere wichtige Dinge?

Natürlich. Da war zum Beispiel Anfang 2017 die Umstellung auf das elektronische Dokumenten-Managementsystem in unserer Verwaltung. Die Zettelwirtschaft nimmt damit immer mehr ab. Alles wird nun elektronisch verteilt, bearbeitet, abgelegt und archiviert. 2018 wollen wir die Arbeit mit diesem System verfeinern. Stolz macht mich aber auch, dass wir zum dritten Mal nach 2010 und 2013 Klimaschutzkommune geworden sind. In Bremenhain haben wir ein Vorzeigeprojekt auf den Weg gebracht: Mit moderner Technik ist die Straßenbeleuchtung dort so sparsam, dass wir sie nachts durchgängig angeschaltet lassen können. Dies werden wir bei der Erneuerung der Beleuchtung in anderen Straßen ebenfalls so machen. Was mich ärgert, ist der schleppende Fortgang des Breitbandausbaus. Auch in Rothenburg gibt es sogenannte Gebiete mit Wirtschaftlichkeitslücken, in denen kein Anbieter freiwillig bauen will. Diese weißen Flecken sind jetzt im Cluster Rothenburg/Hähnichen zusammengefasst. Für die Verlegung der Glasfasertechnik stehen vom Bund 6,8 Millionen Euro und vom Land Sachsen 3,4 Millionen Euro zur Verfügung. Als Eigenmittel müssten Rothenburg und Hähnichen 1,1 Millionen Euro aufbringen, was aber nicht zu schaffen ist. Hier muss es eine Lösung geben, denn der Kreis hat angekündigt, 2018 bauen zu wollen.

Im neuen Jahr wird es weitere wichtige Projekte geben. Wie steht es um die Verhandlungen beim Themenkomplex Erweiterung Polizeifachhochschule sowie Neubau Oberschule und Ersatz für das wegfallende Bürgerzentrum?

Das ist ein enormer Umwälzungsprozess, jenseits aller Pläne, die wir normalerweise hatten. Aber auch eine Chance für unsere Stadt. Wir wollen am Ende dieser Entwicklung mindestens genauso gut dastehen wie zuvor. Was wir aufgeben müssen, soll gleichwertig wiederbeschafft werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass man diesen Ansatz in den zuständigen Ministerien nachvollziehen kann.

Konkret nachgefragt: Was wird 2018 in Sachen neuer Oberschule-Standort passieren?

Da der Sportunterricht für Mädchen und Jungen getrennt durchgeführt werden muss, hat sich herausgestellt, dass eine Einfeldsporthalle, wie dem Stadtrat in einer Variantenplanung ursprünglich dargestellt wurde, nicht reichen wird. Wir benötigen eine Zweifeldsporthalle. Damit wird der Gestaltungsspielraum für das Areal an der Jahnstraße immer enger. Wir haben uns deshalb um den Kauf des Grundstücks an der Uhsmannsdorfer Straße, auf dem es früher eine Gärtnerei gab, bemüht und dem Eigentümer ein attraktives Angebot unterbreitet. Leider hat er abgelehnt. Noch nicht ganz vom Tisch ist auch die Übernahme der Fläche, auf der Netto seinen neuen Markt errichten will. Sollten die Schwierigkeiten in dem Beteiligungsverfahren der Träger öffentlicher Belange nicht ausgeräumt werden können, sind wir an dem Areal interessiert. Man muss sehen, wie sich das entwickelt. Normalerweise dauert es bis zu vier Jahre, bis ein solcher Findungsprozess abgeschlossen ist. Diese Zeit haben wir aber nicht. Im Moment bereiten wir die Architektenausschreibung für die neue Oberschule vor, die dauert dann zwölf Wochen. Ist der Architekt gefunden, muss auch Klarheit über das Grundstück herrschen.

Wie realistisch sind für Sie die Chancen, ein Bürgerzentrum in der Mitte von Rothenburg auf den Weg zu bringen?

