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Freitag, 11.08.2017

Oberschule gewinnt, Gymnasium verliert

Die Schülerzahlen steigen, aber nicht überall. Die Sächsische Zeitung zeigt die fünf interessantesten Trends.

Von Carina Brestrich

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Es geht wieder los: An der Oberschule Kreischa ruft das Stundenklingeln zum Unterricht. Zwei fünfte Klassen werden hier dieses Schuljahr unterrichtet.
Es geht wieder los: An der Oberschule Kreischa ruft das Stundenklingeln zum Unterricht. Zwei fünfte Klassen werden hier dieses Schuljahr unterrichtet.

© Andreas Weihs

Freital. Seit Montag heißt es für die Schüler im Landkreis wieder zeitig aufstehen. Während die einen schon jetzt stöhnen, müssen sich andere überhaupt erst ans Schulleben gewöhnen. Für insgesamt 2 200 Kinder hat am Montag an den staatlichen Grundschulen im Landkreis die Schulzeit begonnen. Auch für die Fünftklässler sind Wege seit dieser Woche andere: Laut Bildungsagentur sind von ihnen 1 028 Mädchen und Jungen an einer Oberschule angemeldet, 603 haben sich fürs Gymnasium entschieden. Die SZ hat die Schülerzahlen analysiert und zeigt die interessantesten Entwicklungen.

Ansturm auf Gymnasien bleibt aus

Gymnasium oder Oberschule? Nach einem Gerichtsbeschluss haben bei dieser Frage seit diesem Schuljahr die Eltern das letzte Wort. Brauchten die Viertklässler bisher einen entsprechenden Notendurchschnitt von 2,0, können Eltern jetzt unabhängig von der Empfehlung der Grundschule entscheiden. Der deshalb erwartete Ansturm auf die Gymnasien aber blieb aus. Im Gegenteil: Die Anmeldezahl ist beim Weißeritzgymnasium weiter gesunken. 142 Fünftklässler lernen seit diesem Schuljahr am Gymnasium, drei von ihnen hatten ursprünglich keine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium.

Insgesamt acht Kinder hatten sich ohne die Empfehlung beim Gymnasium gemeldet und an einem Test teilgenommen. In einem Gespräch haben Eltern und Lehrer dann entschieden, ob das Kind am Gymnasium gut aufgehoben ist oder die Oberschule besser geeignet ist.

Lieber Oberschule statt Gymnasium

Des einen Freud ist, des anderen Leid: Freuen kann sich in diesem Fall die Oberschule in Wilsdruff. Lag die Zahl der Fünftklässler in den vergangenen Jahren immer bei 70 bis 85, lernen seit diesem Schuljahr erstmals 109 Schüler in vier fünften Klassen. Auffällig: Ein großer Teil hat eigentlich eine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium. Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) hat eine Erklärung, warum sie dennoch nicht aufs Gymnasium gehen: „Die Eltern entscheiden mit ihren Kindern offenbar nicht nur nach der Bildungsempfehlung, vielmehr spielt auch der kurze Weg zur Schule eine entscheidende Rolle.“ Die Platzkapazitäten hat die Schule: Aller zwei Jahre darf sie eine vierte Klasse aufmachen.

Entspannen könnte sich dies ohnehin wieder, wenn das Gymnasium in Wilsdruff in Betrieb geht. Dass man dann dem Freitaler Gymnasium weitere Schüler wegnimmt, glaubt Rother nicht: „Das Ziel der Schulnetzplanung des Landkreises ist es ja gerade, den Gymnasialstandort Freital zu entlasten.“

Totgeglaubte leben länger

Die Oberschule in Kreischa war längere Zeit Sorgenkind. In den vergangenen Jahren konnte sie mehrmals nur eine fünfte Klasse einschulen. So auch im vorigen Schuljahr, als 26 Fünftklässler in Kreischa aufgenommen wurden. Dieses Jahr sieht es für die zweizügig ausgelegte Oberschule besser aus: 41 Fünfklässler lernen in zwei Klassen. Zweifel am Schulstandort gibt es auch in Mohorn nicht mehr. War die Schule vor fünf Jahren mit zwölf Anmeldungen noch ein Wackelkandidat, ist die erste Klasse dieses Jahr mit 28 Abc-Schützen rappelvoll. „Betrachtet man alle wohnhaften Kinder im Schulbezirk, gibt es auch in den kommenden Jahren keine Probleme mit der Klassenbildung“, sagt Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother.

Mehr Schüler als Anmeldungen

An der Geschwister-Scholl-Oberschule in Freital-Hainsberg ist es jedes Jahr dasselbe. Dort gehen immer nach den Ferien deutlich mehr Schüler in die fünfte Klasse als ursprünglich angemeldet waren. Dass es nicht so viele Anmeldungen wie an anderen Freitaler Oberschulen gibt, hängt nicht mit dem Ruf der Schule zusammen, sagt Schulleiterin Jenny Lenk. Durch Um- und Zuzüge verändern sich die Zahlen manchmal kurzfristig. Hinzu kommt, dass Kinder auch von anderen Schulen umgelenkt werden. „Eltern wollen ihre Kinder an den Schulen in der Nähe ihres Wohnorts einschulen“, sagt Jenny Lenk. Das ist an der Lessing-Oberschule in Potschappel so, wo viele Familien mit Kindern wohnen. Weil die Kapazitäten nicht reichen, werden sie auf die anderen Schulen verteilt – je nach dem, welchen Zweitwunsch die bei der Anmeldung angegeben haben.

Das gegenteilige Phänomen zu Hainsberg herrscht an der Freien Oberschule Regenbogen in Rabenau, auf die es in den vergangenen Jahren einen großen Ansturm gab. Musste die einzügige Schule sonst Schüler wegschicken, konnte sie dieses Jahr aber alle Wünsche erfüllen: 17 Fünftklässler lernen dort jetzt.

Mehr erste Klassen

Mit knapp 2 200 Erstklässlern sind diese Woche fast 300 Abc-Schützen mehr als im vorigen Schuljahr eingeschult worden. Einige Grundschulen können sich deshalb über eine erste Klasse mehr freuen. So begrüßte die Grundschule in Bannewitz dieses Jahr drei erste Klassen, Tharandt und Oelsa haben jeweils zwei erste Klassen eingeschult.

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