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Freitag, 22.09.2017

Ohne Dresdner Beteiligung

Die unerfahrenen Volleyballerinnen gehen zurückhaltend in die EM. Der DSC ist nur in Hollands Auswahl vertreten.

Von Michaela Widder

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Mit Corina Ssuschke-Voigt und Heike Beier (r.) blocken zwei DSC-Spielerinnen bei der WM 2007 in Japan.
Ein Bild aus vergangenen Tagen. Mit Corina Ssuschke-Voigt und Heike Beier (r.) blocken zwei DSC-Spielerinnen bei der WM 2007 in Japan.

© dpa

Es ist der prägendste, der schönste Moment für Heike Beier. Nach einer Zitterpartie im Halbfinale bei der Heim-EM 2013 gegen Belgien haben die deutschen Volleyballerinnen im fünften Satz Matchball. Der Pass landet bei Beier, die in der Max-Schmeling-Halle die Entscheidung in der Hand hat. „Mir gingen tausend Gedanken durch den Kopf“, erinnert sie sich: „Der Gegner wusste, dass meine Lieblingsangriffsrichtung Linie ist. Also habe ich gepokert und den für mich schwierigsten Angriff in die Diagonale genutzt.“ Dank Beiers Punkt zieht das Team ins Finale ein. Für Gold ist am Ende Russland zu stark.

Das Silber war für die deutschen Volleyballerinnen bis dato die letzte Medaille bei einer EM oder WM. Und es scheint nicht realistisch, dass sie den Höhenflug der Männer zur Vizeeuropameisterschaft nun drei Wochen später in Aserbaidschan und Georgien fortsetzen können. Nach dem Umbruch und der durchwachsenen Vorbereitung wären große Ziele auch vermessen. Bundestrainer Felix Koslowski hält sich vor dem EM-Auftakt am Freitag gegen Polen lieber zurück, gibt das Viertelfinale als Ziel aus. Beier, die nach 226 Einsätzen aus dem Nationalteam zurückgetreten ist, traut der Auswahl das Halbfinale zu: „Die Mischung zwischen jungen Hungrigen und den alten Hasen ist super.“

Erfahrenste ist Maren Brinker, die nach ihrer Hochzeit Fromm heißt. Auf die 31-Jährige wird viel Führungsarbeit zukommen, denn sieben EM-Novizen stehen im 14er-Kader. Das Korsett bilden sechs Spielerinnen, darunter auch Fromm, die in der vergangenen Saison unter Koslowski in Schwerin Meister wurden. Wer nach aktuellen DSC-Volleyballerinnen bei der EM sucht, muss ins Nachbarland schauen. Myrthe Schoot und Marrit Jasper kämpfen mit Holland um eine Medaille. Eine deutsche Nationalspielerin aus Dresden steht dagegen nicht im Aufgebot. Mareen Apitz hätte die Chance gehabt, verzichtet aber seit anderthalb Jahren auf eine Auswahlnominierung aus persönlichen Gründen. Die Zeiten sind längst vorbei, als der DSC die Hälfte der Stammsechs stellte. 2013 waren mit Beier, Christiane Fürst, Corina Ssuschke-Voigt, Lisa Izquierdo und Saskia Hippe fünf Spielerinnen dabei, die in Dresden ausgebildet wurden oder lange gespielt hatten.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Beier, die von 2001 bis 2008 das DSC-Trikot trug, glaubt an eine „andere Vereinsphilosophie“ als zu ihrer Zeit. „Der DSC ist ein Spitzenklub in Deutschland, und international können sie die großen Klubs ärgern“, sagt die 33-Jährige, die zuletzt im polnischen Lodz unter Vertrag stand. „Ich denke, deutsche Nationalspieler auszubilden, ist momentan nicht vereinbar mit den Erfolgsansprüchen des Vereins oder der Sponsoren.“

Beim DSC dürfte man das etwas anders sehen. Nach SZ-Informationen hatte sich der Verein in der vorigen Saison vergeblich um zwei deutsche Nationalspielerinnen (Fromm, Jana-Franziska Poll) bemüht. Es dauerte vier Jahre, bis mit Rica Maase mal wieder ein Talent aus den eigenen Reihen ins Erstligateam berufen wurde.

Für einen DSC-Neuzugang war die EM sogar greifbar. Barbara Wezorke wurde erstmals im Sommer in die Nationalschaft berufen, aber Ende August nach Hause geschickt. „Es war eine aufregende und anstrengende Zeit“, meint die Mittelblockerin. Natürlich sei sie traurig, andererseits habe sie sich extrem auf Dresden gefreut. Die Rüsselsheimerin kennt die Stadt, da sie von 2009 bis 2011 beim VC Olympia groß geworden ist. Am Donnerstag reiste Wezorke mit dem DSC nach Polen, wo am Samstag das erste Testspiel gegen Impel Wroclaw ansteht. Die EM wird sie nebenbei verfolgen. Mit Prognosen hält sie sich zurück, sagt aber: „Die Mädels müssen mit viel Herzblut spielen, um die großen Nationen überraschen zu können.“

Als der Kader im August verkleinert wurde, traf es mit Izquierdo auch eine Ex-Dresdnerin. Die Angreiferin hat mittlerweile größere Sorgen. Nach nur einer Woche bei ihrem neuen Klub in Rumänien zog sie sich im Training einen Kreuzbandriss im Knie zu. Die Saison ist gelaufen, der Vertrag wurde bereits aufgelöst. Am Montag soll Izquierdo in Dresden operiert werden.

Aus dem aktuellen Kader hat damit einzig Diagonalangreiferin Lippmann eine DSC-Vergangenheit. 2016 verließ sie aber den damaligen Doublesieger, weil sie mit ihrer persönlichen Entwicklung nicht zufrieden war. In Schwerin reifte sie zu einer Leistungsträgerin – auch für die Auswahl.

Die deutsche Auswahl trifft in der Gruppe A am Freitag (18.30 Uhr) auf Polen, am Sonntag (18.30 Uhr) auf Ungarn und am Montag (16 Uhr) auf Aserbaidschan. Sport1 überträgt live das erste und das dritte Vorrundenspiel.

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