• Einstellungen
Samstag, 30.12.2017

„Ojj“ - Der Kleine Maulwurf wird 60

Eine Hommage an einen kleinen Kerl, der Generationen von Kindern begeistert hat.

Von Hans-Jörg Schmidt, Prag

3

Der Kleine Maulwurf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in die Herzen Tausender Kinder gegraben.
Der Kleine Maulwurf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in die Herzen Tausender Kinder gegraben.

© Kratky films

Autsch! Da lag er. Auf einem Silvesterspaziergang in den 1950er-Jahren sinnierte der tschechische Trickfilmer Zdenek Miler so intensiv darüber nach, welches bislang unbekannte Wesen aus dem Tierreich er in seine Streifen einführen könnte, dass er den Maulwurfshügel vor seinen Füßen übersah. Als er sich wieder aufgerappelt hatte, war ihm der Einfall gekommen: ein Maulwurf. Der Sturz war Glück im Unglück: Miler sollte mit dem Kleinen Maulwurf eine weltweite Karriere hinlegen.

Seinen ersten Film mit dem süßen Kerl nannte er „Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam“. Damals konnten der Kleine Maulwurf und seine besten Freunde – der Hase, der Igel und die Maus – noch sprechen. Später gaben sie nur noch verkürzte tschechische Laute von sich, die man weltweit verstehen konnte: „Ahoj“ zur Begrüßung, „ojj“ für Staunen, „jeeh“ bei Entzückung, „jääh“ bei Furcht und „Ach joo“, wenn wieder mal eine schwere Aufgabe wartete, wie etwa das Buddeln eines sehr, sehr tiefen Lochs mit der obligatorischen Schaufel. Gesprochen wurden diese Laute von Milers Töchtern, die auch die ersten Kritiker seiner Einfälle waren.

Seit 1963 lief der Kleine Maulwurf – auf Tschechisch Krtecek – regelmäßig im tschechoslowakischen Fernsehen. Er war dort der Star von Vecernícek, dem dortigen Sandmännchen.

In Ostdeutschland gastierte er im Abendgruß des Sandmännchens, in Westdeutschland war er regelmäßig in der „Sendung mit der Maus“ zu sehen. Doch sein Erfolg war weit größer: in 80 Ländern machte der Kleine Maulwurf Freude.

Ein Film fiel durch die Zensur

Stets ging es in den kurzen Filmen – 63 insgesamt – um große Gefühle wie Freundschaft, Hilfe und Verständnis für andere, um große Gefühle ohne viel Worte und häufig auch um Umweltschutz. Wo die Menschen im „wahren Leben“ vor der vermeintlichen Aussichtslosigkeit zurückgewichen wären, fiel dem Kleinen Maulwurf stets noch eine Lösung ein. Auf diese Weise wurde er zum Helden mehrerer Generationen von Kindern. Ein Film war den Zensoren in der Tschechoslowakei aber doch zu gefährlich: das war ein Streifen über den Prager Frühling 1968. Der verschwand auf Nimmerwiedersehen in den Tresoren.

Der Kleine Maulwurf mit der roten Nase wird in den 1980er- und 1990er-Jahren sogar nach Hollywood gelockt, findet das Leben dort aber öde und kehrt lieber wieder in seinen Wald zurück. Seine letzte Mission hatte er in einem Spaceshuttle: der US-Astronaut mit tschechischen Wurzeln, Andrew Jay Feustel, nahm einen Plüsch-Maulwurf mit ins All und überreichte den nach seiner Rückkehr an Miler. Dieser starb 2011 in einem Prager Pflegeheim.

Dann wird die Geschichte des kleinen Kerls weniger lustig. Es begann ein Streit um das Erbe des Erfinders. In dem musste die Enkelin des Zeichners eine juristische Niederlage einstecken. Karolina Milerova dürfe bis auf Weiteres keine Lizenzen für Produkte mit der Figur verkaufen, entschied das Prager Stadtgericht im Oktober. Ein Vertrag, den sie rund zwei Monate vor dem Tod ihres Großvaters mit diesem abgeschlossen habe, sei zu unbestimmt und damit ungültig. Milerova will Berufung einlegen. Geklagt hatte eine Nachlassverwalterin mit der Begründung, Miler habe eine weitere Nutzung des Kleinen Maulwurfs nach seinem Tod abgelehnt.

Bliebe es dabei, hätten die neuesten Fans das Nachsehen: Das staatliche chinesische Fernsehen produziert derzeit mit Zustimmung der Miler-Enkelin eine freie Fortsetzung unter dem Titel „Der Maulwurf und der Panda.“ Probleme über Probleme. Der Kleine Maulwurf würde dazu wohl nur sagen: „Ach joo!“

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Ach joo

    Ich habe ihn immer gern gemocht, den kleinen Wühler mit seinen blauen Latzhosen. Schade nur, dass wie so oft, die vom Erfolg profitieren wollen die so gut wie nichts oder gar nichts dazu beigetragen haben.

  2. Veit Schagow

    Die Trickfigur hat mich beim Aufwachsen begleitet. Es waren friedfertige, schöne, kleine Geschichten, und manchmal sehne ich die Beschaulichkeit jener Tage zurück, wenn ich ihn sehe. Ein kleiner Held, als es Superhelden, Superroboter und Krachbumm-Action-Kinderfilme noch nicht gab.

  3. Juliane

    Er ist noch immer ein kleiner, süßer Schatz. :-D

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.