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Freitag, 02.06.2017

Obi-Mitarbeiter kämpfen für gerechtere Löhne

Mit dem Streik wollen die Angestellten in Pirna eine Tarifbindung durchsetzen. Bei den Kunden stoßen sie damit auf Verständnis.

Von Mareike Huisinga

Viele Mitarbeiter des Obi-Baumarktes in Pirna streikten am 1. Juni.
Viele Mitarbeiter des Obi-Baumarktes in Pirna streikten am 1. Juni.

© Huisinga

Pirna. Die meisten Angestellten des Pirnaer Obi-Baumarktes waren am Donnerstag nicht im Geschäft, um Hammer, Bohrer und Balkonpflanzen zu verkaufen, sondern standen draußen. Mit Rasseln und Trillerpfeifen begrüßten sie lautstark die Kunden. Zu dem Streik hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Zahlreiche Mitarbeiter aus Pirna folgten der Einladung. Unterstützung bekamen sie außerdem von ihren Kollegen, die unter anderem aus Dresden und Radebeul anreisten.

Die Forderungen sind eindeutig. „Wir wollen einen einheitlichen Tarifvertrag. Teilweise werden die Obi-Beschäftigten weit unter der Branche entlohnt. Seit 2000 wurden die Löhne nur sporadisch erhöht“, erklärt Verdi-Streikleiterin Sonja Zimmer. Die Folge: Die Angestellten in den Häusern werden unterschiedlich bezahlt. „Das darf nicht sein“, sagt sie kämpferisch.

Ein Obi-Mitarbeiter aus Pirna, der seinen Namen nicht nennen möchte, stimmt ihr zu. „Besonders unerträglich empfinde ich die Ignoranz der Unternehmensführung uns gegenüber. Das läuft nach dem Merkel-Prinzip: Wir sitzen alles aus und irgendwann ist Ruhe.“ Bereits am 13. April wurde der Obi-Markt in Radebeul bestreikt. „Seitdem gibt es keine Reaktion von der Geschäftsführung“, sagt der Angestellte, um dann wieder kräftig in die Trillerpfeife zu blasen. Eine junge Kollegin, auch in grellgelber Verdi-Warnweste, vertritt ebenfalls einen eindeutigen Standpunkt. „Mit dem Verdienst, den ich momentan bekomme, kann ich als Alleinerziehende kaum meine Familie versorgen“, erklärt sie ihr Engagement. Nicht alle Pirnaer Angestellten folgten dem Verdi-Aufruf; der Baumarkt war für die Kunden geöffnet. „Das muss jeder für sich entscheiden, und wird von uns akzeptiert“, sagt die junge Mutter.

Bei den Kunden stieß die Aktion auf Zustimmung. „Die Leute im Handel werden schlecht bezahlt. Ich habe Verständnis für den Streik“, sagt Liane Roy. Andere Käufer äußerten sich ähnlich.

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