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Dienstag, 02.01.2018

Österreichs Flieger schmieren ab

Nach dem historischen Debakel beim Neujahrsspringen wird die Kritik an Cheftrainer Kuttin lauter – vor allem vom Vorgänger.

Stefan Kraft muss sich an die eigene Nase fassen. Nach Platz vier zum Tournee-Auftakt hat er beim Neujahrsspringen das Finale verpasst und vergab alle Chancen in der Gesamtwertung.
Stefan Kraft muss sich an die eigene Nase fassen. Nach Platz vier zum Tournee-Auftakt hat er beim Neujahrsspringen das Finale verpasst und vergab alle Chancen in der Gesamtwertung.

© dpa/Angelika Warmuth

Das kommt überraschend: Österreichs Skispringen steckt in der Krise. Die Ergebnislisten lassen keinen anderen Schluss zu. Die ersten zwei Stationen der Vierschanzentournee weisen für die Adler aus unserem Nachbarland zwar einen vierten Platz durch Stefan Kraft in Oberstdorf aus. Doch am Montag in Garmisch-Partenkirchen erlebten die Männer von Cheftrainer Heinz Kuttin ein historisches Debakel.

Mit Gregor Schlierenzauer (19.) und Michael Hayböck (20.) schafften nur zwei Österreicher den Sprung in den Finaldurchgang. Kraft (31.) konnte schon nach dem ersten Durchgang seine Skier zusammenpacken. Damit stand das schlechteste Garmisch-Partenkirchen-Ergebnis des Austria-Teams seit 1979 fest. Das Dilemma der erfolgsverwöhnten Ösi-Adler ist derzeit das große Leistungsgefälle in ihrem Elite-Team. Außer Doppelweltmeister und Gesamtweltcupsieger Kraft hat sich kein anderer der Männer im Kuttin-Team in der bisherigen Saison als konkurrenzfähig für Plätze auf dem Siegerpodest erwiesen. Die jahrelange mannschaftliche Kompaktheit auf höchstem Niveau ist nur noch Vergangenheit. Einzig Hayböck, Tournee-Zweiter 2014/15, zeigt nach einer Verletzungspause einen leichten Aufwärtstrend.

Alle anderen sehen nicht gut aus. Der Weltcup-Rekordsieger Schlierenzauer ist nur noch ein Double des einstigen Dauer-Dominators. Manuel Fettner, auch schon 32 Jahre alt, ist nach einem Zwischenhoch im vergangenen Winter wieder in Richtung Mittelmaß unterwegs. Springer wie Manuel Poppinger, Clemens Aigner und Daniel Huber sorgten nur sporadisch für positive Ergebnisse, treten aus unterschiedlichen Gründen in ihrer sportlichen Entwicklung auf der Stelle.

Für Cheftrainer Kuttin war angesichts der problematischen Gesamtsituation klar, dass der Start in die Weltcupsaison kein leichter sein wird. Als Anfang Dezember deutlich wurde, dass die Verletzungsausfälle nicht von heute auf morgen aufgeholt werden können, „haben wir ganz schön daran zu knabbern gehabt“, meinte der ehemalige Weltklassespringer. Dennoch gibt sich Kuttin zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass sich die guten Ergebnisse bald einstellen.“

Sollte das im weiteren Tourneeverlauf nicht gelingen, könnte allerdings die Amtszeit des Trainers auch schnell zu Ende sein. Besonders laut hob schon Alexander Pointner zur Kritik an. In seiner Kolumne in der Tiroler Tageszeitung konstatierte er generell fehlende Qualität „im Vergleich zu den Spitzenteams wie Norwegen, Deutschland und Polen“. Pointner , der 2013/14 von Kuttin als ÖSV-Cheftrainer Skisprung abgelöst wurde, hält nicht die Aufarbeitung des Trainingsrückstandes für die wichtigste Aufgabe: „Es geht darum, den Kopf frei zu bekommen. Wer sich nichts pfeift, der landet auch mit unperfekten Sprüngen mal ganz vorne.“

Kuttin, der den ganzen Wirbel sehr gelassen registriert, scheint sich indes mit seinen Athleten intern schon einig zu sein, dass die Tournee diesmal nicht der wichtigste Saisonhöhepunkt ist. Darauf deuten zumindest Aussagen von der österreichischen Nummer eins hin. „Ich muss nicht großartig etwas beweisen“, sagte Stefan Kraft auf die Frage nach seinen Tournee-Ambitionen. Aber: „Bei Olympia möchte ich natürlich in Top-Form sein, da will ich alles niederreißen“, so der 24-Jährige. In seiner umfangreichen Medaillensammlung fehlt ihm nur noch olympisches Edelmetall. (uw)

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