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Freitag, 12.01.2018

Oewa-Mitarbeiter fordern über 4 Prozent mehr Lohn

Auch die zweite Tarifrunde ist gescheitert. Die Geschäftsführung kritisiert die Kundgebung zu Beginn der Verhandlung.

Von Maria Fricke

Sabine Duckstein (vorn rechts) sowie Felix Schultz (vorn links) von der IG Bergbau, Chemie und Energie haben am Freitagvormittag zur Demonstration bei der Oewa in Döbeln aufgerufen. Über 100 Mitarbeiter waren dem Aufruf gefolgt.
Sabine Duckstein (vorn rechts) sowie Felix Schultz (vorn links) von der IG Bergbau, Chemie und Energie haben am Freitagvormittag zur Demonstration bei der Oewa in Döbeln aufgerufen. Über 100 Mitarbeiter waren dem Aufruf gefolgt.

© Dietmar Thomas

Döbeln. Sein Bereich ist sehr speziell. Zwischen vier und fünf Stunden kann es dauern, bis er den Fehler hat, wenn der Oewa-Mitarbeiter nach Dienstschluss alarmiert wird. „Es kann sein, dass ich den ganzen Ort durchsuchen muss. Meist bin ich dabei allein“, schildert der Mann seine Erfahrungen. Zwar werde die Rufbereitschaft schon vergütet. „Wir können die Stunden abbummeln und erhalten Zuschläge dafür“, sagt er. Doch das reiche den Mitarbeitern im Bereitschaftsdienst nicht. Schließlich sind auch sie am Tag mindestens acht Stunden arbeiten. „In den alten Bundesländern erhalten die Mitarbeiter viel mehr“, weiß der Mann. Und dass die Bezahlung woanders besser sei, zeige sich auch daran, dass immer wieder mühevoll angelernte Leute nach kurzer Zeit das Unternehmen wieder verließen, „weil sie eine Stelle mit besserer Bezahlung gefunden haben“. Daher findet es der Mitarbeiter nur gerechtfertigt, dass sich die Pauschale für die Rufbereitschaft bei der Oewa Wasser und Abwasser GmbH erhöhen soll.

Im Februar wird weiter verhandelt

Dafür, für über vier Prozent mehr Lohn sowie eine Erhöhung des Weihnachtsgeldes von 85 auf 90 bis 95 Prozent haben zahlreiche Mitarbeiter der Oewa am Freitagvormittag vor dem Betriebsgebäude an der Burgstraße demonstriert. Dazu aufgerufen hatte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). Über 100 Mitarbeiter der Oewa-Niederlassung aus Döbeln sowie zum Teil auch aus Grimma und anderen Zweigstellen hatten an dieser teilgenommen. Nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Felix Schultz war es das erste Mal, dass die Beschäftigten sich auf diese Form für ihre Belange eingesetzt haben.

Die Geschäftsführung der Oewa kritisierte die Kundgebung, für welche sich die Beschäftigten aus dem Betrieb ausgestempelt und damit ihre Freizeit geopfert hatten. Das Treffen der Verhandlungspartner am Freitag sei von dieser „überschattet“ worden, sagte Unternehmenssprecherin Tina Stroisch. „Für uns kam das überraschend. Vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt der Verhandlungen ist das für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Laurent Hequet, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Oewa. Man befände sich gerade erst am Anfang und sei an dem Punkt, wo beide Seiten dargelegt hätten, was sie sich vorstellten.

Die Geschäftsführung legte der Tarifkommission in der ersten Verhandlungsrunde, die im Dezember durchgeführt worden ist, einen Inflationsausgleich in Höhe von 1,7 Prozent vor. „Das empfinden wir als Unverschämtheit“, äußerte sich Sabine Duckstein von der IG am Freitag. Im Rahmen der zweiten Tarifverhandlung sei nach Angaben von Felix Schultz ein etwas besseres Angebot der Arbeitgeber vorgelegt worden. Konkret seien 57 Euro auf die Tabellenvergütung bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, eine Erhöhung des Weihnachtsgeldes auf 95 Prozent sowie eine Arbeitsgruppe zum Thema Rufbereitschaft angeboten worden. Die Arbeitsgruppe werde das Thema analysieren. Eine mögliche Erhöhung der Pauschale werde zum 1. Juli 2018 in Aussicht gestellt. „Das ist uns aber noch zu ungenügend“, so Schultz. Nach reichlich vier Stunden waren die Verhandlungen am Freitag beendet worden.

Für den 5. Februar ist nun die nächste Verhandlungsrunde angesetzt. Diese wird Schultz zufolge voraussichtlich in Leipzig stattfinden. Ob es auch dort wieder Aktionen der Beschäftigten geben wird, konnte der Generalsekretär der IG BCE am Freitag noch nicht sagen. „Von den Mitarbeitern wäre es gewünscht“, so Schultz.

Mehr Lohn – höhere Gebühren?

Aus Sicht der Geschäftsführung gebe es im wesentlichen zwei Gründe, weshalb auf die Forderungen der Tarifkommission nicht eingegangen worden ist. Zum einen sei die Arbeit in der Daseinsfürsorge nicht mit der Industrie oder anderen Branchen, die sich in Abhängigkeit der Konjunktur besser oder schlechter entwickeln, zu vergleichen. Zum anderen betonte Laurent Hequet, dass sich Tarifsteigerungen ab einer gewissen Größenordnung auf die Entgelte und Gebühren auswirken, die der Bürger für Trink- und Abwasser zahlen muss. Auch das sei in den Verhandlungen zu bedenken.

In einer Mitteilung führte die Oewa zudem auf, welche Vorzüge die deutschlandweit rund 500 Beschäftigten des Unternehmens bereits haben. So habe es in der Geschichte der Oewa bisher keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben, alle Beschäftigten erhielten alle vier Jahre automatisch eine Entgelterhöhung von rund vier Prozent sowie jährlich einen leistungsabhängigen Bonus. Zudem lege das Unternehmen Wert auf Gleit- und Teilzeit, damit Mitarbeiter Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren können.

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