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Mittwoch, 11.10.2017

Nur einer macht Probleme

Der Weltwährungsfonds hätte eigentlich Anlass zu Optimismus. Die Konjunktur zieht an. Nur Donald Trumps „America first“ könnte der Welt massiv schaden.

Von Michael Donhauser

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Weltwirtschaftsexperten fürchten böse Auswirkungen durch Donald Trumps Abschottungspolitik.
Weltwirtschaftsexperten fürchten böse Auswirkungen durch Donald Trumps Abschottungspolitik.

© dpa

Donald Trump und sein Handelsminister Wilbur Ross haben ernst gemacht. US-Beamte werden künftig Strafzölle in Höhe von rund 300 Prozent einsammeln, wenn Bombardier Maschinen seiner C-Serie in die USA einführt. Der irische Außenminister Simon Coveney warnt deshalb sogar vor einem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs zwischen Katholiken und Protestanten im britischen Nordirland. Die Verbindung ist nur scheinbar weit hergeholt. Die Antwort auf die Frage, was beides miteinander zu tun hat, lautet: Globalisierung.

Große Teile der Bombardier-Flugzeuge werden in einem Werk von Bombardier im nordirischen Belfast hergestellt – von 4 200 nordirischen Arbeitern. Es ist eines der wenigen Beispiele von erfolgreicher Strukturpolitik, die Großbritanniens gescheiterter Ex-Premier David Cameron hinbekommen hat. Sollte die Fabrik schließen müssen, brennt im extrem strukturschwachen und politisch nicht zuletzt durch die Brexit-Debatte aufgeladenen Nordirland die Luft.

Mit einer einzigen Maßnahme hat Trump den Nachbarn Kanada, den speziellen Verbündeten Großbritannien und das EU-Land Irland vor den Kopf gestoßen. Besonders in Großbritannien kann man Negativnachrichten ohnehin gerade nicht gebrauchen – der IWF entkoppelte die Insel vom Aufschwung der übrigen Industriestaaten und korrigierte die Wachstumsprognose nach unten. Den Glauben an einen blühenden Handel auf der Basis eines Freihandelsabkommens mit den USA stärkt Trumps Verhalten ebenfalls nicht. Was der Fall Bombardier etwa für den seit Jahren anhaltenden Subventionsstreit zwischen Boeing und Airbus heißt, ist offen. Auch den Europäern werfen die USA unangebrachte Subventionen für ihren Flugzeugbauer vor. Die Washingtoner Organisation „Good Jobs First“ gibt zu bedenken, dass Boeing selbst zu den größten Subventionsempfängern in den USA gehört: Der Konzern soll 64 Milliarden Dollar an staatlichen Krediten oder Kreditgarantien erhalten haben. Und noch schlimmer: Der Flugzeugstreit könnte nur ein Vorgeschmack für andere Branchen sein. Die weiter schwelende Diskussion um US-Stahlimporte ist nur ein weiteres Beispiel.

Ob Donald Trump solche Zusammenhänge auf dem Zettel hat, wenn er seine „America first“-Politik unter dem Beifall seiner Wählerschaft durchboxt, ist ungewiss. Die Volkswirte des IWF haben sie durchaus auf dem Radar. Und nicht nur das: Das Hochtreiben der Aktienkurse, die Unklarheiten bei der Steuerreform und die hohe Staatsverschuldung in der größten Volkswirtschaft machen den kühlen Rechnern in ihrem Hauptquartier, nur einen Steinwurf vom Weißen Haus entfernt, Sorgen. Maurice Obstfeld, Chefvolkswirt des IWF, spricht bei der Vorstellung des neuen Weltwirtschaftsberichtes von guten Gelegenheiten, für die sich im Aufschwung der westlichen Welt ein Fenster geöffnet habe: Gelegenheiten internationaler Zusammenarbeit. Obstfelds Vorgesetzte, IWF-Chefin Christine Lagarde, hatte in der vergangenen Woche John F. Kennedy zitiert. Der hatte einmal den weisen Satz gesprochen: „Sein Dach repariert man am besten, wenn die Sonne scheint.“ Lagarde zielte mit diesen Worten nicht nur auf Trump – aber auch. Die USA leiden unter immensen Staatsschulden. Beim Weltwährungsfonds ist man der Ansicht, es sei jetzt besser, den Haushalt zu konsolidieren, als teure Mauern an der Grenze zu Mexiko zu bauen oder massiv in den Rüstungshaushalt zu investieren. Ungleichheit sei ein weiteres Problem, sagte Obstfeld. Die USA hätten ein Problem mit nicht ausreichend anziehender Inflation – dies führe in der Regel zu schwachem Lohnwachstum, besonders am unteren Ende der Skala. Doch Trump und seine Wirtschaftsexperten – zu großen Teilen aus dem Kreis ehemaliger Manager der Investmentbank Goldman Sachs rekrutiert – konzentrieren sich auf Abschottung zum Rest der Welt. Beispiel Alufolie: Der scheinbar unauffällige Küchenhelfer wird vor allem in China produziert, aber auch in den USA. Trump erhob hohe Strafzölle auf die in China staatlich bezuschussten Waren – die heimische Alu-Industrie jubiliert. Doch die Preise gehen hoch, weil die chinesischen Zuschüsse indirekt über den Verkaufspreis auch dem US-Verbraucher zugute kamen.

