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Montag, 13.11.2017 Post aus Stockholm

Obergrenze für schwedische Rentiere

Norwegens Agrarminister will die „Zuwanderung“ der Herden begrenzen. Die Urbevölkerung pocht dagegen auf ihre Rechte.

Von André Anwar

Grenzen spielten für Rentierzüchter und ihre Herden im Norden Lapplands bisher keine Rolle. Nun will Norwegens Regierung die „Einreise“ der Tiere begrenzen.
Grenzen spielten für Rentierzüchter und ihre Herden im Norden Lapplands bisher keine Rolle. Nun will Norwegens Regierung die „Einreise“ der Tiere begrenzen.

© picture alliance / dpa

Wie uns Menschen zieht es auch die schwedischen Rentiere auf die andere Seite – dorthin, wo das Gras grüner und saftiger ist. Das war bislang kein Problem. Schon lange bevor sich die Skandinavier in Nordeuropa niederließen, Königreiche und nationalstaatliche Grenzen erschufen, lebte dort das Volk der Sami. Die Urbevölkerung betreibt bis heute Rentierzucht in den norwegischen und schwedischen Teilen Lapplands. Im Frühjahr treiben schwedische Sami ihre Rentiere gen Norden an Norwegens Küsten, weil es dort besseres Futter gibt. Im Winter treiben die Hirten ihre Tiere dann zurück nach Schweden.

Seit der Grenzziehung zwischen beiden Ländern 1751 wurde dafür der sogenannte Lappland-Kodex verabschiedet. Er sollte den Sami auch weiterhin die grenzüberschreitende Rentierzucht ermöglichen. Doch mit der Großzügigkeit könnte es nun vorbei sein. Alle 30 Jahre wird das Abkommen neu verhandelt. 2009 wurde wieder ein neuer Vertrag unterzeichnet. Stockholm will ihn aber nicht ratifizieren.

Norwegens rechtsnationaler Landwirtschaftsminister Jon Georg Dale von der einwanderungskritischen Fortschrittspartei (FRP) will das nicht akzeptieren. Nun droht er seinem Stockholmer Amtskollegen Sven-Erik Bucht mit einer Obergrenze für schwedische Rentiere, sollte der den Vertrag nicht verabschieden.

Wie genau Dale das durchsetzen möchte, ob etwa mit Grenzkontrollen oder der Rückführung oder Zwangsschlachtungen bereits eingereister Tiere, hat er noch nicht verraten. Doch die schwedischen Samen geben sich zuversichtlich. Sie wollen weitermachen wie schon seit Hunderten von Jahren und pochen auf ihre Rechte.

Doch das Problem bleibt. Tatsächlich tummeln sich in der warmen Jahreszeit einfach zu viele Rentiere in Nordnorwegen, weil die Herden der Samen beider Länder zu groß geworden sind und gleichzeitig frei zugängliches Weideland anderweitig genutzt wird, beispielsweise für Windparks. Es geht vor allem um die Weidegebiete in den norwegischen Regionen Troms und Finnmark. Allein die norwegischen Rentiere fressen dort so viel, dass das Gras langsam knapp werde, heißt es aus Oslo und von den norwegischen Rentierzüchtern. Das ökologische Gleichgewicht sei aus der Balance, warnen auch unabhängige Experten. Schon mehrere norwegische Landwirtschaftsminister vor Dale haben versucht, die eigenen Rentierzüchter zur Verkleinerung ihrer Herden zu bringen. Ein junger norwegischer Rentierzüchter und Same erhielt jüngst einen amtlichen Bescheid, in dem ihm die Schlachtung von 41 seiner 116 Rentiere angeordnet wurde. Doch er klagte erfolgreich vor Gericht. Bislang kann Norwegen nur die Größe der eigenen Rentierpopulation beeinflussen, nicht aber die, die über ein altes, bilaterales Abkommen aus Schweden kommen und im Lande grasen. Die dürfen derzeit sogar dort grasen, wo es norwegischen Rentieren verboten ist, beklagen auch norwegische Rentierzüchter.

Schwedens rot-grüne Regierung stellt sich stur. „Wir wollen den Vertrag nachverhandeln. So, wie er jetzt ist, wäre er zu unvorteilhaft für Schweden“, sagt Annika Andersson Ribbing, Beraterin des schwedischen Landwirtschaftsministers Bucht.

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