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Dienstag, 02.01.2018

Perlen aus dem Polizeibericht

Dusselige Diebe, betrunkene Fahrer und hartnäckige Tiere: Das Verbrechen bewies 2017 auch Humor. Meist unfreiwillig.

Von Dominique Bielmeier

Bulldogge Lenni, gefunden in Erdmannsdorf, war der Polizeiliebling des Jahres. Das ausgesetzte Tier suchte selbst bei der Polizei Hilfe – und wollte dann einfach nicht mehr gehen.
Bulldogge Lenni, gefunden in Erdmannsdorf, war der Polizeiliebling des Jahres. Das ausgesetzte Tier suchte selbst bei der Polizei Hilfe – und wollte dann einfach nicht mehr gehen.

© Polizei Chemnitz

Januar: Eiszeit für Diebe
Es gibt Diebe, die planen lange, und es gibt Diebe, die machen einfach. Von der zweiten Sorte war ein 27-Jähriger, der am 9. Januar ein Geschäft an der Kesselsdorfer Straße in Dresden-Löbtau betrat, ein Mountainbike griff und sich damit aus dem Staub machte, gefolgt vom Ladenbesitzer. „Allein die schneeglatten Straßen hatte der Dieb bei seinem Coup offenbar nicht einkalkuliert“, schrieb die Polizei im Bericht dazu. Denn nach wenigen Metern rutschte der Dieb auf der Fahrbahn aus und stürzte. Der Ladenbesitzer holte ihn ein und konnte ihm das Rad entreißen. Die Polizei ermittelte schließlich auch seine Identität.

Februar: Widerstand des Automaten
Ein Vorfall am frühen Morgen des 17. Februars erheiterte die Pressestelle der Dresdner Polizei. Sie schrieb über den „großen Coup“ eines 28-Jährigen, der sich in Radebeul an einem Kaugummiautomaten zu schaffen machte: „Ausgerüstet mit einem sogenannten Kuhfuß, Montiereisen, Multitool, zwei Zangen und vier Schraubendrehern rechnete er augenscheinlich mit erbittertem Widerstand des Automaten.“ Das Werkzeug reichte offenbar nicht, denn selbst beim Eintreten der Polizei hantierte er noch am Automaten, den er zwischenzeitlich immerhin „nahezu vollständig“ demoliert habe. Die Polizeibeamten nahmen ihn fest, bevor er sein Werk beenden konnte. Schaden am Automaten: rund 500 Euro.

März: Rückwärts über die Autobahn
Die Autobahnausfahrt zu verpassen, ist ärgerlich und kostet Zeit. Weil sich ein 32-jähriger Renault-Megan-Fahrer beides ersparen wollte, fuhr er am 8. März gegen 22.20 Uhr an der Anschlussstelle Wilsdruff einfach ein Stück auf der A 4 zurück. Ein Einfall, der sicherlich auch mit den 0,72 Promille seines Atemalkoholtests zu tun hatte – und einen Schaden von 20 000 Euro verursachte. Denn erst stieß er gegen einen Lkw Volvo, wodurch er wieder nach vorne geschoben wurde, wo er quer zum Stehen kam. Ein nachfolgender Lkw Mercedes musste zwischen den beiden Fahrzeugen hindurchfahren, stieß dabei mit dem Renault zusammen. Alle Fahrer blieben unverletzt.

April: Stinkender Rasenmäher
Einen Gefahrguteinsatz von Polizei und Feuerwehr im Freiberger Revierbereich hat im April ein ungekennzeichnetes, verdächtiges Paket ausgelöst, aus dem zudem ein beißender Geruch drang. „Der Bereich wurde vorsorglich weiträumig abgesperrt, das Paket ins Freie gebracht“, schildert die Polizeidirektion Chemnitz. „Schließlich konnte jedoch nach der Öffnung der Sendung Entwarnung gegeben werden. Im Paket fand sich lediglich ein Rasenmäher, aus dem Betriebsstoffe ausliefen.“

Mai: Werbebanner gestohlen
Feiern ist nicht jedermanns Sache. Das zeigte ein ungewöhnlicher Diebstahl Mitte Mai in Gröditz: Unbekannte entwendeten dort im Stadtgebiet insgesamt fünf Werbebanner für die 800-Jahr-Feier der Stadt. Der Schaden wurde mit 1 500 Euro angegeben. Zwei Wochen später wurde ein Teil der Plakate anonym zurückgegeben. Offenbar hatten die Täter sie geklaut, um sie als Graffiti-Sprühfläche zu benutzen.

Juni: Der vermisste Bruder
Kreisende Polizeihubschrauber schreckten am frühen Morgen des 16. Junis die Bewohner in Dresden-Prohlis auf. Im Polizeibericht erklärt die PD Dresden, was es damit auf sich hatte: Die Beamten suchten einen neunjährigen Jungen, der kurz vor Mitternacht von seinem 13-jährigen Bruder als vermisst gemeldet wurde. Seine tschetschenische Mutter hatte ihn geschickt, da sie sich selbst nicht auf Deutsch verständigen konnte. „Mit diesem Hinweis begann ein Großeinsatz der Dresdner Polizei“, schrieben die Beamten. Dieser endete um 7 Uhr morgens abrupt: Wieder stand der 13-Jährige auf der Wache, dieses Mal aber mit guten Nachrichten. Sein kleiner Bruder sei eben wieder wohlbehalten zu Hause angekommen. Er habe bei einem Freund übernachtet, ohne der Mutter Bescheid zu sagen.

