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Freitag, 11.08.2017

Oderwitzer Schülerin spendet Zopf für guten Zweck

Für eine Spendenaktion für krebskranke Kinder lässt sich nicht nur Erstklässlerin Emma die Haare schneiden.

Von Elke Schmidt

Emma Grunewald opferte ihren Zopf zur Herstellung einer Perücke.Daniel Drescher vom Oderwitzer Friseursalon Kopfsache legte Hand an.
Emma Grunewald opferte ihren Zopf zur Herstellung einer Perücke. Daniel Drescher vom Oderwitzer Friseursalon Kopfsache legte Hand an.

© matthias weber

Der erste Blick in den Spiegel ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Gerade hat sich Emma Grunewald ihre Haare abschneiden lassen und jetzt muss sie sich erst noch an ihr verändertes Aussehen gewöhnen.

Doch traurig ist sie nicht, denn sie weiß, dass ihr schöner dicker Zopf nicht weggeworfen wird. Er wird wie viele andere gesammelt, um daraus Perücken zu machen. Der Anstoß für ihre Spende kam von Daniel Drescher. Er arbeitet im Oberoderwitzer Friseursalon Kopfsache und Emmas Oma ist dort Kundin. Die brachte das Mädchen eines Tages mit und dem Friseur fielen sofort ihre schönen dicken Haare auf. Aus Spaß meinte er, die wären perfekt zum Spenden geeignet, vergaß die Sache aber nach dem Besuch wieder.

Die Sechsjährige jedoch nahm seinen Vorschlag ernst und erzählte zu Hause, sie wolle ihre Haare spenden. Die Familie fand diese Idee toll. „Wir sind wahnsinnig stolz auf Emma“, sagt ihre Mutter, die sofort einen Termin beim Friseur ausmachte.

Nun ist der Zopf ab und von Daniel Drescher bereits ins Westmünsterland geschickt. Er hatte gehört, dass dort Yvonne Honerbom, Obermeisterin der Friseur-Innung Borken, Zopfspenden sammelt und übers Internet Kontakt aufgenommen. Sie habe sich sofort gemeldet, sagt er.

Yvonne Honerbom rief die Aktion vor vier Jahren ins Leben, weil sie es schade fand, wenn gerade besonders lange Haare einfach im Müll landeten. Das wollte sie ändern und suchte einen Partner, der die Haare weiterverwenden könnte. Den fand sie in der münsterländischen Zweithaar-Manufaktur Rieswick. Das Familienunternehmen hat sich auf das Anfertigen von Perücken für Menschen spezialisiert, die aus den verschiedensten Gründen ihre Haare verlieren. Am schlimmsten für die Betroffenen ist dabei wohl der totale Haarausfall, der nach einer Chemotherapie aufgrund einer Krebserkrankung auftritt. Für sie alle verbessert eine Echthaarperücke spürbar ihre Lebensqualität. Max Rieswick von der Geschäftsleitung erklärt, dass die Perücken von Hand gefertigt und pro Stück im Schnitt vier bis sechs Zöpfe gebraucht werden. Jedes Haar werde einzeln auf den Perückenboden geknüpft. Das dauere zwischen 200 und 250 Stunden, sagt er. Die meisten sind spezielle Einzelanfertigungen nach den Wünschen der Kunden. Für ein perfektes Ergebnis verwendet die Firma Echthaare und freut sich über jede Spende. Damit sie die Haare verwenden kann, müssen sie mindestens 25 Zentimeter lang sein. Am besten seien naturbelassene Haare, die gesund bis in die Spitzen sind, sagt Rieswick. Gefärbte und dauergewellte nimmt das Unternehmen ebenfalls, aber die seien nicht ohne Weiteres verwendbar.

Für jeden gespendeten Zopf spendet das Unternehmen außerdem einen Betrag an eine Organisation, die man sich selbst aussuchen kann. Für Emmas Haare übernimmt das Yvonne Honerbom. Sie wählt sorgfältig, wen sie unterstützt, sagt sie. Im letzten Jahr haben die Betriebe der Innung Borken zum Beispiel 284 Zöpfe gesammelt, sagt sie. Dafür erhielten sie 2 000 Euro. In diesem Jahr wollen sie ein Hospiz aus der Region unterstützen. Wenn Emma aber für jemand anderen spenden wolle, sei das selbstverständlich auch möglich.

Yvonne Honerbom ist jedes Jahr auf Neue überrascht, wie gut ihre Aktion angenommen wird. Viele Kunden würden ihre Haare aus Überzeugung spenden, auch wenn sie zunächst nicht vorhatten, sie abschneiden zu lassen. Dass es sich derart weit herumsprechen würde, hätte sie allerdings nicht gedacht. Mit Emma Grunewald ist jetzt sogar ein kleines Mädchen aus Sachsen unter den Spendern.

Sie wird in den nächsten Tagen in der Schule sicher noch öfter erklären müssen, warum sie plötzlich kurze Haare hat. Dorthin geht sie noch nicht lange. Sie wurde erst am Wochenende eingeschult und ist jetzt in der ersten Klasse.

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