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Dienstag, 02.01.2018

Orientierung trotz Demenz

Das Malteser Krankenhaus St. Carolus in Görlitz investiert in seine Stationen, damit sich Patienten besser zurechtfinden. Zudem gibt es Schulungen.

Schwester Adina Halaris, Leiterin der Station 4 im Malteser Krankenhaus St. Carolus, vor einem Patientenzimmer mit der neuen Beschriftung aus Ziffern und Bildern.
Schwester Adina Halaris, Leiterin der Station 4 im Malteser Krankenhaus St. Carolus, vor einem Patientenzimmer mit der neuen Beschriftung aus Ziffern und Bildern.

© Malteser/Hänsch

Auf Station 4 spielt ab sofort die Signalfarbe Rot eine besondere Rolle. Dort ist das Durchschnittsalter der Patienten im Malteser Krankenhaus St. Carolus besonders hoch, viele Mehrfachkranke werden versorgt. Wie das Krankenhaus in einer Pressemitteilung erklärt, erleichtern die signalroten Schalter, Griffe und sogar Toilettensitze in den Zwei-Bett-Zimmern die Orientierung von Demenzerkrankten.

Üblicherweise sind Lichtschalter in Kliniken weiß und für diejenigen, die ihre Umgebung nur eingeschränkt wahrnehmen, unsichtbar. Neu ist auch: In den Nasszellen hängt ein Notrufknopf zentral von der Zimmerdecke. Dieser ist von überall erreichbar, auch, wenn ein Patient stürzt und auf dem Boden liegend Hilfe herbeirufen möchte. „Um Patienten mit Demenz gerecht zu werden, reicht es nicht, sie in hübsch gemachten Zimmer unterzubringen,“ erklärt die Leiterin von Station 4, Adina Halaris.

Die Veränderungen hängen mit dem Modellprojekt zur integrativen Behandlung von Demenzpatienten im Krankenhaus zusammen, das das St. Carolus gestartet hat. Mit einem Investitionsvolumen in sechsstelliger Höhe werden seit Herbst 2017 mehrere Stationen renoviert und umgestaltet sowie die ambulante Versorgung ausgebaut. Der Grund: Im Malteser Krankenhaus sind mehr als die Hälfte der Patienten über 65 Jahre alt. Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung. „Die Malteser haben deshalb ihre Strategie auf Altersmedizin, Palliativmedizin und Demenzbetreuung ausgerichtet. Eine eigene Fachstelle schult die Mitarbeiter in den Malteser Kliniken,“ erklärt Pflegedirektorin Daniela Kleeberg. Durch die Zunahme der älteren und alten Patienten steigen die Anforderungen an die Pflege.

Für Menschen mit Demenz ist eine Krankenhaus-Behandlung oft mit einer Verschlechterung der Demenzsymptome verbunden. Positive Effekte haben spezielle Stationen, die mit spezialisierter Versorgung auf Menschen mit Demenz eingehen. Das zeigte eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), die unter anderem auf Daten der Demenzstation des Malteser Krankenhauses St. Hildegardis in Köln beruht. Mobilität, geistige Fähigkeiten und die Alltagskompetenz der Patienten verbesserten sich während des Aufenthaltes dort deutlich.

Im Fall von Station 4 im St. Carolus werden Angehörige aktiv in die Betreuung eingebunden. Sie füllen ein Biografieblatt aus, das Gewohnheiten und besondere Ereignisse der Patienten vermerkt. Malzeug und ein Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel stehen zur Beschäftigung bereit. „Klare Informationen und viel Empathie helfen, das Krankenhaus nicht als bedrohlich wahrzunehmen“, erläutert Adina Halaris. Die Patientenzimmer sind eindeutig gekennzeichnet, neben Ziffern erleichtern Bildmotive der Stadt Görlitz die Orientierung. Auf allen Stationen im St. Carolus dienen farbige Pfeiler den Patienten als Richtungsweiser: Grün indiziert den Weg zum Ausgang, Gelb ist die Eingangsfarbe.

Die Renovierungsarbeiten im Malteser Krankenhaus sind aber noch nicht abgeschlossen. Im Januar eröffnet eine Kurzliegerstation, auf der parallel Patienten der Fachgebiete Inneres, Urologie und Chirurgie betreut werden, deren Aufenthaltsdauer weniger als fünf Tage beträgt. Das chirurgisch-medizinische Versorgungszentrum im St. Carolus empfängt ab Februar in frisch gestalteten Räumlichkeiten im Erdgeschoss seine Patienten. (SZ)

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