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Donnerstag, 14.09.2017

Olsenbande und Vermessung der Welt

Der Bautzener Intendant Lutz Hillmann über seine Stücke am eigenen Haus und Fremdgehen.

Von Silvia Stengel

Premieren Bautzener Theater

Jeden Sommer auf der Ortenburg: Bautzens Theaterchef Lutz Hillmann, der auch das neue Stück über die Olsenbande schreibt und auf die Bühne bringt.
Jeden Sommer auf der Ortenburg: Bautzens Theaterchef Lutz Hillmann, der auch das neue Stück über die Olsenbande schreibt und auf die Bühne bringt.

© Uwe Soeder

Bautzen. Seit 20 Jahren wird „Die Olsenbande“ am Bautzener Theater gespielt – erst im großen Haus und nun schon das dritte Mal auf der Ortenburg. Das Sommertheater liegt erneut in den Händen von Intendant Lutz Hillmann. Im Interview sagt er, was ihn daran begeistert und welche Stücke ihn noch in dieser Spielzeit beschäftigen.

Herr Hillmann, haben Sie nicht langsam genug von der Olsenbande?

Nach zwei komplett ausverkauften Theatersommern mit 37 000 beziehungsweise 40 000 Zuschauern haben wir und offensichtlich auch unser Publikum großen Spaß am Gaunertrio. Die Gäste kommen inzwischen aus ganz Deutschland. Der überregionale Zuspruch freut uns natürlich auch. Bei 13 Olsenbande-Filmen, die als Vorlage für unsere Inszenierung dienen, entdecke ich immer wieder neue Aspekte. Es gibt sogar Anleihen an Stummfilme, zum Beispiel bei Charlie Chaplin oder Buster Keaton.

Ist es nicht schwieriger, „Birkenbiegen“ von Oliver Bukowski auf die Bühne zu bringen, weil es in der Lausitz spielt und jeder mit seinen eigenen Erlebnissen nach der Wende vergleichen kann?

Jede Inszenierung ist eine neue Herausforderung. Es ist ein fließender Prozess, ein Stück vom Konzept bis zur Premiere zu entwickeln. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Handlung in der räumlichen Nähe, in der Vergangenheit oder in fremden Kulturen spielt. „Birkenbiegen“ habe ich schon in sorbischer Sprache inszeniert, es ist ein Teil Lausitzer Seen- und Seelenlandschaft, der auf der Bühne verhandelt wird.

Inszenieren Sie auf Sorbisch anders?

Ich achte etwas mehr auf den Gestus und die Haltung der Schauspieler. In seiner Muttersprache konzentriert man sich eher auf den Wortsinn.

Premieren Bautzener Theater

1 von 5

Großes Haus

6.10., Ein Mann sieht rosa, Komödie

20.10., Mächtig gewaltig, Bühnenball

27.10., Tango Piazzolla, Ballett der Landesbühnen Sachsen

10.11., Birkenbiegen von Oliver Bukowski

25.11., Die verzauberten Brüder, Märchen

8.12., Der kleine Prinz

12.1., Frau Luna, Operette

9.3., Lausitzer Quartiere oder Der Russe im Keller, Uraufführung

27.4., Die Verdammten, Schauspiel nach dem gleichnamigen Film

23. Theatersommer

ab 14.6., Die Olsenbande hebt ab, Burgtheater, Hof

Kleine Form im Burgtheater

22.9., Frühling, Sommer, Horst und Günther, erzählt und gesungen von Therese Thomaschke

3.10., Das Museum der Deutschen mit friendly fire aus Leipzig

24.11., Herzensangelegenheiten, Bodo-Wartke-Abend

15.12., Arbeits-Los oder Du bist der Hausmann, Schätzchen!, Krimi-Komödie

16.3., Denn alle Lust will Ewigkeit, Liederabend

Puppentheater im Burgtheater

8.10., Hans im Glück

3.12., Hänsel und Gretel

16.2., Die Wahrheit über die Farm der Tiere, Uraufführung

22.4., Der kleine Angsthase

1.6., Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

Sorbische Stücke

u.a. 14.4. Wjelika wutšoba (Das Herz eines Boxers) von Lutz Hübner im Burgtheater.

Bei „Lausitzer Quartiere oder der Russe im Keller“ kennen Sie den Autor Ralph Oehme 20 Jahre. Macht es das leichter?

Der Autor hat mit dem Stückentwurf den Theaterpreis „Lausitzen“ gewonnen. Da die Beiträge von der Jury anonym bewertet wurden, wusste ich nicht, dass Ralph Oehme in der Endrunde dabei war. Ich freue mich natürlich, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Inzwischen hat er das Stück fertig geschrieben. Sind Sie zufrieden?

Es ist ein großer historischer Wurf, der Ralph Oehme gelungen ist. Er verbindet genaue Geschichtsdarstellung mit einem moralischen Bekenntnis. Wir sind momentan beide intensiv im Gespräch darüber.

Aber grundsätzlich ist es spannend?

Ja. Es ist die 200-jährige Geschichte einer Oberlausitzer Leineweberfamilie von der Teilung der Lausitz 1813 bis nach der Wende mit einer immer wiederkehrenden Grundsituation: die Figur eines Russen als Allegorie des Fremden.

Vorher kommt noch „Der kleine Prinz“, den Sie bei den Landesbühnen in Radebeul inszeniert haben. Ich habe gehört, dass Sie dort erneut „Fremdgehen“.

Einmal in der Spielzeit inszeniere ich an einem anderen Theater. Ich habe schon in Gera oder an der Deutschen Bühne in Ungarn gearbeitet. Es ist wichtig, im Austausch zu bleiben, grenz- und kulturüberschreitend zu denken. Gerade bringe ich in Radebeul das Stück „Die Vermessung der Welt“ über die beiden Forscher Humboldt und Gauß zur Premiere. Und ich freue mich natürlich auch, die Inszenierungen nach Bautzen holen zu können.

www.theater-bautzen.de