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Samstag, 13.01.2018

Ostereiermarkt bleibt Kassenschlager

Sylvia Panoscha sieht steigendes Interesse am Sorbischen Kulturzentrum in Schleife. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Vogelhochzeit.

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Der Chor „Budysin“ gastierte 2017 zum Sorbischen Herbstkonzert im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, dem SKC.
Der Chor „Budysin“ gastierte 2017 zum Sorbischen Herbstkonzert im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, dem SKC.

© Jost Schmidtchen

Sylvia Panoscha ist im Sorbischen Kulturzentrum Schleife verantwortlich. Sie setzt dabei auf Tradition und Moderne.
Sylvia Panoscha ist im Sorbischen Kulturzentrum Schleife verantwortlich. Sie setzt dabei auf Tradition und Moderne.

© Jost Schmidtchen

Schleife. Was vor 20 Jahren mit 1600 Besuchern begonnen hat, hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt: Allein zum 20. Ostereiermarkt 2017 zählt das Sorbische Kulturzentrum (SKZ) 3 458 Gäste – ein absoluter Rekord. Über die gesamte Bilanz hat das TAGEBLATT nun mit Sylvia Panoscha, der Leiterin der Einrichtung, gesprochen.

Frau Panoscha, wie läuft es im Sorbischen Kulturzentrum?

Mit meinen Mitarbeitern kann ich recht zufrieden sein. Das heißt allerdings nicht, dass wir am Ende der Entwicklung angekommen sind. Ganz im Gegenteil! Wir streben mit unserem Veranstaltungsplan 2018 eine weitere Zunahme von Gästen an, und unser Team ist darauf auch bestens vorbereitet. Es ist uns natürlich klar, dass der Sorbische Ostereiermarkt wieder die größte Herausforderung sein wird. Als wir uns vor etlichen Jahren entschlossen, diesen auf das ganze Wochenende auszudehnen, gab es bei den Besucherzahlen den großen Durchbruch.

Das Verzieren von Ostereiern beginnt ja schon im Herbst. Im zeitigen Frühjahr öffnet dann auch wieder die Schauwerkstatt. Wie hat sich das Interesse daran über die Jahre entwickelt?

Hier verfolgen wir vor allem pädagogische Ziele und die Sicherung des Nachwuchses. Auch in der Ostereiermalwerkstatt haben sich die Teilnehmerzahlen von 1999 an inzwischen mehr als verdoppelt. Es kommen Schulklassen der Region, natürlich auch aus Schleife. Unser Anliegen ist es, dass die Tradition des Ostereiermalens weitervermittelt und dabei der Generationswechsel begleitet wird. Inzwischen haben auch Erwachsene Freude daran gefunden, sich selbst einmal an der Kunst zu versuchen. Besonders beim Ostereiermarkt stellen wir das immer wieder fest.

Der Tourismus ist im SKZ eine feste Größe geworden. Welche Erlebnisbereiche öffnen Sie den Gästen?

Alle, die kommen, möchten möglichst viel über die Geschichte der Lausitzer Sorben erfahren. Deshalb liegt das Hauptinteresse auf unserem „Kennenlernprogramm“. Nach der traditionellen Begrüßung in der Schleifer sorbischen Tracht mit Brot und Salz gibt es eine Führung. Gezeigt wird den Gästen die Trachtenvielfalt der Schleifer Folkloreregion, wobei unsere Trachtenpuppensammlung besonderes Interesse findet. Ebenso die von Regina Herrmann gestaltete Schleifer sorbische Sagenwelt und unsere hauseigene Ostereiersammlung. Natürlich werfen unsere Besucher auch einen Blick in die jeweils aktuelle Ausstellung in der Schauwerkstatt. 2017 kamen 60 Reisebusse mit mehr als 1800 Gästen. Das ist mittlerweile eine in etwa konstante Größe.

Wer sind Ihre Partner und woher kommen die Besucher?

Sie kommen aus ganz Deutschland. Der letzte Reisebus im Dezember kam aus Hamburg. Ostereier werden auch im Advent bei uns gekauft, und mit Blick nach vorn ist das nächste Osterfest ja fast schon in greifbare Nähe gerückt. Unsere Ostersonderausstellung wird bereits am 4. März eröffnet. Doch zurück zu unseren Reisepartnern. Das ist langjährig „Görlitz Tourist“; neuerdings arbeiten wir mit der „Sachsen Incoming GmbH“ aus Eibenstock zusammen. Gemeinsam mit anderen regionalen Tourismusanbietern präsentieren wir uns auch auf Reisemessen.

Recht beliebt ist im Herbst der Kirmesmarkt. Woran liegt das?

Ich denke, die herbstliche Angebotsvielfalt lockt die Menschen an – und die Tatsache, dass der Kirmesmarkt bei uns die letzte Veranstaltung des Jahres unter freiem Himmel ist. Wenn dann so wie im vergangenen Jahr auch die Herbstsonne richtig schön scheint, dann zieht es viele noch einmal hinaus. Und die herbstlichen Angebote der Händler können sich sehen lassen. Früchte vom Feld, aus den Gärten und Plantagen, liebevoll selbst gefertigte Herbstgestecke für Hauseingänge und Flure, Brot aus dem Holzbackofen und vieles mehr fanden in diesem Jahr wieder großen Zuspruch.

Auf großes Interesse stößt auch seit mehreren Jahres die Apfelsortenschau beim Kirmestag...

Durch unsere jahrelange gute Zusammenarbeit mit der Obstbauversuchsanstalt Müncheberg haben wir 2017 dort 170 von etwa 1000 vorhandenen Apfelsorten gepflückt. Unterstützt haben uns dabei Mitglieder des Heimatvereins Schleife. Über 50 weitere Sorten brachte Klaus Schwartz aus seiner Baumschule in Löbau mit. Er nahm für die Besucher auch die Apfelsortenbestimmung vor: Da bringen die Leute Äpfel aus ihren eigenen Gärten mit und wollen erfahren, um welche Sorten es sich handelt. Das ist immer interessant, und die Warteschlange ist mitunter recht lang.

Woraus resultiert der Zuspruch zu den kulturellen Veranstaltungen – und was sind besondere Publikums-Magnete?

Der Saal ist ein Podium für unsere Bürger und Gäste von außerhalb. Die Veranstaltungsangebote werden recht gut angenommen, weil sie vielfältig sind und somit ein breites Interessenspektrum finden. Den Auftakt machte im vergangenen Jahr die traditionelle Kindervogelhochzeit der Kita „Pfiffikus“. Da war der Saal wie immer voll: Eltern, Omas, Opas und Geschwisterkinder sind die wichtigsten Besucher, die kommen. Alle Jahre wieder ist das so. Ansonsten reicht die Palette der Veranstaltungen vom Zampertanz über Puppentheater und Kabarett, Reisevorträge und das Sorbische Herbstkonzert bis hin zur Beatmusik.

Welche Höhepunkte erwarten die Besucher im neuen Jahr 2018?

Zunächst am 28. Januar die Vogelhochzeit mit dem Sorbischen Nationalensemble Bautzen. Am 3. März gibt es bei uns ein neues Programm des Sorbischen Folkloreensembles Schleife aus der Serie „Bräuche-Trachten-Traditionen“. Zum Muttertag begrüßen wir „Die Schäfer“. Am 17. und 18. März findet der Ostereiermarkt statt. Abschließend möchte ich meinen Dank an alle fleißigen Helfer sagen, die uns unterstützten. Das sind die Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde und die Mitglieder der regionalen Vereine.

Das Gespräch führte Jost Schmidtchen