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Freitag, 13.10.2017

Öffentliche Entschuldigung nach Spuckattacke gegen Schiedsrichter

Ronny Hanusch aus Uhyst bittet nach seinem unsportlichen Verhalten bei einem Fußballspiel um Verzeihung. Und der Unparteiische nimmt sie an.

Von Christian Köhler

Die Fußballschuhe vorerst an den Nagel gehangen: Ronny Hanusch machte seine sportliche Karriere davon abhängig, ob seine Entschuldigung angenommen wird.
Die Fußballschuhe vorerst an den Nagel gehangen: Ronny Hanusch machte seine sportliche Karriere davon abhängig, ob seine Entschuldigung angenommen wird.

© Jens Trenkler

Uhyst. Ronny Hanusch kämpft bei jedem Punktspiel in der Fußball-Kreisklasse für den Sieg seiner Uhyster Elf. Von sich selbst sagt er, „ich bin ein sehr emotionaler Typ“. Doch am vergangenen Samstag beim Punktspiel gegen Mücka hatte er seine Emotionen nicht im Griff, verhielt sich, wie er selbst einräumt, grob unsportlich: Nach einer gelb-roten-Karte gegen ihn spuckt er Schiedsrichter Sandro Kern ins Gesicht. Die Attacke hat im gesamten Fußballverband Oberlausitz für Entsetzen gesorgt, wie Verbandsvize Rainer Böhm bestätigt.

Ronny Hanusch sucht nun den Weg in die Öffentlichkeit: „Da mir mein Fehlverhalten wirklich sehr leid tut und es keine Begründung dafür gibt, die ein solches Verhalten rechtfertigt“, sagt der 38-Jährige der SZ, „möchte ich mich an dieser Stelle in erster Linie bei Herrn Kern, aber auch bei meiner Mannschaft, dem Uhyster SV, den Fans sowie der gesamten Gemeinde Uhyst und dem Sächsischen Fußballverband dafür entschuldigen.“

Schiedsrichter Sandro Kern indes war nach der Spuckattacke schockiert. Auf die Frage, ob er die Entschuldigung annimmt, sagt er: „Ja, nehme ich. Es zeugt von Größe, wenn er dies öffentlich tut.“ Sandro Kern hofft, dass ihm künftig solche Vorfälle erspart bleiben. „Wir Schiedsrichter sind auch nur Menschen.“

Ob Ronny Hanusch die Entschuldigung jedoch vor dem Sportgericht nützt, bleibt abzuwarten. Vom Verband heißt es, es sei in der Sache bereits ein Verfahren anhängig. Joachim Hahn, Staffelleiter und Mitglied bei der Eintracht in Niesky, drückt sich da schon deutlicher aus: „Für mich muss die Strafe gegen den Spieler sehr hoch ausfallen.“ Eine Entschuldigung wäre aus seiner Sicht direkt nach dem Spiel angebracht gewesen, und nicht erst Tage später. Genauso sieht es Uwe Rost vom Sportgericht: „Ich kann der Entscheidung noch nicht vorweggreifen, aber dem Spieler droht eine schmerzliche Strafe“, sagt er und fügt an: „So ein Verhalten kann man einfach nicht durchgehen lassen.“ Geprüft werde nun eine Sperrfrist sowie eine Geldstrafe gegen Hanusch.

Schließlich habe der Verband ohnehin schon damit zu kämpfen, zu jedem Spiel einen Schiedsrichter zu stellen. „Wir müssen einfach festhalten, dass wir auf die Schiedsrichter angewiesen sind, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagt Staffelleiter Joachim Hahn. Unparteiische, so fügt Uwe Rost hinzu, müssten unbedingt geschützt werden. Gerade in der Kreisklasse werden zumeist Nachwuchsschiedsrichter eingesetzt, da seien solche Vorfälle wie in Uhyst sehr kontraproduktiv. „Denn warum sollte man sich im Ehrenamt solchen Situationen aussetzen?“, fragt Hahn.

Die Spuckattacke in Uhyst sei zwar „die Ausnahme“, wie Verbandsvize Rainer Böhm betont, aber Angriffe gegen Schiedsrichter kämen immer wieder vor. „Wir hatten in der vergangenen Saison beispielsweise einen Spieler aus Skerbersdorf, der einen Schiedsrichter tätlich angegriffen hat“, erinnert sich Joachim Hahn. Damals entschied das Sportgericht, den Spieler bis zum Saisonende zu sperren.

Ronny Hanusch will nun bis zur Entscheidung des Sportgerichtes seine Fußballschuhe vorerst an den Nagel hängen. „Ich werde mich auf jedenfall noch persönlich beim Schiedsrichter als auch beim nächsten Heimspiel bei der Mannschaft entschuldigen.“

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