Das jetzige Bürgerzentrum in der Friedensstraße ist ausgelastet, der Bedarf ist also vorhanden. Und da es den Erweiterungsplänen der Polizeifachhochschule zum Opfer fällt, brauchen wir Ersatz. Ich möchte es ganz deutlich sagen: Rothenburg hat aktuell ein Bürgerzentrum und wird auch in Zukunft eins haben.

Welche Hoffnungen verbinden sich für Sie mit der angekündigten Investition der Elektroautobauer aus China? Kommen sie überhaupt?

Ich hoffe es. Die Entscheidung über diese Investition fällt in allernächster Zeit. Rothenburg wird damit in der Region zu einem großen Hoffnungsträger. Der Bergbau reduziert die Arbeitskräfte, Siemens und Bombardier befinden sich auf dem Rückzug, auch Zulieferbetriebe sind davon betroffen. Da könnte das Autowerk der Chinesen der entscheidende Ersatz für wegbrechende Jobs werden. Ich bin optimistisch, dass das klappt. Zumal das Problem mit den Solarfeldern auf dem Flugplatz gelöst zu sein scheint. Sie werden an der Seite zur Friedensstraße hin konzentriert. Die dann immer noch überzähligen Solarmodule werden auf Kompensationsflächen außerhalb von Rothenburg umgesetzt. Das Thema ist sehr komplex, wir brauchen noch etwas Geduld.

Die Umgestaltung des Schlossplatzes sollte eigentlich schon im Herbst 2017 beginnen. Ist 2018 damit zu rechnen?

Archäologische Untersuchungen haben dort zu Verzögerungen geführt. Der Baugrund wurde umfassend untersucht. Aktuell werden Varianten für den Aufbau der Stützmauer erarbeitet, hier muss auch der Denkmalschutz mit einbezogen werden. Wenn es eine endgültige Lösung gibt, werden die Arbeiten ausgeschrieben. Danach beginnt die Umsetzung. Die Fördermittel wurden uns bereits zugesagt, sodass wir das Projekt 2018 in Angriff nehmen können.

Auch zwei Straßen sollen in diesem Jahr neu gestaltet werden?!

Das stimmt. Wir wollen die Görlitzer Straße vom Marktplatz bis zur Scheunenstraße barrierearm gestalten, sodass man den Gehweg auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen problemlos benutzen kann. Die Fördermittelzusage liegt bereits auf dem Tisch. Und wir hoffen, dass 2018 der Ausbau der Uhsmannsdorfer Straße endlich beginnen kann. Der Landkreis und das Landesamt für Straßenbau und Verkehr befinden sich dazu in engen Abstimmungen. Ich weiß, dass die Planungen weit fortgeschritten sind.

Kommen wir zur angenehmen Seite des neuen Jahres: 2018 soll für die Rothenburger und Gäste der Stadt ein besonders einprägsames Jahr werden. Was plant die Stadt zum Stadtjubiläum?

Wir konzentrieren uns auf einige Ereignisse, die über das Jahr verteilt sind. Am 19. Januar wird es den Neujahrsempfang geben, am 8. Februar steht der Tag der offenen Tür in unserer runderneuerten Sporthalle an. Am 5. Mai ist Rothenburg Zielort der Sternradfahrt und vom 3. bis 5. August feiern wir unser Stadtfest – dieses Mal noch ein bisschen mehr als sonst. Dazu findet ein Wettbewerb unter dem Motto „Blühende Fassaden“ statt, es wird eine historische Fotoausstellung geben sowie den Festumzug mit einem modernen und einem historischen Teil. Darüber hinaus gibt es die Idee, Gäste aus der Region mit Oldtimerbussen nach Rothenburg fahren zu lassen. Und der 1. Rothenburger Sportverein lädt die letzte DDR-Fußballnationalmannschaft zu einem Spiel ein. Im Herbst wird es am 30. September ein Erntedankfest geben und im November ist ein historischer Abend mit Stadtrundgang oder einem Vortrag geplant.

Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten?

Auf das Stadtfest. Schönes Wetter, eintrittsfrei, tolles Programm, freundliche Leute – das passt einfach zusammen!

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