Der Folien-Streit mit dem großen Wettbewerber China erscheint nur als ein Stellvertreter-Krieg, ein Schuss vor den Bug. Nur ein Prozent der weltweiten Alu-Produktion geht in Verpackungen, der US-Import aus China beträgt weniger als eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr. Er zeigt aber, wie sehr Trump am internationalen Handelsgeflecht rüttelt, auf wie vielen Baustellen seine Anti-Welthandels-Beauftragten unterwegs sind.

(dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. GlobalisierungIstKeineLösung

    Ich glaube, dass die Tonlage gegenüber Trump immer einen starken Unterton von Bevormundung, Geringschätzung, Erniedrigung hat. Ob in einem solchen Klima ein ergebnisorientierter Dialog möglich ist, weiß ich nicht. Die Infragestellung der verrechtlichten Globalisierung ist bei den gravierenden Schäden des Westens gerechtfertigt! Die Globalisierung ist keine naturgesetzliche, ökonomische Notwendigkeit, sondern eine durch verzerrte Marktbewertungen erzielte Hybris des Leistungswahns, die massive Überkapazitäten und ökologische Zerstörungen bringt. Die Kosten für das aberwitzige Vorhalten von Energie und Tranport/Logistik, langfristige Vernichtung von Agrarland, Tierarten,Pflanzenarten, Düngemitteln, Edelmetallen (weil in winzigsten Dosen auf Müll verteilt),Sande(in Beton verbaut) sind in den Stückgutpreisen,Immobilienpreisen nicht einbezogen worden. In dem Punkt, dass die Globalisierung die Grenzen ihrer positiven Gestaltungsfähigkeit erreicht hat, stimme ich mit Trump überein.

  2. Martin H.

    Trump hat wenig Ahnung in Betriebswirtschaft, in Volkswirtschaft ist er ahnungslos. Handelskriege sind wie echte Kriege. Am Ende steht jeder schlechter da. Er will den anderen schaden und schneidet sich über Umwege selbst am tiefsten ins Fleisch. Verkauft Boeing ein Flugzeug mehr, wenn Bombardier Strafzölle zahlt? Nein, da Sie sowieso das Angebot von Bombardier gar nicht bedienen. Es werden also nur weniger Umsätze insgesamt gemacht, damit weniger Arbeitseinkommen und Steuern eingenommen und das bremst auch indirekt die Nachfrage nach Boeing Flugzeugen und/oder anderen amerikanischen Waren. Ein etwas einfältiger Präsident nutzt seinen etwas einfältigen Wählern letztlich am wenigsten.

  3. GlobalisierungIstKeineLösung

    @MartinH Sind Sie wirklich so überlegen? Hat die USA wirklich nur Boeing als Flugzeughersteller und sind Sie so sicher, dass diese Firma nicht doch das Segment von Bombardier bedient/bedienen will/wird? Und wissen Sie, ob Bombardier nicht doch über Staatshilfen die Flugzeuge in den Markt drückt, so wie China ihre Produkte über subventioniert auf die Weltmärkte wirft, um die westliche Konkurrenz zu bekämpfen? Sind Sie wirklich so gut informiert? Ich glaube nicht!

  4. Martin H.

    @3: Ich bin gut informiert und kann denken. Das reicht völlig. Ja die USA hat nur einen Flugzeugbauer (im großen Segment). Wenn Boeing die kleinere Flugzeug-Palette von Bombardier anbieten will, kostet das Zeit. Das geht nicht über Nacht. Bis dahin haben andere die Lücken besetzt. Am Ende noch die Chinesen. Außerdem gilt der gleiche Grundsatz wie im Autobau. Kleine Autos kleine Gewinnspannen, große Autos große Gewinnspannen. Warum soll sich Boeing in ein Segment drängeln, wo es nur wenig zu verdienen gibt? Und Boeing ist mindestens so hoch subventioniert wie Bombardier. Da ruft der Brandstifter nach der Feuerwehr. Lächerlich. Trump ist einfach ein Tölpel. Das war er schon sein ganzes Leben lang. Daran ändert sich auch nichts, nur weil er von anderen Tölpeln zum Präsident gewählt wurde. Das werden die Rednecks schon noch merken.

  5. GlobalisierungIstKeineLösung

    @MartinH Leider haben Sie sich nicht revidiert und nur schlecht recherchiert, dass mit dem Denken bleibt unkommentiert, da habe ich mich fremdgeniert. 1.)Bombardier hatte durch die US-Firma LearJet wesentliches Flugzeug-Know-How erlangt. Beim neuen Flieger wurden aber keine Produktionen innerhalb der USA vorgesehen. CETA läßt Böses erahnen. 2.)Sowohl Boeing, als auch einige andere Hersteller könnten solche Produktionen ebenfalls schaffen. Bombardier hatte auch erst einmal kleine Buisness-Jets produziert, bevor es an großformatiger Flugzeuge ging. Die Technologien hierfür beherrschen auch die Luxus-Jet-Hersteller und die Militärflugzeughersteller (potentielle Mitbewerber HondaAircraft(Sitz in North Carolina), Gulfstream,Northrup Grumman, und einige mehr. Sie müssen auch bedenken, wie schnell China mit viel Kapital in kürzester Zeit Großkonzerne heutzutage am Fließband produzieren kann. Die begrenzenden Faktoren sind Kapital und Skalierungsfähigkeit.

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