• Einstellungen
Donnerstag, 14.09.2017

Pflasterer in dritter Generation

Horst Lange ist 90 – sein Großvater hat einst die Schienen der Straßenbahn verlegt, der Enkel pflastert den Theaterplatz.

Von Udo Lemke

Horst Lange ist 90. Sein Großvater und sein Vater, sein Schwiegersohn und sein Enkel pflasterten, bzw. pflastern, so wie er es einst getan hat, die Straßen und Plätze Meißens.
Horst Lange ist 90. Sein Großvater und sein Vater, sein Schwiegersohn und sein Enkel pflasterten, bzw. pflastern, so wie er es einst getan hat, die Straßen und Plätze Meißens.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Für Horst Lange wird extra eine Bank aus dem Auto ausgeladen und auf das Pflaster der Schlossbrücke gestellt. Das hat der heute 90-Jährige vor vier Jahrzehnten mit seiner Firma Straßen- und Tiefbau Lange selbst verlegt. „Die Pflastersteine waren sehr holprig und poltrig, wir haben sie wieder ordentlich verlegt.“ Die Schwierigkeit dabei: Es handelt sich um Wildpflaster, wie es schon vor mehr als 500 Jahren in der Stadt verlegt worden ist. Das heißt, dass die Steine nicht genormt sind, zwar alle eine glatte Fläche aufweisen, aber der Rest ist so verschieden, wie es Steine sind. Verschieden breit, hoch und tief. Zwar müsste das Pflaster auf der Schlossbrücke inzwischen an einigen Stellen ausgebessert werden, aber ansonsten hält es immer noch.

Horst Lange weiß sich als Teil eines Familienunternehmens mit einer mehr als 100 Jahre alten Tradition. Als 1899 in Meißen die Straßenbahn gebaut wurde, da hat sein Großvater Oswald mit seiner Firma die Schienen verlegt. Sein Vater Curt half ihm, sich selbstständig zu machen.

Doch bis dahin hatte Horst Lange schon ein ganzes Stück Weges zurückzulegen. Er erinnert sich: „Zunächst erlernte ich den Beruf des Straßenbauers, vorher lag schon ein Abschluss als Zimmerer, und auch im Maurerhandwerk habe ich Staub gewischt.“ Nach dem Facharbeiterabschluss ging er zum Studium nach Schleusingen in Thüringen in der Fachrichtung Straßenbau und Vermessung. Als Ingenieur wurde er zur Autobahnmeisterei Sachsen nach Dresden-Hellerau vermittelt. „Ich war zuständig für die Strecken in Sachsen. Prima Kollegen! Früh und abends per Bahn von Meißen nach Hellerau und zurück.“

Nach zwei Jahren wurde Horst Lange das Ressort „Straßen im Großraum Brandenburg“ angeboten. Darunter fiel auch der sogenannte Avuszubringer nach Westberlin. „Ich war jetzt in Potsdam auf dem Posten des Ingenieurs für Straßen und zugleich stellvertretender Betriebsleiter für den Bereich der brandenburgischen Autobahnen. Ich war happy. Erfolg im Beruf, Anerkennung im Umfeld unter den Kollegen und dazu Potsdam mit seinen Seen und Sehenswürdigkeiten und nicht zu vergessen die Hauptstadt in ihrer Ganzheit.“

Doch dann trat das zuständige Ministerium in Berlin an Horst Lange heran: „Die Rollbahnen des Leipziger Flughafens sollten erneuert werden, da der öffentliche Flugverkehr wieder hergestellt werden sollte. Aber da musste ich ablehnen, denn ich strebte an, mich im Straßenbau selbstständig zu machen. Dies natürlich zu Hause.“ Horst Lange nahm auch noch die Hürde der Meisterprüfung, ohne die er keine eigene Firma hätte gründen können.

Im Zuge der Verstaatlichung von privaten Unternehmen in der DDR musste auch Horst Lange seinen Betrieb überführen, konnte ihn später in Coswig wieder eröffnen und mit 1989 stand die Reprivatisierung an. „Ich bekam meinen alten Betrieb zurück, zog wieder in Meißen auf dem Steinweg ein, wo einst mein Vater seinen Betriebssitz hatte.“

Derzeit führen Schwiegersohn Christian und Enkel Florian Mißbach die Firmentradition fort. Letztgenannter pflastert gerade den Theaterplatz in Meißen. „Manchmal sagt mein Enkel: Opa, komm‘ doch mal gucken, und ich muss sagen, die Qualität stimmt.“ Übrigens: Enkel Florian verkörpert inzwischen die fünfte Generation des Familienunternehmens.

Desktopversion des Artikels