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Freitag, 09.02.2018

Nur noch freudige Ereignisse

Sören Gonther arbeitet für sein Comeback. Auch in Sachen Familienplanung läuft beim Dynamo-Profi alles nach Plan.

Von Daniel Klein

Sportlich wurde Sören Gonther bereits nach vier Partien durch eine schwere Verletzung ausgebremst. Privat kündigt sich der gewünschte dritte Nachwuchs an.
Sportlich wurde Sören Gonther bereits nach vier Partien durch eine schwere Verletzung ausgebremst. Privat kündigt sich der gewünschte dritte Nachwuchs an.

© Robert Michael

Beim Heimspiel gegen Bochum war Sören Gonther schwer bepackt. Seine beiden Töchter trug Dynamos Innenverteidiger durchs Stadion, diesen Belastungstest bestand sein kreuzbandgeschädigtes Knie schon mal. Im Juli kommt ein weiteres Gewicht dazu, Gonthers Frau ist schwanger, diesmal wird es ein Junge.

Im Sommer will der 31-Jährige aber keine Lasten mehr heben, um verloren gegangene Muskelmasse wieder aufzubauen. „Mein Ziel ist, beim Start der Saisonvorbereitung topfit zu sein. Vielleicht ist vorher im Mai schon die eine oder andere Passübung drin“, erklärt er. Es sind also gleich zwei Großereignisse, die Gonther vor Augen hat – noch dazu erfreuliche.

Die Phase des Haderns und Klagens, die Frage, warum es schon wieder ihn getroffen hat, ist vorbei. Er habe sich längst damit abgefunden, dass er in dieser Saison nicht mehr spielen könne, sagt er. Lediglich vier Partien bestritt Gonther nach seinem Wechsel von St. Pauli für Dynamo, Ende September riss er sich das Kreuzband. Da es im linken Knie ein Wiederholungsfall ist, der erste Eingriff liegt sechs Jahre zurück, musste er nun zweimal operiert werden. Seit Dezember kann er endlich richtig loslegen mit Physiotherapie und Krafttraining – dem mit Hanteln.

„Auf dem Fahrrad bin ich schon ganz gut unterwegs, joggen ist aber noch kein Thema“, erklärt er. „Momentan geht es vor allem darum, die Stabilisierung des Knies zu fördern, dass es bei Widerständen dagegenhalten kann.“ Dafür müsse auch „die Muskulatur zum Leben erweckt werden“, der Oberschenkel soll wieder so aussehen wie vor der Verletzung. Täglich absolviert er im DDV-Stadion bei Physiotherapeut Tobi Lange ein vierstündiges Programm. „Ich mache jetzt also mehr, als wenn ich normal trainieren würde“, sagt er und grinst.

Den Mitspielern läuft er so zwangsläufig über den Weg, sieht sie in der Kabine, auch beim Training im Großen Garten. Es gibt Profis, die damit nur schwer umgehen können, die Abstand benötigen, weil es sie sonst deprimiert. Gonther gehört nicht zu ihnen. „Mich spornt das eher an“, sagt er. Höchstens ein, zwei Wochen will er seine Reha nach Hamburg verlegen, in seine Heimat. „Einfach, um mal rauszukommen.“

Fünf Jahre hat er für den Kiezklub gespielt, war zuletzt Kapitän, seine Töchter sind dort geboren, das schüttelt man nicht so schnell ab. Der Abschied war noch dazu ein sehr emotionaler. Als er seiner Großen erklärte, dass er jetzt zum letzten Mal für St. Pauli spielen wird und sie dann nach Dresden umziehen, fing die Tochter an zu weinen. Auch beim Papa flossen Tränen, er musste aus dem Zimmer gehen, weil er es nicht mehr aushielt. Die Kinder haben sich längst ans neue Zuhause gewöhnt, geholfen hat womöglich auch, dass Papa an den Wochenenden nun mehr Zeit hat. Gonther ist bei den Schwarz-Gelben in dieser Saison nicht der Einzige, der längerfristig ausfällt.

Die Liste ist lang, sobald mal ein Name gestrichen werden kann, kommt meist prompt ein anderer dazu. Darin sieht der Innenverteidiger den Hauptgrund für den holprigen Verlauf der Runde. Durch die ständigen Verletzungen sei es „schwer gewesen, Konstanz reinzubringen“, findet er. „Wir haben richtig gute Spieler im Kader, keine Frage, Aber wenn man immer wieder rotieren muss, kommen zwangsläufig auch die Abstimmungsprobleme.“

In Sachen Abstiegskampf kennt sich Gonther bestens aus, vorige Saison war er mit St. Pauli nach der Hinrunde Tabellenletzter. Sein Credo damals, für das er manches Kopfschütteln erntete: Das wird schon. „Ich war da ganz entspannt und absolut sicher, dass wir es packen. So ähnlich sehe ich das jetzt auch. Wir haben ganz einfach die nötige Qualität in der Truppe.“

In der Winterpause wurde der Kader nachjustiert – mit Marcel Franke auch auf seiner Position. „Die Lösung, die gefunden wurde, finde ich sehr gut. Auch da mache ich mir keine Sorgen“, sagt Gonther.

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