Juli: Nacht der betrunkenen Radler
Eine Nacht, zwei Städte, zwei fast identische Einsätze: Sowohl in Riesa als auch in Radebeul wurden am 30. Juni, kurz vor Mitternacht, betrunkene Radfahrer gestoppt. In der Riesaer Goethestraße kamen ein 25-Jähriger und sein 29-jähriger Begleiter auf 2,26 und 2,6 Promille. In Radebeul fiel ein Radfahrer auf, weil er auf dem Gehweg fuhr – mit 2,04 Promille.

August: Unfallflucht vorgetäuscht
Ein Gutachten vom August überführte einen 32-Jährigen, der schon am 2. Mai die Polizei zum Parkplatz eines Supermarktes an der Dresdner Straße in Großenhain gerufen hatte. Dort hatte er den Beamten eine Beschädigung an der Stoßstange seines VW Caddy gezeigt, die von einem Parkplatzrempler stammen sollte. Doch der Schaden kam den Polizisten komisch vor. „Besonders auffällig war, dass das Fahrzeug nur im beschädigten Bereich gereinigt war“, schrieb die Polizei. Als sie das Zuhause des Mannes aufsuchten, fanden sie ein Gartentor, dessen Farbe genau zu den Spuren am VW passte. Ein Labor bestätigte den Verdacht. „Der ‚Anzeigenerstatter‘ muss sich nun wegen des Vortäuschens einer Straftat verantworten“, heißt es im Bericht.

September: Vermeintlicher Einbruch
Ein betrunkener Mann löste am 7. September einen Polizeieinsatz in Döbeln aus, als er versuchte, in eine fremde Wohnung zu kommen. „Wie sich dann herausstellte, wollte der Mann seinen Laptop von einem dort wohnenden Bekannten abholen“, schrieb die PD Chemnitz. „Dieser öffnete die Tür jedoch nicht. Das konnte der Wohnungsinhaber auch nicht tun, weil er nicht anwesend war.“ Eine Bekannte habe den Mann schließlich nach Hause gebracht.

Oktober: Kuh ohne Fahrrad
„Da steht ’ne Kuh auf dem Flur“, betitelte die Polizeidirektion Dresden eine Meldung vom 21. Oktober aus Diera-Zehren, Ortsteil Karpfenschänke. Aber der Bericht musste sich gleich korrigieren, denn die Kuh stand nicht auf dem Flur, sondern auf einem Radweg vor verdutzten Radfahrern. Diese informierten die Polizei. Pflichtbewusst ermittelten die Beamten rund um die Kuh. „Es stellte sich heraus, dass der agile Vierbeiner vom Anhänger geflüchtet war. Der Besitzer nahm das ausgebüxte Tier schließlich wieder in seine Obhut“, heißt es dazu im Polizeibericht.

November: Flucht mit Tretautos
Wahrscheinlich gibt es nichts, in das nicht schon einmal eingebrochen wurde. Anfang November wurde sogar ein Gerätehaus auf einem Spielplatz in Zeithain zum Tatort. Unbekannte stahlen daraus zwei Tretautos, die später in der Nähe wiedergefunden wurden. Ob sie auch versucht haben, auf diesen zu fliehen, ist nicht bekannt. Der bei dem Einbruch verursachte Sachschaden beläuft sich laut Polizei auf rund 250 Euro.

Dezember: Lenni will zur Polizei
Einen der kuriosesten Einsätze des Jahres nennt die PD Chemnitz das, was am 4. Dezember als schwerer Verkehrsunfall in Erdmannsdorf bei Chemnitz begann. „Während ein Polizist den Verkehr an der Unfallstelle vorbeileitete, kam eine Englische Bulldogge aus einem nahen Wald angetrottet und lief zielgerichtet auf den Beamten zu“, heißt es im Bericht. Mehr noch: Der „wuchtige Vierbeiner“ hüpfte auf die Rückbank eines Streifenwagens und schlief ein. Ein hinzugerufener Tierarzt konnte die Identität des Tieres klären: „Lenni“ stammte ursprünglich aus Döbeln, wurde später ins Erzgebirge vermittelt und offenbar von seinem letzten Besitzer im Wald bei Erdmannsdorf ausgesetzt. Und nun wollte er partout nicht aus dem Streifenwagen aussteigen. „Ziehen, schieben, locken, ausgesprochenes Platzverbot – nichts half“, schrieb die Polizei. „Erst als einer der Beamten nochmals den Motor des Funkstreifenwagens startete, gelang es mit vereinten Kräften, die erneut eingeschlafene Bulldogge zu „überwältigen“.“ Danach kam Lenni kurzzeitig ins Tierheim, erhielt aber so viele Anfragen von Hundefreunden, dass er in eine Familie vermittelt werden konnte. Gegen seinen letzten Besitzer wurden Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen.